Junge Männer vor Gericht

Streit um Musik führt in Kneipe zu brutaler Schlägerei

Wegen einer brutalen Schlägerei mussten sich drei junge Männer vor Gericht verantworten.

Wegen einer brutalen Schlägerei mussten sich drei junge Männer vor Gericht verantworten.

Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Wegen einer brutalen Schlägerei mussten sich drei junge Männer vor Gericht verantworten.

Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Kontrahenten mit Bierflasche geschlagen, einer geht bewusstlos zu Boden. Warum das Kaufbeurer Amtsgericht Bewährungsstrafen verhängt.
06.12.2020 | Stand: 12:05 Uhr

Anfang Januar kam es in einer Kneipe zu einer Schlägerei, an deren Entstehung und Ablauf offenbar keine der Konfliktparteien völlig unschuldig war: Im Strafprozess vor dem Jugendgericht zeigten die Aufnahmen einer Überwachungskamera jetzt wechselseitige Tätlichkeiten zwischen einheimischen Gästen und drei jungen Männer aus Eritrea im Alter zwischen 20 und 28 Jahren. Dass die Verfahren gegen die hiesigen Kneipengäste eingestellt worden waren, während sich ihre Kontrahenten nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten mussten, lag am teilweise massiven Vorgehen der jungen Männer.

So hatte einer von ihnen dreimal gegen Kopf und Schultern eines bereits am Boden liegenden Mannes getreten. Der 48-Jährige erlitt Blutergüsse und Prellungen. Ein anderer junger Mann schlug mit einer Bierflasche zu und versetzte einem Kontrahenten einen derart heftigen Faustschlag, dass er bewusstlos zu Boden ging. Die Identität dieses Angreifers ließ sich vor Gericht nicht klären. Der 25-jährige Angeklagte, dem diese Aktionen zur Last gelegt worden waren, wurde deshalb freigesprochen. Die beiden anderen Angeklagten wurden der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu Bewährungsstrafen von sieben beziehungsweise elf Monaten verurteilt. Die Entscheidung gegen sie ist nicht rechtskräftig.

Zuerst Gerangel hinter dem Tresen

Auslöser des Konflikts waren Unstimmigkeiten über die Musikauswahl. Weil diese den jungen Männern nicht gefiel, ging einer von ihnen hinter die Bar, um dort am Laptop Änderungen vorzunehmen – angeblich mit der Zustimmung des Wirtes. Die Aktion sorgte dann offenbar bei einem der Thekengäste für Unmut. Der Mann begab sich ebenfalls hinter den Tresen. Hier kam es zum Gerangel, in das dann auch der Wirt eingriff. Dessen Brille wurde im Tumult beschädigt. Als der junge Eritreer zu Boden ging, kamen seine Landsleute dazu. Alle drei lieferten sich dann mit Gästen aus dem gegnerischen Lager eine Schlägerei, in der Verlauf der 20-Jährige auf den bereits am Boden liegenden 48-Jährigen eintrat.

Der Angeklagte, der im Jahr 2015 als unbegleiteter, jugendlicher Flüchtling nach Deutschland gekommen war, wurde jetzt zu elf Monaten auf Bewährung und 1000 Euro Geldauflage verurteilt. Anders als die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe und der Staatsanwalt, die beide aufgrund der Flucht-Erlebnisse von Entwicklungsverzögerungen ausgingen, kam der Richter im Urteil zu keiner Anwendung von Jugendstrafrecht. Zwar sah auch er eine Vergangenheit mit deutlichen „Belastungsfaktoren“. Er verwies allerdings auch darauf, dass der 20-Jährige schon seit einiger Zeit selbstständig in Deutschland lebt. Deshalb könne man ihn „keinem 17-Jährigen gleichsetzen.“

Der zweite Verurteilte, ein 28-jähriger Familienvater, hatte damals nach Überzeugung des Vorsitzenden zwar von allen Akteuren „mit Abstand am wenigsten Aggressionen gezeigt.“ Weil er sich letztlich aber doch mit Faustschlägen an den Tätlichkeiten seiner Begleiter beteiligt hatte, wurde er jetzt der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Sein Verteidiger hatte im Plädoyer auf einen vorausgegangenen Schubser gegen seinen Mandanten verwiesen und auf Freispruch aufgrund einer Notwehr-Situation plädiert. Der Richter machte jedoch im Urteil deutlich, dass ein Wegschubsen mit der flachen Hand keine Notwehr rechtfertige.

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