Immer mehr brauchen Pflege

Schnelle Hilfe, wenn die Not groß ist: Erster Allgäuer Pflegestützpunkt in Marktoberdorf eröffnet

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt im Ostallgäu in den nächsten Jahren enorm. Betroffene benötigen daher Rat und Unterstützung.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt im Ostallgäu in den nächsten Jahren enorm. Betroffene benötigen daher Rat und Unterstützung.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt im Ostallgäu in den nächsten Jahren enorm. Betroffene benötigen daher Rat und Unterstützung.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Die Beratungsstelle für das Ostallgäu bietet Angehörigen und Betroffenen Unterstützung bei allen Fragen rund um die Pflege. Warum das Angebot so wichtig ist.
22.09.2021 | Stand: 17:30 Uhr

Dem Allgäuer wird gemeinhin eine vornehme emotionale Zurückhaltung nachgesagt. Dazu zählt, Neuem durchaus vorsichtig zu begegnen. „Braucht’s des?“, sagt er dann. Und genau auf dieses Infragestellen hob AOK-Direktor Bernd Ruppert bei der offiziellen Eröffnung des ersten Allgäuer Pflegestützpunktes in Marktoberdorf ab – und lieferte eine Antwort gleich mit: „Ja dieses neue Beratungsangebot braucht es ganz dringend. Denn der Bedarf ist vorhanden.“

Zahl der Pflegebedürftigen im Ostallgäu steigt

Die Zahl der Pflegebedürftigen im Ostallgäu wird in den nächsten Jahren enorm ansteigen. Bis zum Jahr 2034 rechnet der Landkreis mit einer Zunahme pflegebedürftiger Menschen um ein Drittel. In Zahlen heißt das: In knapp 15 Jahren müssen zwischen 5000 und 6000 Ostallgäuer und Ostallgäuerinnen gepflegt werden. Erschwerend hinzu kommt, dass im selben Zeitraum die Altersgruppe der 20- bis 60-Jährigen um zehn Prozent abnehmen wird. Dabei stammen genau aus dieser Gruppe diejenigen, die häusliche Pflege leisten. Etwa 60 Prozent der Pflege wird derzeit von Angehörigen übernommen. Nicht umsonst nennt man sie den „Pflegedienst der Nation“.

Landkreis entlastet Angehörige

Da in Zukunft immer weniger Angehörige für immer mehr betagte Menschen da sein müssen, wird dieses System auf lange Sicht nicht mehr funktionieren können. Angesichts dieser Situation forciert der Landkreis den Ausbau ambulanter und (teil-)stationärer Einrichtungen und Dienste. Zudem soll der ebenfalls vom Landkreis koordinierte Ausbildungsverbund Pflege Ostallgäu-Kaufbeuren mithelfen, den Fachkräftemangel zu bewältigen. Und als eine der wichtigsten Maßnahmen sollen pflegende Angehörige unterstützt, entlastet und beraten werden.

Kostenlose Beratung für Betroffene im Ostallgäu

Genau an diesem Punkt setzt der neue Pflegestützpunkt Ostallgäu an. Er hat seinen Sitz am Landratsamt Ostallgäu und bietet allen Bürgerinnen und Bürgern ein kostenloses, unabhängiges und verbindliches Beratungsangebot rund um das Thema Pflege. Das Unterstützungsangebot richtet sich an alle Ratsuchenden, egal ob eine eigene Pflegebedürftigkeit vorliegt, Angehörige zuhause versorgt werden oder einfach nur grundlegende Informationen gewünscht werden. „Der Pflegefall ist für alle Betroffenen eine große Herausforderung. Mit dem neuen Pflegestützpunkt schaffen wir für Pflegebedürftige wie für pflegende Angehörige einen echten Mehrwert“, sagte Zinnecker.

Offizielle Eröffnung des Pflegestützpunktes Ostallgäu mit (von links): Pflegeberaterin Agnes Hartmann, Vize-Bezirkstagspräsidentin Barbara Holzmann, Landrätin Maria Rita Zinnecker, AOK-Direktor Bernd Ruppert, Stützpunktleiterin Manuela Walgenbach und Pflegeberaterin Verena Bösl.
Offizielle Eröffnung des Pflegestützpunktes Ostallgäu mit (von links): Pflegeberaterin Agnes Hartmann, Vize-Bezirkstagspräsidentin Barbara Holzmann, Landrätin Maria Rita Zinnecker, AOK-Direktor Bernd Ruppert, Stützpunktleiterin Manuela Walgenbach und Pflegeberaterin Verena Bösl.
Bild: Dirk Ambrosch (Archiv)

Das Netzwerk im Ostallgäu wird ausgebaut

Der Landkreis betreibt den Pflegestützpunkt zusammen mit dem Bezirk Schwaben und den Kranken- und Pflegekassen, vertreten durch die AOK Kaufbeuren-Ostallgäu. Deren Direktor, Bernd Ruppert, sagte, im vergangenen Jahr sei die Nachfrage rund um das Thema Pflege um über zehn Prozent gestiegen. Es brauche daher die Strukturen, die den betroffenen Familien schnell und kompetent Rat und Hilfestellung geben könnten. „Durch den Pflegestützpunkt im Ostallgäu wird eine wertvolle Ergänzung des gut funktionierenden Netzwerkes im Bereich der Pflege im Landkreis vollzogen. Es bringt die Beratungsangebote nochmals näher zu allen Bürgerinnen und Bürgern“, sagte Ruppert.

"Die Not ist schnell groß"

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Die Kosten für den Pflegestützpunkt teilen sich die Betreiber. Je ein Drittel davon tragen Kranken- und Pflegekassen, je ein Sechstel Landkreis und Bezirk. Die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Barbara Holzmann sagte, das Ostallgäu sei beim Thema Pflegestützpunkt „weit vorne dran“. Der nun eröffnete Stützpunkt ist der erste im Allgäu und in der Region der erste südlich von Augsburg. Holzmann sagte, Pflegebedürftigkeit trete im Alter oftmals plötzlich ein. „Dann ist die Not häufig schnell ganz groß.“ Mit dem Pflegestützpunkt hätten Betroffene nun eine Anlaufstelle, in der sie Informationen schnell und aus einer Hand bekommen könnten.

Das Team des Pflegestützpunktes besteht aus drei Mitarbeiterinnen. Auf sie warte nun viel Arbeit, sagte Landrätin Zinnecker. Und sie bedachte das Stützpunkt-Team mit Vorschuss-Lorbeeren. Die drei seien „hoch qualifiziert, hoch professionell und kompetent“.

  • Kostenlose Pflegeberatung für alle
    Der neue Pflegestützpunkt Ostallgäu hat seinen Sitz im Landratsamt Ostallgäu in Marktoberdorf (Schwabenstraße 11). Die Stelle bietet eine kostenlose und neutrale Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege sowie bei Bedarf eine umfangreiche, individuelle Fallberatung an.
  • Dieses Unterstützungsangebot richtet sich an alle Ratsuchenden, egal ob eigene Pflegebedürftigkeit vorliegt, Angehörige zuhause versorgt werden oder einfach nur grundlegende Informationen gewünscht sind.
  • Das Team des Pflegestützpunktestes besteht aus Leiterin Manuela Walgenbach sowie den Pflegeberaterinnen Verena Bösl und Agnes Hartmann.
  • Die Mitarbeiterinnen des Stützpunkts sind montags bis freitags jeweils von 8 bis 12 Uhr telefonisch unter der Nummer 08342 911-511 erreichbar oder per E-Mail unter: pflegestuetzpunkt@lra-oal.bayern.de

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