Verkehr in Marktoberdorf

So soll Radeln für Familien in Marktoberdorf attraktiver werden

Birgit Glas (links) und Monika Krieger vom Kidical-Mass-Team in Marktoberdorf diskutierten mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell über Ideen für eine fahrradfreundlichere Stadt.

Birgit Glas (links) und Monika Krieger vom Kidical-Mass-Team in Marktoberdorf diskutierten mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell über Ideen für eine fahrradfreundlichere Stadt.

Bild: Mona Boos

Birgit Glas (links) und Monika Krieger vom Kidical-Mass-Team in Marktoberdorf diskutierten mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell über Ideen für eine fahrradfreundlichere Stadt.

Bild: Mona Boos

Das Team von Kidical Mass setzt sich für sicheres Fahrradfahren in Marktoberdorf ein. Welche Vorschläge es zur Verbesserung  gibt und was bereits getan wird.
15.10.2020 | Stand: 17:33 Uhr

Radeln im Alltag soll für Marktoberdorfer Familien attraktiver werden. Das ist das gemeinsame Ziel der Stadt Marktoberdorf und des lokalen Kidical-Mass-Teams. Die Auswertung der Teilnehmerbefragung im Anschluss an die Fahrraddemonstration am 20. September ergab, dass sich die Familien in Marktoberdorf ein sicheres und durchgängiges Radwegnetz wünschen, um das Fahrrad mehr in den Alltag zu integrieren. Birgit Glas und Monika Krieger aus dem Organisationsteam der Fahrraddemonstration haben Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und Martin Vogler von der Stadtverwaltung die Auswertung übergeben und über Ideen und Lösungen diskutiert.

„Wir wünschen uns ein Miteinander“, sagte Birgit Glas. Bei der Kidical Mass gehe vor allem darum, auf kleine und große Fahrradfahrer im Straßenverkehr aufmerksam zu machen und das Rad als alltägliches Verkehrsmittel in den Mittelpunkt zu rücken. Auch die Stadt verfolge dieses Ziel, sagte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Aktuell seien 20 Prozent der Verkehrsbewegungen in der Stadt Autofahrten unter einem Kilometer, 40 Prozent unter zwei Kilometern. „Es gibt Potenzial, dass diese Strecken mit dem Rad zurückgelegt werden.“

Marktoberdorfer Fahrradfahrer sollen sich sicherer fühlen

Dafür müssen jedoch Voraussetzungen geschaffen werden, sagte Birgit Glas. Fahrradfahrer mit und ohne Kinder müssen sich im Straßenverkehr sicher und respektiert fühlen. Um dieses Ziel zu erreichen sei eine Straßenplanung aus der Sicht aller Verkehrsteilnehmer notwendig. Radfahrer und Fußgänger sollen genauso berücksichtigt werden wie Autofahrer. Glas zufolge könne das vor allem mit durchgängigen Radwegen, die baulich von der Straße getrennt sind, erreicht werden. Zudem wünscht sich das Team Signale von der Stadt und von Geschäften in der Umgebung, die die Menschen zum Radfahren im Alltag motivieren.

„Das Radwegsystem in Marktoberdorf wird kontinuierlich weiterentwickelt“, sagte Hell. „Stück für Stück im Rahmen der finanziellen und baulichen Möglichkeiten.“ Bei Projekten wie dem Neubau der Martinsschule werde die Situation fahrradfahrenden Kinder und Eltern berücksichtigt. Ebenso sei der Ausbau der Hochwiesstraße bereits aus Sicht der Fahrradfahrer geplant worden. Das bedeute, dass der vorhandene Platz anteilsmäßig und gerecht zwischen Fußgängern, Fahrradfahrern und Autofahrern aufgeteilt wurde. In die Planung seien zudem das Bündnis „Nachhaltiges Marktoberdorf“, die Fahrradakteure und die Polizei einbezogen worden. „Ganz konkret steht der Bau des durchgängigen Fahrradwegs am V-Markt in der Johann-Georg-Fendt-Straße an“, sagte Hell.

Neben baulichen Maßnahmen sollte es laut dem Bürgermeister auch ausreichend komfortable Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Stadt und an den lokalen Geschäften geben. „Wenn Radler wissen, dass sie ihr Fahrrad in der Stadt ohne Probleme abstellen können, dann fahren sie auch öfter.“

Marktoberdorfer: Mit gutem Beispiel voran gehen

Außerdem sei es wichtig, dass immer mehr Menschen mit gutem Beispiel vorangehen. „Schnell mit dem Auto von A nach B zu fahren, ist viel zu sehr in den Köpfen der Menschen verankert“, sagt Hell. Doch dagegen könne die Stadt wenig machen, sagt Martin Vogler. Die Leute, die das Rad in der Stadt als Fortbewegungsmittel nutzen, müssen andere dazu ermutigen. Auch ein rücksichtsvolles und funktionierendes Miteinander könne nicht baulich geregelt werden. „Hier muss sich jeder an die eingene Nase fassen.“

Wie das Radfahren mit Kindern funktionieren kann, ist ein weiterer Punkt der dem Kidical-Mass-Team am Herzen liegt. Mit kleinen Kindern sei es oftmals schwierig, schnell und sicher durch die Stadt zu kommen. Unter Achtjährige müssen laut dem Gesetz auf dem Gehweg fahren, während die Eltern auf der Straße fahren. „Das ist oft schwierig“, sagt Birgit Glas. Daher plant sie, in Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertagesstätten Workshops anzubieten. „Dort sollen Eltern lernen, wie sie mit ihren Kindern am sichersten Fahrradfahren.“

Trotzdem müsse die Verkehrsplanung aus der Sicht aller geschehen. „Wir sind alle Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer“, sagt Bürgermeister Hell. „Das Allgäu ist auch nicht Kopenhagen.“ Hier gebe es im Winter vereiste Straßen und nicht jeder sei bereit auch bei Kälte und Regen mit dem Fahrrad zu fahren. Daher dürfe das Autofahren nicht verteufelt werden.