Nachruf

Veterinäramtsdirektor Dr. Johann Ludwig im Alter von 82 Jahren gestorben

In einer schwierigen Zeit leitete der Veterinärmediziner Dr. Johann Ludwig von 1996 bis 2004 das Staatliche Veterinäramt am Landratsamt in Marktoberdorf.

In einer schwierigen Zeit leitete der Veterinärmediziner Dr. Johann Ludwig von 1996 bis 2004 das Staatliche Veterinäramt am Landratsamt in Marktoberdorf.

Bild: Vitalis Held (Archivfoto)

In einer schwierigen Zeit leitete der Veterinärmediziner Dr. Johann Ludwig von 1996 bis 2004 das Staatliche Veterinäramt am Landratsamt in Marktoberdorf.

Bild: Vitalis Held (Archivfoto)

Am Landratsamt in Marktoberdorf leitete Ludwig jahrelang das Veterinäramt. Im Kampf gegen die Rinderseuche BSE erwarb er sich Anerkennung von Kollegen und Landwirten.
03.02.2021 | Stand: 13:45 Uhr

In einer sehr schwierigen Zeit leitete der Veterinärmediziner Dr. Johann Ludwig von 1996 bis 2004 das Staatliche Veterinäramt am Landratsamt in Marktoberdorf. In diese Phase fiel vor allem der Kampf gegen die Rinderseuche BSE – auch als Rinderwahnsinn bekannt. Dabei erwarb er sich – weit über den Landkreis hinaus – bei Kollegen und Landwirten viel Anerkennung. Nun ist er mit 82 Jahren gestorben.

1989 kam Ludwig nach Marktoberdorf

1938 in Gurdau (Südmähren) geboren, wuchs Johann Ludwig nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem Bauernhof in Bidingen auf. Nach dem Studium der Tiermedizin in München und Wien hatte der Tierarzt von 1964 bis 1968 eine eigene Praxis, ehe er ins Staatliche Veterinärwesen wechselte. Nach Stationen in München, Augsburg und Mindelheim kam er 1989 nach Marktoberdorf an eines der größten Veterinärämter Bayerns. Die Tätigkeit in seinem „Traumberuf“ erlebte er außerordentlich vielfältig, verfügt das Ostallgäu doch über einen der größten Rinderbestände Deutschlands. Zu seinen Aufgaben gehörte zusammen mit vielen Kollegen die Überwachung eines der wichtigsten bayerischen Rinder-Schlachthöfe sowie des Kälberhandels in Buchloe. Weiterer Schwerpunkt des Amtes waren die Lebensmittelsicherheit in rund 3000 Betrieben sowie zeitweise die Ernährungsberatung.

Eine Schlüsselrolle in der BSE-Krise

Welche Schlüsselrolle sein Amt in der Region einnimmt, erfuhr Dr. Ludwig während der BSE-Krise. Denn die Tierkörperbeseitigungsanstalt in Kraftisried ist bei der Seuchenbekämpfung für einen Großteil Schwabens zuständig. Zeitweise mussten er und seine Kollegen ab 1999 bei 14 000 Rindern pro Jahr Gewebeproben entnehmen. Zudem galt es, etwa 1400 Rinder aus Beständen zu töten, in denen BSE aufgetreten war. Über die Seuche informierte er nicht nur bei Versammlungen für Landwirte, sondern auch bei Tagungen und Uni-Seminaren.

Bei alledem blieb der Leitende Veterinärdirektor ein „bodenständiger Praktiker“, der über einen hintergründigen Humor und viel Einfühlungsvermögen verfügte. Im Sinne der Bauern setzte er sich dafür ein, dass nach einem BSE-Fall nicht mehr der gesamte Rinder-Bestand eines Hofs gekeult werden musste. Denn die Tiere waren für den humanistisch geprägten Tierarzt stets „beseelte Mitgeschöpfe“. Landrätin Maria Rita Zinnecker würdigte nun ebenfalls seine große Sachkenntnis, Gewissenhaftigkeit und das Verantwortungsbewusstsein. Dadurch habe er sich bei seiner Tätigkeit viel Anerkennung und Wertschätzung erworben.

Mit 66 Jahren in den Ruhestand

Als er 2004 mit 66 Jahren in Ruhestand ging, freute er sich darauf, seine Italienisch-Kenntnisse bei Reisen und Kursen zu vertiefen. Sein Interesse an Tieren behielt der zweifache Vater und mehrfache Großvater, der mit seiner Frau Rosmarie in Mindelheim lebte, auch im Ruhestand. In Bidingen, wo er nicht nur Gründungsmitglied des Sportvereins war, sondern auch zur Jagd ging, wollte er die Tiere ins Visier nehmen: „Aber nicht unbedingt, um zu schießen, sondern wegen der Ruhe da draußen.“ Dr. Johann Ludwig, der auch mit der bayerischen Staatsmedaille ausgezeichnet worden war, starb am 20. Januar im Alter von 82 Jahren in Memmingen.

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