Füssen/Ostallgäu

Totholz lässt die Artenvielfalt aufleben

Wald

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Bild: Sigi Müller

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Vortrag Nutzungsverzicht tut dem Wald gut. Beispiel Bayerischer Wald wird beim Förderverein Nationalpark Ammergebirge beleuchtet
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Von az
05.11.2019 | Stand: 17:24 Uhr

Die Rückkehr verschwundener Arten und der Anstieg der Biodiversität im Bayerischen Wald sind auf den Verzicht forstlicher Nutzung zurückzuführen. So lautete das Fazit von Dr. Claus Bässler, der auf Einladung des Fördervereins Nationalpark Ammergebirge einen Vortrag im Luitpoldpark-Hotel in Füssen hielt. Der Titel seines Vortrags „Biodiversität in ungenutzten Wäldern am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald“, wo der gelernte Förster als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet, lockte Vertreter des Bund Naturschutz, Förster, Waldbesitzer und viele Mitglieder des Fördervereins, heißt es in einer Pressemitteilung.

In Mitteleuropa währe der Kampf um die Ressource Holz zwischen dem Menschen und Totholzorganismen seit tausenden von Jahren. Intensive Forstwirtschaft habe dazu geführt, dass heute immer mehr Arten auf den Roten Listen stehen und in genutzten Wäldern fehlen. In der Gesamtbetrachtung aller Artengruppen weist laut Bässler der ungenutzte Wald mehr Arten auf, vor allem aber jene, die an alte Bäume und Totholz gebunden sind.

Seit nunmehr über 50 Jahren besteht der Nationalpark Bayerischer Wald. In dieser Zeit unterlagen die Wälder dort einer starken Dynamik durch Windwurf und Borkenkäfer. Das großflächige Absterben der älteren Fichtenbestände entfachte eine intensive Diskussion bis hin zu Vorwürfen, die Strategie, die Natur einfach Natur sein lassen, führe zu einer „ökologischen Wüste“. Dies aber widerlegte Bässler: Forschungsergebnisse würden zeigen, dass durch die großflächige Dynamik die Vielfalt an Lebensräumen zugenommen hat. Die Anreicherung von Totholz und die Auflichtung des Waldes führten zur Regeneration von Artengemeinschaften und erlaubten die Rückkehr ausgestorbener Arten.

Der Slogan „Schützen durch nützen“ habe die Erwartungen auch mit naturnaher Bewirtschaftung nicht erfüllen können. Dem gesellschaftlichen Auftrag, die Biodiversität zu erhalten und zu fördern, könne man am besten durch eine Vielzahl heterogener Habitate gerecht werden, wie sie in ungenutzten Wäldern auf großer Fläche vorkommen. Eine entscheidende Rolle spiele neben Alt- und Totholz dabei die partielle Auflichtung bisher dunkler Wälder. In seinem Fazit betonte Bässler die Bedeutung großflächiger Schutzgebiete zum Erhalt der Diversität und als wichtige Lernorte.

Der Vorsitzende des Fördervereins, Hubert Endhardt, bedankte sich bei dem Referenten für den „exzellenten Vortrag“ und wies darauf hin, dass der Verein weiter an seinem Ziel zur Errichtung eines Nationalparks im Ammergebirge festhalte.

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