Bilanz fürs Hallenbad

So könnte die Stadt Marktoberdorf das Defizit fürs Hallenbad senken

Trotz Coronapause ist die Stadt Marktoberdorf bei den Betriebskosten für ihr Hallenbad gut über die Runden gekommen. Betriebsleiter Gary Kögel stellte die Zahlen dem Stadtrat vor.

Trotz Coronapause ist die Stadt Marktoberdorf bei den Betriebskosten für ihr Hallenbad gut über die Runden gekommen. Betriebsleiter Gary Kögel stellte die Zahlen dem Stadtrat vor.

Bild: Heinz Budjarek

Trotz Coronapause ist die Stadt Marktoberdorf bei den Betriebskosten für ihr Hallenbad gut über die Runden gekommen. Betriebsleiter Gary Kögel stellte die Zahlen dem Stadtrat vor.

Bild: Heinz Budjarek

Bürgermeister Hell stellt Gedanken vor, wie das Minus beim Marktoberdorfer Hallenbad geringer ausfallen könnte. Wie das Bad durch die Coronazeit gekommen ist.
01.07.2022 | Stand: 05:30 Uhr

Kein Planschen, kein Säuseln des Wassers, kein Sprudeln im Außenbecken, kein Juchzen von Kindern. Totenstille. Die Corona-Pandemie samt Hygieneauflagen hatten das Marktoberdorfer Hallen- und Freibad in einen Dornröschenschlaf versetzt. Insgesamt 47 Wochen lang, also fast ein ganzes Jahr. Das einzig Positive, wenn mal so will: Der Verlust, den die Stadt jedes Jahr macht, ist von im Schnitt 1,2 Millionen Euro auf 762.000 Euro im Jahr 2020 gesunken.

So viele Besucher kommen pro Jahr ins Hallenbad nach Marktoberdorf

Nach unten ging es zwangsläufig auch mit den Einnahmen. Von rund 380.000 auf 158.000 Euro im vorigen Jahr. Das Auffällige: Im Jahr 2021 waren die Einnahmen geringer als 2020, obwohl das Bad eine Woche kürzer geschlossen hatte. Kein Widerspruch, wie Betriebsleiter Gary Kögel dem Stadtrat erklärte. Das hänge damit zusammen, dass die Sauna nicht betrieben werden durfte und es für das Bad Kapazitätsbeschränkungen gab. Was dazu führte, dass sich an Wochenenden Schlangen vor der Eingangstür bildeten. Dies bewies wiederum, wie beliebt das Bad ist. 90.000 Besucher erfreuten sich vor Corona jährlich an dem Angebot mit Schwimmen und Sauna. Im ersten Coronajahr waren es 48.000, im zweiten 43.600.

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Wie der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell vom Bad als kommunale Daseinsvorsorge. Trotzdem gibt es im Ostallgäu nur vier kommunale Bäder, die auch von denjenigen genutzt werden, deren Gemeinde kein Bad vorhalten können. Hell stellte daher die Frage in den Raum, inwieweit sich diese Gemeinden am Defizit beteiligten könnten. „Dann hätten wir dieses Problem nicht mehr.“

Wie viel Eintritt es eigentlich kosten müsste

Auch Jörg Schneider (Grüne), Rektor der Grundschule St. Martin, sprach angesichts des Schulschwimmens von einer „wertvollen Bildungseinrichtung“. Um diese nicht zu verlieren, müsse sich der Stadtrat fragen, wie das Bad wirtschaftlicher betrieben werden können. Damit die Bilanz ausgeglichen ausfällt, müsste der Eintrittspreis nach seiner Berechnung eigentlich 18 bis 20 Euro betragen.

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Während der Schließungsphase wurde jedenfalls einiges gespart, sagte Kögel. Im Bad wurde das Wasser abgelassen, was den Wasserverbrauch um bis zu 44 Prozent (15.600 statt 28.000 Kubikmeter) senkte. Noch größer war der Spareffekt bei der Energie. Zum einen musste kein Wasser umgewälzt und erwärmt werden, zum anderen wurde die Hallentemperatur gesenkt. Im Winter habe sie jedoch 18 Grad betragen müssen, um Schäden am Gebäude zu verhindern, sagte Kögel. So kam es zu einer Einsparung von bis zu 58 Prozent (1090 statt 2600 Megawattstunden).

Deshalb wird das Duschen angenehmer

Trotz deutlich reduzierten Betriebs legten die Mitarbeitenden nicht die Hände in den Schoß. Entweder arbeiteten die zeitweise in anderen städtischen Liegenschaften oder sie brachten das Bad auf Vordermann: Sie sanierten zum Beispiel die Duschen, deren Temperatur sich nun individuell einstellen lässt, oder sie ersetzten Fliesen im Mehrzweckbecken. So sparte die Stadt 65.000 Euro, da diese Arbeiten nicht vergeben werden mussten. Weil diese Arbeiten vorgezogen wurden, bleibt das Bad zur eigentlichen Reparaturzeit im September diesmal offen.

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Mindestens eines schwarze Null erwartet Kögel beim Bistro, das nun in Eigenregie ohne Pächter betrieben wird. Vor allem Familien nutzten das Angebot sehr gern.