Sicher Schwimmen

Weniger Seepferdchen an Allgäuer Seen - Haben Kinder durch Corona das Schwimmen verlernt?

Kinder schwimmen

Viele Kinder hatten im Corona-Lockdown keine Möglichkeit, schwimmen zu lernen oder zu üben. Die Wasserwacht Marktoberdorf und die DLRG Kaufbeuren-Ostallgäu befürchten deshalb mehr Badeunfälle.

Bild: stock.adobe.com

Viele Kinder hatten im Corona-Lockdown keine Möglichkeit, schwimmen zu lernen oder zu üben. Die Wasserwacht Marktoberdorf und die DLRG Kaufbeuren-Ostallgäu befürchten deshalb mehr Badeunfälle.

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Die Wasserwacht Marktoberdorf und die DLRG befürchten nach dem Lockdown mehr Badeunfälle. Was Eltern beachten sollten.
03.07.2021 | Stand: 09:06 Uhr

Baden ist gefährlich. Ganz besonders in diesem Jahr. Keine Schwimmkurse, kein Schwimmunterricht, geschlossene Hallenbäder und ein langer Winter: Aus diesen Gründen hatten Kinder in den vergangenen Monaten keine Möglichkeiten, schwimmen zu lernen oder zu üben. Nach eineinhalb Jahren Pause gibt es in Marktoberdorf fast zwei Jahrgänge von Kindern, die nicht schwimmen können. Die Wasserwacht Marktoberdorf und die DLRG Kaufbeuren-Ostallgäu befürchten heuer daher mehr Badeunfälle als in den Vorjahren und geben Tipps, auf was Eltern achten sollten.

Marktoberdorfer Kinder haben das Schwimmen in der Lockdown-Zeit verlernt

Gary Kögel, Erster Vorsitzender der Wasserwacht Marktoberdorf und Badleiter des Anton-Schmid-Hallen- und Freibades in Marktoberdorf macht sich Sorgen. „Wir haben eine große Lücke – viel weniger Kinder haben in diesem Jahr ihr Seepferdchen gemacht.“ Die Wasserwacht bereite sich bereits darauf vor, dass sich das an den Badeseen im Ostallgäu bemerkbar machen wird.

„Ich bin richtig erschrocken“, sagt auch Bettina Schlegl, Schulleiterin der Adalbert-Stifter-Grundschule in Marktoberdorf. Als der Schwimmunterricht für Grundschulen wieder erlaubt war, habe sie feststellen müssen, dass die Kinder das Schwimmen in der Lockdown-Zeit regelrecht verlernt hatten. Eigentlich sei Schwimmen wie Radfahren, habe Schlegel den besorgten Grundschulkindern vor der ersten Schwimmstunde im Hallenbad gesagt. „Doch da habe ich mich getäuscht“, sagt sie.

„Wir hoffen auf den gesunden Menschenverstand der Eltern“, sagt Christoph Bosch, stellvertretender Vorsitzender der DLRG Kaufbeuren–Ostallgäu. Eltern haben die Aufsichtspflicht. Und sobald Kinder auf oder im Wasser seien, müssen Gedanken und Augen der Eltern bei ihnen sein. „Auf das Handy schauen geht also nicht.“

Für Kinder, die noch keinen Schwimmkurs haben, seien Schwimmflügel und Schwimmwesten sehr empfehlenswert. „Aber auch das ersetzt die Aufsicht nicht“, sagt DLRG-Mann Christoph Bosch. Kinder könnten auch mit Schwimmflügeln im knietiefen Wasser ertrinken.

Wasserwacht Marktoberdorf: Das Seepferdchen ist keine Garantie für sicheres Schwimmen

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Aber auch der erste Schwimmkurs – das Frühschwimmerabzeichen „Seepferdchen“ – sei keine Garantie, dass die Kinder nun sicher im Wasser unterwegs sind (siehe unten). „Kinder schaffen danach, höchstens eine Bahn durchzuschwimmen“, sagt Kögel. Sichere Schwimmer sind sie laut Kögel erst, wenn sie mindestens acht Bahnen durchschwimmen können. Die DLRG spreche erst ab dem zweiten Abzeichen, dem Freischwimmer, von Schwimmfähigkeit, sagt Bosch. (Lesen Sie auch: Immer mehr Badegäste im Allgäu: Viel zu tun für die Wasserschutzpolizei)

Vorsicht sei bei aufblasbaren Einhörnern, Flamingos und Badeinseln geboten, die derzeit im Trend sind, sagt Kögel. „Diese Dinger sind für Nichtschwimmer gefährlicher, als man denkt.“ Oft passiere es, dass Kinder von der Luftmatratze rutschen und nicht mehr hochkommen. Sind sie dann alleine unterwegs, schiebe der Wind die leichte Schwimminsel in Sekundenschnelle weiter auf den See hinaus. Auch hier sollten Eltern ihre Kinder deshalb nicht alleine mit den Einhörnern und Flamingos auf dem See treiben lassen, sagt Kögel.

Diese aufblasbaren Einhörner sind im Trend. Für Kinder die nicht schwimmen können sind solche Luftmatratzen sehr gefährlich.
Diese aufblasbaren Einhörner sind im Trend. Für Kinder die nicht schwimmen können sind solche Luftmatratzen sehr gefährlich.
Bild: Peter Endig (Symbolbild)

Die Tendenz, dass immer weniger Kinder – auch unabhängig von der Corona-Pandemie – gut schwimmen können, zeige sich auch in Marktoberdorf. „Und das obwohl wir hier den Luxus eines eigenen Schwimmbades in der Stadt haben.“ Laut einer deutschlandweiten Umfrage der DLRG konnten im Jahr 2005 etwa 34 Prozent der Kinder und Jugendlichen sehr schlecht oder gar nicht schwimmen, während es im Jahr 2017 bereits 60 Prozent sind.

DLRG Kaufbeuren-Ostallgäu bietet ein neues Schwimmkurskonzept an

Der Freistaat Bayern fördert das Frühschwimmerabzeichen „Seepferdchen“ für Vorschulkinder und Erstklässler ab dem kommenden Schuljahr mit einem Gutschein über 50 Euro. Natürlich können aber nicht alle auf einmal einen Schwimmkurs machen. Die Kapazitäten seien begrenzt. Zwar bieten laut Kögel sowohl das Hallenbad – also die Stadt Marktoberdorf – als auch die Wasserwacht Kurse im Anton-Schmid-Bad an. Aber die ehrenamtlichen Wasserwachtler haben nicht unendlich Zeit und er könne das Bad nicht zumachen und nur noch Schwimmkurse machen.

Die DLRG Kaufbeuren-Ostallgäu hat sich ein Konzept überlegt, um den Rückstand wieder aufzuholen: Eltern bekommen ein Handout von der Organisation. Anhand der Tipps sollen sie ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Alle zwei Wochen biete die DLRG dann eine Stunde für Eltern und Kind an, bei dem Fortschritte besprochen werden. „So lernen mehr Kinder in kürzerer Zeit das Schwimmen“, sagt Bosch. Das geht allerdings nur mithilfe der Eltern.

Das müssen Früh- und Freischwimmer können:

  • Frühschwimmer („Seepferdchen“): Vom Beckenrand springen, 25 Meter schwimmen und nach einem Gegenstand im schultertiefen Wasser tauchen: Das lernen Kinder ab dem sechsten Lebensjahr im ersten Schwimmkurs. Auch die Baderegeln sind Thema.
  • Schwimmabzeichen Bronze („Freischwimmer“): Im zweiten Schwimmkurs lernen Kinder, kopfwärts vom Beckenrand ins Wasser zu springen und müssen dann in 15 Minuten mindestens 200 Meter (acht Bahnen) schwimmen – ohne Festhalten am Beckenrand. Zudem üben sie zwei Meter in die Tiefe zu tauchen und einen Gegenstand an die Oberfläche zu holen. Auch ein Paketsprung („Arschbombe“) vom Startblock oder dem Ein-Meter-Brett sind Pflicht.

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