Prozess am Amtsgericht Kaufbeuren

Vorrat für den nächsten Lockdown: Ostallgäuer (27) hortet Marihuana und muss vor Gericht

Marihuana

Um das Horten von Marihuana ging es nun bei einem Prozess vor dem Kaufbeurer Amtsgericht.

Bild: Kurt Kraus (Symbolbild)

Um das Horten von Marihuana ging es nun bei einem Prozess vor dem Kaufbeurer Amtsgericht.

Bild: Kurt Kraus (Symbolbild)

Ein 27-jähriger Mann musste sich vor dem Amtsgericht Kaufbeuren verantworten. Warum er Marihuana hortet, aber zur Herkunft des Betäubungsmittels schweigt.
01.06.2021 | Stand: 11:54 Uhr

Der unerlaubte Besitz von rund 82 Gramm Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von 11,7 Gramm THC brachten einen 27-jährigen Kaufbeurer vor das Schöffengericht. Eine Überschreitung der nicht mehr geringen Menge war bereits gegeben, am Ende der Verhandlung in Kaufbeuren gestand ihm die Staatsanwältin aber den minderschweren Fall zu. Der Mann wurde letztlich zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten und zur Zahlung von 2000 Euro verurteilt

In seiner Wohnung fanden die Polizisten nochmals 82 Gramm der Droge

Der Beschuldigte führte laut Anklage am 1,03 Gramm Marihuana in Kaufbeuren mit sich, in seiner Wohnung fanden die Beamten weitere 81,99 Gramm des Betäubungsmittels. Diesen Umstand räumte der gelernte Industriemechaniker vollumfänglich ein. Er erklärte, die Droge für den ausschließlichen Eigenbedarf erworben zu haben.

Auf die Frage der Richterin, warum eine so große Menge erforderlich gewesen sei, gab der nicht vorbestrafte Angeklagte an, sich aus Angst vor einem weiteren Lockdown oder Ausgangsbeschränkungen einen Vorrat angelegt zu haben.

Der Angeklagte sagte, er habe Angst vor dem Dealer

Von wem er die Betäubungsmittel erworben hatte, wollte er aus Angst, ihm oder seiner Familie könne „etwas passieren“, nicht angeben. Während der Verhandlung zeigte er sich, wie es die Staatsanwältin formulierte, „sichtlich beeindruckt“ von der Situation vor Gericht. Immer wieder blickte er angespannt nach unten, sprach verhalten und stockte wiederholt während seiner Aussage.

Der 27-Jährige erklärte, mit den damals zum Eigenbedarf erworbenen Betäubungsmitteln „nichts mehr zu tun haben“ zu wollen. Es sei „ein Fehler gewesen“ und die Durchsuchung „ein einschneidendes Erlebnis“, aus dem er „gelernt habe“. Deshalb habe er sich auch seit März in Suchtberatung bei der Caritas begeben. Vier bisherige Einzelgespräche wurden per Bescheid bestätigt, ein weiteres sei bereits vereinbart. Seit November 2020 gehe er außerdem wieder seinem Beruf nach. Zuvor und auch zum Tatzeitpunkt, sei er arbeitslos gewesen.

Der Ostallgäuer hat sich selbstständig in die Suchtberatung begeben

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Aufgrund der fehlenden Vorstrafen, des Geständnisses, der offensichtlichen Reue und weil es sich um eine „weiche Droge“ handelte, sprach die Staatsanwältin von einem minderschweren Fall. Außerdem rechnete sie dem Angeklagten den selbstständigen Besuch der Suchtberatung positiv an. Sie hielt eine Freiheitsstrafe von acht Monaten zur Bewährung mit einer Bewährungszeit von drei Jahren für angemessen. Darüber hinaus forderte sie, dem Beschuldigten eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro und die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.

Die Verteidigerin schloss sich den Gründen für eine Einordnung als minderschweren Fall an und plädierte für eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung und eine Bewährungszeit von zwei Jahren. Das Gericht schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an und bestimmte, dass die 2000 Euro in monatlichen Raten von 250 Euro an die Bayerische Krebsgesellschaft bezahlt werden. Das Urteil ist rechtskräftig.