Obergünzburg

Viel Lob vom Noch-Vorstand: So erfolgreich arbeitet die Günztalklinik

Beim Abschied von der Günztalklinik Allgäu in Obergünzburg: (von links) Chefarzt Dr. Achim Grinschgl, der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Düll, Vorstand Wolfram Firnhaber (beide Bezirkskliniken Schwaben) sowie Bürgermeister Lars Leveringhaus.

Beim Abschied von der Günztalklinik Allgäu in Obergünzburg: (von links) Chefarzt Dr. Achim Grinschgl, der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Düll, Vorstand Wolfram Firnhaber (beide Bezirkskliniken Schwaben) sowie Bürgermeister Lars Leveringhaus.

Bild: Schalk/BKH

Beim Abschied von der Günztalklinik Allgäu in Obergünzburg: (von links) Chefarzt Dr. Achim Grinschgl, der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Düll, Vorstand Wolfram Firnhaber (beide Bezirkskliniken Schwaben) sowie Bürgermeister Lars Leveringhaus.

Bild: Schalk/BKH

Bezirksklinik-Vorstand Düll verabschiedet sich in der Günztalklinik. Die psychosomatische Einrichtung erhält zehn neue Betten. Warum die Klinik ein Wagnis war.
06.01.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Im Oktober 2016 ist die Günztalklinik Allgäu in Obergünzburg eröffnet worden. Seitdem ist die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie mit ihren 50 Betten immer voll belegt. Umgeben von grünen Wiesen mit Blick auf das Ostallgäuer Günztal und die Berge können Menschen neue Kraft für den Alltag tanken.

Die Günztalklinik ist sofort gut angenommen worden

Dass die Einrichtung der Bezirkskliniken Schwaben vom ersten Tag an so gut angenommen worden ist, sei keinesfalls selbstverständlich. „Es war ein Wagnis. Aber als ich den Standort sah, war mir klar: Dieses Wagnis kann man eingehen“, sagte Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken, bei einem Abschiedsbesuch. Wie berichtet, wird Dülls Vertrag nicht verlängert. Er endet am 31. Januar.

Die Günztalklinik Allgäu ist bis heute die einzige reine psychosomatische Klinik, die sich in der Trägerschaft eines Bezirks oder einer Bezirksklinik befindet. „Am Bedarf habe ich nie gezweifelt. Wir wollten uns so verhalten wie ein Allgemeinkrankenhaus und auch im Bereich der Psychiatrie ein elektives Angebot machen, also nicht warten, bis der Sanka vor der Tür steht und uns einen Notfallpatienten bringt“, erläuterte Düll.

Dabei habe er auf vergleichbare psychosomatische Einrichtungen am Ammersee und Chiemsee geschielt: Diese haben aber alle private Träger, während die Günztalklinik in öffentlicher Hand ist. In Obergünzburg sei es gelungen, ein gutes, seriöses Angebot zu machen und dabei öffentliche Tarife zu bezahlen, resümierte Düll

Standort des zuvor geschlossenen Kreiskrankenhauses Obergünzburg wiederbelebt

Bei der Abschiedsfeier – aufgrund der Corona-Bedingungen im kleinsten Rahmen – erinnerte Düll an die Schließung des ehemaligen Kreiskrankenhauses in Obergünzburg. Dies sei eine „riesengroße Last für die Marktgemeinde“ gewesen. „Der Klinikstandort hier war schon tot.“ Düll berichtete, dass nicht er, sondern der damalige Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut die Idee für eine solche Klinik ins Spiel brachte – zunächst aber eher Marktoberdorf im Sinn gehabt habe.

Die Immobilie in Obergünzburg, die vor der Übernahme durch die Bezirkskliniken Schwaben mehr als zwei Jahre leer stand, hat Düll jedoch von Anfang an überzeugt. Hinzu kam, dass mit Dr. Achim Grinschgl als Chefarzt „genau der Richtige“ gefunden wurde. Grinschgl habe sich ein funktionierendes, professionelles Team aufgebaut. Auch die Unterstützung der Marktgemeinde sei von Beginn an da gewesen. „Es gelang, eins ums andere zusammenzutragen. Dabei hat die Gemeinde Türöffner zu den Obergünzburgerinnen und Obergünzburgern gespielt“, sagte Düll und dankte stellvertretend Bürgermeister Lars Leveringhaus für die Unterstützung.

Der Obergünzburger Bürgermeister Leveringhaus bedauert Dülls Abschied

Dieser gab den Dank an Düll zurück. „Mir sind viele Gespräche mit harten, aber notwendigen Forderungen in Erinnerung, stringent geführt. Ich entdecke da eine gewisse Seelenverwandtschaft“, so Leveringhaus. Die Nachricht, dass der Vorstandsvorsitzende die Bezirkskliniken verlassen muss, habe ihn traurig gestimmt.

Chefarzt Grinschgl verglich Düll mit einem Reeder, einem Schiffskonstrukteur. Er habe mit der Günztalklinik Allgäu etwas nach seinen Vorstellungen konstruiert. Gegen vielerlei Widerstände habe er sich mit eigenen Ideen durchgesetzt. „Was die Haltbarkeit anbelangt, ist es ein sehr gutes Schiff geworden“, sagte Grinschgl. Bei Düll habe er immer ein offenes Ohr gefunden und stets Gleichklang erlebt.

Die neue Oberärztin Sandra Hoppstock hatte extra ihren Urlaub unterbrochen, um zur Verabschiedung zu kommen. Während drinnen gesprochen wurde, versammelte sich draußen spontan eine Reihe von Mitarbeitenden, um Düll zum Abschied zuzuwinken. All diese herzlichen Gesten freuten ihn sehr.

Künftig soll die Günztalklinik über 60 Betten verfügen können

Nach Ansicht Dülls hat die Günztalklinik Allgäu „eine richtig gute Zukunft“ vor sich. Das Haus habe sich am Markt etabliert und sei in der Marktgemeinde fest verankert. Sicher ist, so der Vorstandsvorsitzende, dass die Einrichtung gemäß dem bayerischen Krankenhausplan zehn zusätzliche Betten bekommen wird. Die Kapazität wird sich auf 60 Betten erhöhen, um die Klinik noch wirtschaftlicher betreiben zu können. „Das wollen wir Zug um Zug umsetzen“, kündigte Düll an. Auch die Zahl der Mitarbeitenden werde sich damit weiter erhöhen.