Diskussion im Gemeinderat

Viele Bedenken gegen Kiesabbau in Günzach: Nun soll ein Bürgerentscheid her

Kiesabbau Riedschreinerhof

Wird in Günzach (Ostallgäu) bald in größerem Stil Kies abgebaut? Darüber wurde jetzt im Gemeinderat der Ostallgäuer Gemeinde heiß diskutiert.

Bild: Berthold Veh (Symbolbild)

Wird in Günzach (Ostallgäu) bald in größerem Stil Kies abgebaut? Darüber wurde jetzt im Gemeinderat der Ostallgäuer Gemeinde heiß diskutiert.

Bild: Berthold Veh (Symbolbild)

Östlich eines Günzacher Ortsteils will die Firma Hubert Schmid auf einem 6,5-Hektar-Areal eine Kiesgrube errichten. Jetzt wird ein Bürgerentscheid gefordert.
22.09.2021 | Stand: 06:18 Uhr

Seit Monaten ist in Günzach die Rede davon, dass auf einem 6,5 Hektar großen Areal östlich des Ortsteils Autenried in großem Stil Kies abgebaut werden soll. Das betroffene Gebiet unmittelbar südlich der Bahnlinie weist eine 20-Meter-Kiesschicht auf. Nun trugen das Marktoberdorfer Bauunternehmen Hubert Schmid und dessen Planer die Details zu ihren Kiesabbau-Plänen im Günzacher Gemeinderat vor.

Im Gemeinderat in Günzach wurden viele Bedenken gegen das Vorhaben geäußert. Ein Ratsmitglied fordert sogar einen Bürgerentscheid. Rund zwei Dutzend Besucher – teils aus den Ortsteilen Autenried und Albrechts – waren wegen des Themas in die Gemeinderatssitzung gekommen.

Offenbar ein sehr reiches Kiesvorkommen auf dem Areal östlich von Günzach

Eingangs beschrieb der von der Firma Hubert Schmid beauftragte Geologe Achim Veigel (Büro GeoPlan) den Räten das wohl reiche Kiesvorkommen auf dem Areal. „Es könnte eine höffige Abbaustelle sein“, sagte Veigel. Schon 2018 fanden Vorerkundungen statt. In Gesprächen zur Beurteilung des Standorts habe das Landratsamt 2019 dann das Vorhaben für prinzipiell zulässig erachtet. Denn Kiesabbau sei ein gesetzlich privilegiertes Bauvorhaben.

Aufgrund der Corona-Krise seien Angehörige der Baufirma und des Gemeinderats dann allerdings erst heuer im Frühjahr zu einer ersten Online-Information zusammengekommen. „Im Ort wird aber schon viel diskutiert“, sagte Bürgermeisterin Wilma Hofer nun im Gemeinderat. Daher wolle man mit dem Thema frühzeitig an die Öffentlichkeit gehen. Zugleich betonte Hofer: „Es liegt noch kein Bauantrag vor, wir sind noch weit entfernt von einem Beschluss.“

Das Gebiet liegt neben der Bahnlinie und die nächste Wohnbebauung ist knapp 400 Meter entfernt

Brigitte Schröder, Projektentwicklerin bei Hubert Schmid, ein Vertreter des Büros Lars Consult sowie Geologe Veigel stellten ihre Detailplanung vor. Das Abbauareal liege unmittelbar südlich der Bahnlinie und etwa 100 Meter östlich der Kapelle St. Michael. Die Wohnbebauung des Ortsteiles Autenried sei knapp 400 Meter entfernt. Die Zufahrt zur Kiesgrube soll von Westen her erfolgen und asphaltiert werden. Der Abbau solle Zug um Zug erfolgen, nach jedem Abschnitt werde gleich wieder verfüllt und rekultiviert. Der geplante Abbau erstrecke sich über 20 Jahre, wobei die Lkw meist in Richtung Marktoberdorf abfahren würden, also entlang der Günzacher Ortsteile Autenried und Albrechts. Die künftige Verkehrsbelastung durch die Kiesgrube bezifferten die Planer mit täglich 15 bis maximal 40 Kies-Lkw.

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Die Belastung an der hier vorbeiführenden Staatsstraße 2012 betrage schon jetzt laut Straßenverkehrszählung 2011 Schwerfahrzeuge pro Tag, sagten die Planer, was umgerechnet knapp drei Laster pro Minute bedeuten würde. Dass stieß im Ratsgremium auf Widerspruch.

Ein Rat sagt: "Die Lebensqualität im Ortsteil Autenried würde dadurch stark beeinträchtigt!"

Ratsmitglied Johann Ganser betonte in der Diskussion, er erwarte konkrete Aussagen zur Lärmbelastung und Verschmutzung. Die Lebensqualität im nur 400 Meter entfernten Wohngebiet Autenried würde durch eine solche Kiesgrube stark beeinträchtigt. Er erwarte, dass das Bauunternehmen darüber mit den Bürgern spreche. Ratsmitglied Stefan Fischer wollte neben der Frage des Lärmschutzes auch wissen, welche Gefahren für das Grundwasser bestünden.

Kiesgrube Kraftisried (Symbolbild)
Kiesgrube Kraftisried (Symbolbild)
Bild: Mathias Wild

Schröder versicherte, dass Wallschüttungen im Norden und Nordosten Sichtschutz böten, von Süden her sei das Gebiet aufgrund der Topografie eh kaum einsehbar. Unverständnis äußerte sie darüber, dass in der Öffentlichkeit von „Meißeln und Steine-Brechen“ gesprochen werde. Vielmehr würde in der Kiesgrube Material lediglich abgebaggert und durchgesiebt. „Das Steine brechen“ würde bei Schmid nur im Hauptwerk im Marktoberdorfer Ortsteil Engratsried erfolgen. Als Günzacher Mitbürgerin – Schröder war von 2002 bis 2014 Bürgermeisterin in Günzach – mute sie der Bevölkerung nichts Böses zu.

Die Günz-Quelle wäre nur 100 Meter von der geplanten Kiesgrube entfernt

Laut Veigel besteht für das Grundwasser keine Gefahr. Allerdings „wären Beeinträchtigungen im Nahbereich zum Baudenkmal ‘Jagdschloss und Schlossbrauerei´ noch zu prüfen“, wie es im Konzept heißt. Ob eine, größere, Gefährdung für den Bereich der nur 100 Meter entfernten Günz-Quelle entstehen könnte, war dem Konzept nicht zu entnehmen.

Auf eine entsprechende Frage von Ratsmitglied Manfred Vetter erklärte Bürgermeisterin Hofer, dass die Kommune zwar planerisch sehr wohl eingreifen, aber das Vorhaben nicht verhindern könne, sofern gesetzliche Vorgaben erfüllt seien. Wegen der vielen Fragen und Bedenken forderte Ratskollege Rudolf Rauscher einen Bürgerentscheid: „Ich möchte das nicht im Gemeinderat entscheiden.“

Marktoberdorfer Unternehmen Hubert Schmid spricht sich für zeitnahe Bürgeranhörung aus

Hofer regte an, eine Art Bürgeranhörung öffentlich abzuhalten. Schröder bat darum, so eine Veranstaltung möglichst bald anzusetzen. Denn schon im Herbst solle im Landratsamt der Umfang der Untersuchungen und Aufgaben geklärt werden, die für das Projekt nötig seien. Der Antrag auf Abbau soll bis Mitte oder Ende 2022 erstellt werden.

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