Ostallgäuer vor Gericht

Verurteilt wegen wiederholten Widerstands gegen die Polizei

Vor dem Amtsgericht musste sich nun ein 28-jähriger Ostallgäuer wegen wiederholten Widerstands gegen Polizeibeamte und weiterer Delikte verantworten.

Vor dem Amtsgericht musste sich nun ein 28-jähriger Ostallgäuer wegen wiederholten Widerstands gegen Polizeibeamte und weiterer Delikte verantworten.

Bild: Wolfgang Widemann

Vor dem Amtsgericht musste sich nun ein 28-jähriger Ostallgäuer wegen wiederholten Widerstands gegen Polizeibeamte und weiterer Delikte verantworten.

Bild: Wolfgang Widemann

Wegen drei Taten steht ein 28-Jähriger vor dem Amtsgericht Kaufbeuren. Welche weiteren Delikte zum Urteil von neun Monaten auf Bewährung zu Buche schlagen.
03.06.2021 | Stand: 17:45 Uhr

Weil er in drei Fällen Widerstand gegen Polizisten geleistet und diese beleidigt hatte, musste sich ein 28-Jähriger vor dem Amtsgericht Kaufbeuren verantworten. Für die Urteilsfindung spielte der Drogenkonsum des Ostallgäuers eine wichtige Rolle.

Die erste Tat hatte sich im September 2019 ereignet: Der Angeklagte und zwei Freunde wurden zur Füssener Polizeiinspektion gebracht, da sie zuvor in einer Diskothek Amphetamine konsumieren wollten. Als die Polizisten die Männer über eine geplante Wohnungsdurchsuchung informierten, sei die Situation eskaliert. „Ich wollt halt weg“, beschrieb der Angeklagte die Gründe für seinen Fluchtversuch. Um den 28-Jährigen daran zu hindern, sei ein Polizist, der auch als Zeuge aussagte, auf ihn gestürzt und habe ihn zu Boden gebracht. Das zeigt auch die Aufnahme einer Überwachungskamera. Der Beamte erlitt bei dem Sturz eine Prellung am Oberschenkel sowie eine Fleischwunde am Arm und war für zwei Wochen dienstunfähig. Trotz starken Widerstands und Rangelei konnten die Polizisten den 28-Jährigen fesseln. Daraufhin habe er sich beruhigt und kooperiert. Sein vorangegangenes Verhalten beschrieben die Zeugen als aufbrausend und aggressiv. Das könnte auf die etwa 1,1 Promille und den Konsum von Amphetaminen vor dem Discobesuch zurückzuführen sein.

In der Wohnung randaliert

Nur zwei Monate später habe der Angeklagte in der Wohnung, die er mit seiner Mutter bewohnt, randaliert. Als die Polizei eintraf, schlug er seiner Mutter auf den Hinterkopf – was er in der Verhandlung von sich wies – und ergriff anschließend die Flucht. Er sei laut Zeugen wieder aufbrausend, impulsiv und aggressiv aufgetreten. Nach eigenen Angaben sei er auf LSD gewesen. Da er sich wieder gegen die Polizisten wehrte und sie eine Fremdgefährdung vermuteten, wurde der Angeklagte gefesselt und ins Bezirkskrankenhaus (BKH) Kaufbeuren gebracht.

Im Oktober 2020 sei der junge Mann bei einer Kontrolle dann zum dritten Mal ausgerastet. Nach eigenen Aussagen habe er einen Flashback aufgrund des LSD-Konsums gehabt. Auf einem Video ist zu sehen, wie er mit nacktem Oberkörper auf der Straße tanzte, vor Beamten weglief und schrie. Auf der späteren Fahrt ins BKH habe er eine Hasstirade auf die anwesenden Beamten losgelassen. Für die Beleidigungen entschuldigte sich der Angeklagte beim Zeugen.

Regelmäßig Drogen konsumiert

Norbert Ormanns, Ärztlicher Direktor der Klinik für forensische Psychiatrie, trug sein Gutachten zu dem Angeklagten vor. Eine Suchtproblematik sehe der Angeklagte nicht ein – das bekräftigte er auch in der Verhandlung. Seit dem 17. Lebensjahr konsumiere er regelmäßig Cannabis – auch weiterhin als Selbstmedikation gegen ADHS – dazu kämen Amphetamine, Kokain, und LSD habe er ebenfalls probiert. Wegen des Konsums sei bei der Auseinandersetzung in der Polizeiwache die Steuerungsfähigkeit vermindert, bei den anderen beiden Vorfällen sogar aufgehoben gewesen. Durch seine Erfahrung mit Drogen hätte er jedoch wissen müssen, dass er in einen derartigen Zustand geraten würde, resümierte Norbert Ormanns.

An Gutachten orientiert

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Beim Urteil orientierte sich Richter Rafael Ruisinger an dem Gutachten: Er sprach den 28-Jährigen schuldig des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, der vorsätzlichen Körperverletzung und des fahrlässigen Vollrauschs. Dafür erhielt er eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Damit liegt Ruisingers Urteil sogar über dem Antrag des Staatsanwalts, der nur acht Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe gefordert hatte. Für den Richter spielten in seinem Urteil auch die einschlägigen Vorstrafen und Rückfälle eine Rolle. Zugute kam dem Angeklagten, dass er trotz Suchtproblematik immerhin einem Beruf nachgehe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.