Theater nicht nur für Kinder

Einfach komisch: Wie die jungen Schauspieler vom Marktoberdorfer Mobilé dem Froschkönig Beine machen

Am Ende tanzen sie alle: Der verwandelte Prinz (Jonathan Buck, links) die Prinzessin (Mia Janele, Zweite von rechts) und das ganze Ensemble.

Am Ende tanzen sie alle: Der verwandelte Prinz (Jonathan Buck, links) die Prinzessin (Mia Janele, Zweite von rechts) und das ganze Ensemble.

Bild: Heinz Budjarek

Am Ende tanzen sie alle: Der verwandelte Prinz (Jonathan Buck, links) die Prinzessin (Mia Janele, Zweite von rechts) und das ganze Ensemble.

Bild: Heinz Budjarek

An der Theaterschule Mobilé in Marktoberdorf interpretieren sieben- bis 14-jährige Darsteller den Froschkönig neu. Warum das Publikum begeistert ist.
06.07.2022 | Stand: 09:00 Uhr

Wo sind wir, wenn die Prinzessin lila Haare und Sonnenbrille, ein goldenes Kunstlederjäckchen, einen weißen Tüllrock und Chucks trägt? Und ihr der vergoldete Tennisball in den Brunnen fällt? Richtig, wir sind mitten drin im rasant-komisch modernisierten Märchenklassiker vom Froschkönig, so wie ihn Patrick Lutz und Lucia Golda von der Marktoberdorfer Theaterschule Mobilé als „Frosch & Königin“ mit einer Truppe im Alter zwischen sieben und 14 Jahren inszeniert haben. Und dabei mit viel Spielfreude und Charme sowie treffsicher gesetzten Gags dreimal das Publikum aufs Beste unterhalten, darunter längst nicht nur Angehörige der engagierten Nachwuchsdarsteller.

Im Mobilé macht die Prinzessin Theater - so oder so

Da wird der Dünkel der Prinzessin auf die Spitze getrieben von den Teenager-Allüren der zickigen Gloria (Mia Janele), die sich nur für ihren kussechten Lippenstift und ihre Bluetooth Musikbox interessiert. Die auch ansonsten nur Flausen im Kopf hat – etwa den Hopfensee für ihr Surfvergnügen heizen will – und die ihre ebenfalls zu Girlies zurechtgemachten Hofdamen Anouschka und Mirakulina (Emma Guggemoos und Elina Zotz) mit „dalli, dalli“ herum scheucht – damit sie ihr den vergessenen Tennisschläger zum Brunnen bringen. (Lesen Sie auch: Musicals, Opern und Klassiker: Das Modeon in Marktoberdorf startet die Saison mit buntem Programm)

Zugleich ist die girliehafte Prinzessin Objekt der Anbetung für die lustigen Jägers- bzw. Wilderersleute (Jonathan Buck, Jonah Zotz), die auf Allgäuerisch darum streiten, wer von ihnen die Aufmerksamkeit der Prinzessin mehr verdient hätte. Die aber interessiert sich nur für ihren in den Brunnen gefallenen Tennisball, und verspricht „Frosch“ David Diekmann – dessen gekonnte Froschhüpfer für viel Heiterkeit sorgen – das Blaue vom Himmel („Meine Bluetooth Box? Mein Handy“), damit der ihren Ball aus dem Brunnen hochholt.

Weshalb der Froschkönig in der Marktoberdorfer Inszenierung nicht in den Brunnen will

„Im Brunnen gibt’s doch kein Handy-Netz!“, kontert dieser und besteht darauf, mit Gloria zu tanzen, zu essen und zu trinken und im Bett zu schlafen... Der Märchen-Plot ist bekannt. Doch mit Situationskomik, witzigen Dialogen und Nebendarstellern, die ebenfalls mit Spielwitz glänzen, wird im Mobilé das Ganze aufgepeppt. Da ist etwa Pia Zotz (7), die als abergläubische und Froschschenkel servierende Peppina Tortellina mit goldig-italienischem Dialekt wegen des sprechenden Froschs Unheil wittert. Und Reporter Johnny Quasselmaier (David Kainzbauer) von TV Knallgäu. Oder die tussigen Freundinnen der Prinzessin, die lästern: „Gloria knutscht jetzt mit einem Frosch!“ Und das trotz dessen weißen Schwabbelbauchs? (Lesen Sie auch: Mitten aus dem Kinderleben: Marktoberdorfer Schüler veröffentlichen ein Buch)

Nach der Verwandlung des Froschs ist die heiratende Gloria freilich wieder die Größte. Obwohl im Finale furioso des Stücks jeder Topf seinen Deckel findet. Minutenlanger Abschlussapplaus, begleitet vom flotten Abschlusstanz der Darsteller zu „I like to move it move it.“ Ein schöner Theaterspaß – und das trotz coronabedingter Ausfälle im Ensemble.