Autonomes Fahren

Sie fährt auch führerlos: Obergünzburger Firma verkauft eine selbst fahrende Elektro-Kehrmaschine

Autonome Kehrmaschine

Premiere: Die selbst fahrende Kehrmaschine drehte eine Runde ohne Fahrer um das Firmengebäude von Drutzel Kommunaltechnik in Obergünzburg.

Bild: Mona Boos

Premiere: Die selbst fahrende Kehrmaschine drehte eine Runde ohne Fahrer um das Firmengebäude von Drutzel Kommunaltechnik in Obergünzburg.

Bild: Mona Boos

Die Firma Drutzel aus Obergünzburg verkauft eine selbst fahrende Elektro-Kehrmaschine. Warum gerade der Elektroantrieb für Allgäuer Gemeinden interessant ist.
06.10.2021 | Stand: 04:00 Uhr

Wer im Allgäu irgendwann eine führerlose Kehrmaschine fahren sieht, braucht nicht zu erschrecken: Die Firma Drutzel Kommunaltechnik aus Obergünzburg vertreibt nun eine autonom fahrende Elektro-Kehrmaschine, die von den Firmen Boschung aus der Schweiz und Küpper-Weisser aus Bräunlingen in Baden-Württemberg entwickelt wurde. Bei einer Roadshow in Obergünzburg für Vertreter von regionalen Bauämtern, Straßenmeistereien und Baugeschäften wurde dieses Gefährt und vorgeführt.

Autonom kann die Kehrmaschine 24 Stunden, nachts und feiertags im Einsatz sein

„Solche Kehrmaschinen sind die Zukunft“, sagt Hans-Josef Dammer, Vertriebsleiter der Firma Küpper-Weisser. Kommunen und Städte werden laut Dammer immer mehr auf autonom fahrende und elektrobetriebene Fahrzeuge setzen. „Man braucht weniger Personal, weniger Geld und spart auch noch CO2“, sagt Dammer. Da die Maschine ihre Arbeit von selbst erledige, brauche es nur noch eine Person, die den Kehrbehälter regelmäßig leere. Zudem könne die autonome Kehrmaschine 24 Stunden, nachts und feiertags im Einsatz sein, wenn sonst niemand arbeite. Also sparen Kommunen laut Dammer vor allem Personal- und Spritkosten.

Der Elektroantrieb schone zusätzlich die Umwelt, sagt der Vertriebsleiter. Deutschland soll nach dem Klimaschutzgesetz der Bundesregierung bis 2050 klimaneutral werden. Mit dem Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030 haben sich teilnehmende Unternehmen, Kommunen und Institutionen verpflichtet, freiwillig bis spätestens zum Jahr 2030 ihre CO2-Emissionen auf ein Minimum zu senken. Gerade deshalb seien elektrobetriebene Fahrzeuge für Städte und Gemeinden sehr interessant. Die Technik der selbst fahrenden Kehrmaschinen sei so weit entwickelt, dass sie Hindernisse und Lebewesen in ihrem Umfeld erkennen und an ihnen vorbei fahren kann.

Die Maschine berechnet auch selbst die Kehrgut-Menge

Die Maschine berechnet auch selbstständig das Volumen des Kehrguts – zum Beispiel ein Stück Pappe auf dem Boden – und „entscheidet“ so ob sie es aufnehmen kann oder nicht. Der Akku der Maschine hält – abhängig von Umwelteinflüssen – bis zu zehn Stunden.

Allerdings ist autonomes Fahren auf öffentlichen Flächen in Deutschland noch verboten, sagt Jürgen Mülders, Vertriebsleiter der Firma Drutzel aus Obergünzburg. Bevor autonome Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein dürfen, müsse geklärt sein, wer im Fall eines Unfalls haftet. Bis dahin werden die autonom fahrenden Kehrmaschinen vor allem auf großen abgeschlossenen Flächen wie dem Duisburger Hafen eingesetzt. Aus diesem Grund rechnet Mülders damit, dass die Nachfrage nach der selbst fahrenden Kehrmaschine im Allgäu eher gering sein wird. „Diese sind vor allem für Flughäfen, große Parkhäuser oder Hafengebiete geeignet.“

Lesen Sie auch
##alternative##
Klimaschutz

Gemeinderat Röthenbach lehnt Beitritt zum Klimabündnis ab

Doch es gibt auch rein elektrische Kehrmaschinen ohne die technische Ausstattung für autonomes Fahren. Diese stoßen in der Region bereits auf großes Interesse, sagt Mülders. Ähnliche Modelle sind bereits in größeren deutschen Städten wie Berlin im Einsatz und sollen schon bald ins Allgäu kommen.

Lesen Sie dazu: Firmenporträt Drutzel: Auf vielen Autobahnen fährt ein Schneepflug aus Obergünzburg