Hofkonzert

Superstimmung bei Jazz-Open-Air vor dem Mobilé in Marktoberdorf

Hofkonzert mit Harald Rüschenbaum: Jazz-Quartett zum Auftakt mit "Jazz an einem Sommerabend". Mit von der Partie sind Walter Lang (Piano), Martin Fredebeul (Sax/ Klarinette) und Nils Kugelmann (Bass).

Regelrecht in Zwiesprache miteinander traten die Musiker des Rüschenbaum-Quartetts bei dem Hofkonzert.

Bild: Gabriele Schroth

Regelrecht in Zwiesprache miteinander traten die Musiker des Rüschenbaum-Quartetts bei dem Hofkonzert.

Bild: Gabriele Schroth

Rüschenbaum-Quartett begeistert Marktoberdorfer Publikum nach dem Corona-Stillstand. Was das Besondere an dem Jazz-Konzert war.

Von Gabriele Schroth
27.06.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Es wirkte fast wie Abenteuer und kulturelle Pioniertat. Nach drei Monaten Stillstand lud die Kleine Kunstbühne Mobilé zum sommerlichen Open-Air-Jazzkonzert. Das Rüschenbaum-Quartett, unterstützt von Christoph Thoma und der Kulturwelt Marktoberdorf, wollte ein Zeichen für wiedererwachende Lebensfreude setzen.

Sogar Petrus hatte ein Einsehen und verscheuchte dräuende Regenwolken. Ein riesiges, livemusik-hungriges Publikum fand sich im weiten Halbkreis ein, darunter auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell sowie zahlreiche Zaungäste. So geriet dieses offene Hofkonzert mit Superstimmung und hervorragender Akustik unversehens zur neuen Freiluft-Konzertattraktion.

Große Freude bei den Musikern

Gerade den Musikern war die Freude ins Gesicht geschrieben: Sie gaben laut Mobilé-Chefin Monika Schubert ihren ersten öffentlichen Konzertauftritt seit Corona. Dabei stellte sich fast ein kleines Wunder ein, denn die vier Jazzer schienen hier ganz neu und hochempfindsam die eigene virtuose Spielkunst auszuloten. Die alten Weggefährten folgen längst dem kreativen Klang-Credo von Drummeister Harald Rüschenbaum.

So spielte das Quartett inspiriert wie aus einem Guss und begab sich auf eine aufregende, von eigener Improvisation geprägte Jazz-Klang-reise. Andächtig lauschte das Publikum so schönen Titeln wie Duke Ellingtons „Come Sunday“ oder dem Bossa-Nova-Hit „The Girl from Ipanema“.

Rüschenbaums Markenzeichen am Drumset ist das glasklare Gerüst gepaart mit unwiderstehlichem rhythmischem Drive. Darüber entfachte der 23-jährige Nils Kugelmann Kontrabass-Klänge von lodernder Sinnlichkeit, und Martin Fredebeul pustete mit Alt- und Sopransax unfassbar irrlichternden Läufe hinaus. Walter Lang zauberte am Keyboard hinreißende Farbtupfer und schimmernde Klangteppiche.

Veritabler Scatgesang

Gerade in Duo und Trio zeigten die Jazz-Meister übermütig ihre fulminante Zwiesprache-Kunst. Dabei zitierte Saxofonist Fredebeul auch ein Gedicht von Rose Ausländer. Und Drummer Rüschenbaum stimmte nicht nur einen veritablen Scatgesang an, sondern veranstaltete einen gleißenden Shuffle mit zwei kleinen brasilianischen Caxixi-Rasseln.