Marktoberdorf/Obergünzburg

Vom biblischen Krimi bis zu Liedern des Friedens

Nacht  der  Kirchen Mit Musik, Gedichten, Pantomime und Gebeten greifen Christen Themen ihres Glaubens auf
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Von db
19.05.2019 | Stand: 16:52 Uhr

Für die Nacht der Kirchen war in mehreren Gotteshäusern in Marktoberdorf und Obergünzburg ein besonderes Programm geboten. Pfarrer Wolfgang Schilling führte durch die Stadtpfarrkirche St. Martin. In der Frauenkapelle war Spannung angesagt. Denn die Bibel ist ein faszinierendes Buch. Wer sich dafür Zeit nimmt, kann darin so manchen „Krimi“ entdecken. Drei davon haben Sabine und Siegfried Reichart mit weiteren Mitspielern bei der „Nacht der Kirchen“ lebendig werden lassen.

Bei der ersten Tat, die als Pantomime gestaltet wurde, ging es um Mundraub, dessen Folgen in der ganzen Menschheitsgeschichte spürbar geworden sind. Trotz ausdrücklichen Verbotes vergriffen sich Adam und Eva an den Früchten, von denen ihnen Gott zu essen verboten hatte. Trotz dieses Vergehens entzog ihnen Gott jedoch seine Zuwendung nicht, denn er stattete sie vor dem Hinauswurf aus dem Paradies mit Kleidern aus.

Bei der zweiten Tat, der Erpressung von Schutzgeld, wurde das Publikum mit einbezogen. Der reiche und bösartige Viehzüchter Nabal weist Davids Ansinnen um Schutzgeld schroff ab, worauf dieser Nabal töten will. Doch dessen schöne Frau Abigail weiß dies zu verhindern. Nach Nabals Tod wird sie Davids Frau. Die letzte Geschichte handelte von einem Raubüberfall mit Körperverletzung. Sie ist eine der bekanntesten Kriminalgeschichten der Bibel und spielt an der Straße zwischen Jericho und Jerusalem. Zwei Personen gehen an dem Verletzten vorbei. Erst der Dritte, ein Mann aus Samarien, hält an, um ihm zu helfen. Anders als bei Krimis heißt es am Ende nicht: Wer war der Täter? Vielmehr lautet die Frage: Wer ist mein Nächster? Die humorvoll gestalteten Vorführungen wurden von den Besuchern der Kapelle mit starkem Beifall bedacht.

Bunte Laternen wiesen in der evangelischen Johanneskirche den Weg in das Gotteshaus. An den Stehtischen mit den Knabbereien standen schon die Akteure der ersten Stunde vor ihrem Auftritt: Jugendliche des JoKiTa-Teams zeigten Sketche mit Pointen, die mit einem Lachen zum Nachdenken anregten. Titel der Stunde war „Coming Home“. Dieses Chanson wurde von Gunda Guggenmos gesungen und mit der Gitarre begleitet wie viele weitere Lieder mit besinnlichen englischen Texten von ihr selbst oder anderen Interpreten. Nach der Pause zum Wechseln oder Zeit für Gespräche lautete das Motto „Melodie des Friedens“. Der Mittelstufenchor des Gymnasiums und vier Instrumentalisten unter der Leitung von Susanne Holm sangen Kantaten von Krieger, Buxtehude und Mendelssohn Bartholdy, die unter die Haut gingen und der Sehnsucht nach wahrem Frieden eine junge, glaubwürdige Stimme verliehen. Dazwischen trug ein Team Gedichte des 20. Jahrhunderts vor, untermalt mit Bildern, die den Wunsch nach einer Welt in Frieden unterstützten.

Zur dritten Stunde wieder ein Szenenwechsel: Der Organist Benedikt Thuy brachte die Kirche mit „Orgel mal anders!!“ mit ungewohnten Registern zum Vibrieren: „Hey Jude“ von den Beatles, begleitet vom begeisterten Gesang des Publikums, ebenso bei Komponisten wie Deep Purple, Paul McCartney oder Henry Manzini, die die Zuhörer förmlich mitrissen. Als Zugabe ertönte von der „Königin der Instrumente“ die „Queen“ der Rockmusik, Tina Turner. Standing Ovations und Jubel erfüllten die Johanneskirche. Anschließend wechselten noch viele Besucher zum abschließenden Taizé-Gebet in die Frauenkapelle. Gläubige kamen auch im Jesus-Haus in der Georg-Fischer-Straße zusammen zu Kurzandachten.

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In Obergünzburg bot zunächst die Neuapostolische Kirche die Gelegenheit zur Besichtigung ihrer Räumlichkeiten und erfreute dabei die Besucher mit geistlichen Werken auf der Orgel und am Klavier und einem offenen Singen. Zudem konnte man einem Vortrag mit dem Titel „Reich in Christus - reich im Leben“ beiwohnen. Danach gab es in der katholischen Kirche St. Martin Gedanken zum Hohelied der Liebe von Pfarrer Walter Böhmer und Lieder mit dem Jugendchor „Highlight“.

Im Anschluss begaben sich die Kirchbesucher mit Pfarrer Böhmer zur kerzengeschmückten evangelischen Elisabethenkirche, in der der Kurzfilm „Am seidenen Faden“ über einen in Absturzgefahr geratenen Bergsteiger gezeigt wurde. Für seine erkrankte Frau, Pfarrerin Mona Böhm, nahm ihr Mann Markus einige Betrachtungen zu dem Menschen im Film vor, dessen Leben am seidenen Faden hing und dessen Rettung das Vertrauen war: „Gott lässt mich nicht im Stich.“ Die Taizé-Lieder, die gemeinsam gesungen wurden, begleiteten Barbara Meyer auf ihrer Flöte und Silvia Buhmann mit der Gitarre.(gb), (bau),