Helfer im Untergrund

Warum gibt es derzeit im Ostallgäu so viele Maulwurfshügel?

Im Winter fällt es ganz besonders auf, wie eifrig Maulwürfe im Untergrund arbeiten. Je tiefer sie aufgrund des Frostes buddeln, desto mehr Erde landet an der Oberfläche.

Im Winter fällt es ganz besonders auf, wie eifrig Maulwürfe im Untergrund arbeiten. Je tiefer sie aufgrund des Frostes buddeln, desto mehr Erde landet an der Oberfläche.

Bild: Fotos: Martina Gehret/BUND; Thinkstock

Im Winter fällt es ganz besonders auf, wie eifrig Maulwürfe im Untergrund arbeiten. Je tiefer sie aufgrund des Frostes buddeln, desto mehr Erde landet an der Oberfläche.

Bild: Fotos: Martina Gehret/BUND; Thinkstock

Kaum ist der Schnee getaut, entdeckt man vielerorts im Ostallgäu dutzende Maulwurfshügel. Warum das so ist und was man über den Maulwurf wissen sollte.
18.02.2021 | Stand: 13:43 Uhr

Auf Wiesen und Weiden fühlt sich der Maulwurf besonders wohl. Dort findet er gute Böden, viel zu fressen und vor allem Ruhe. Manchmal sind Maulwürfe auch im Garten anzutreffen. „Viele Gartenbesitzer stören sich an den Haufen. Dabei sind diese nur Zeichen einer wichtigen unterirdischen und ökologischen Tätigkeit“, verteidigt der Vorsitzende Josef Kreuzer der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren im Bund Naturschutz (BUND) den Maulwurf. Letztlich profitieren davon die Gärtner: Der Maulwurf lockert die Erde, sorgt für gute Durchlüftung des Bodens und frisst ausschließlich tierische Kost.

Seine Erdhaufen kennt jeder, zu Gesicht bekommt man das schwarze Tier aber selten. Der scheue Insektenfresser lebt nämlich den größten Teil seines Lebens unter der Erde, genauso wie seine Beute. Er frisst Regenwürmer, Engerlinge und andere Käferlarven. Schnecken findet er auch nicht verkehrt.

Seine Nahrungstiere lokalisiert der Maulwurf mithilfe des Gehörs und seiner Rüsselnase, die mit vielen Nervenzellen und Tasthaaren ausgestattet ist. Er ist auch nicht völlig blind, seine Augen sind nur verkümmert. Doch seine Ohren sind ungewöhnlich scharf, und er spürt das leiseste Zittern des Bodens.

„Gefressen wird rund um die Uhr, denn der Grundumsatz des Maulwurfs ist sehr hoch. So benötigen die Tiere eine tägliche Nahrungsmenge, die etwa 85 Prozent ihres Körpergewichtes entspricht“, erklärt Kreuzer. (Lesen Sie auch: Mal kein Artensterben: Warum es immer mehr Störche im Allgäu gibt)

Weitverzweigte Tunnel

Der Maulwurf ist vollkommen an das Leben unter der Erde angepasst. Sein 13 bis 15 Zentimeter langer Körper ist geformt wie eine kleine Walze. So passt er ideal durch die Gänge, die er mit seinen großen, seitlich ausgerichteten Grabschaufeln gräbt. Dabei buddelt sich der Maulwurf erst vorwärts, dann dreht er sich um und schiebt mit seinem Kopf die überflüssige Erde hinaus an die Oberfläche. Durch seine starken Muskeln im Schulterbereich kann er zwanzigmal so viel Erde bewegen, wie er selbst wiegt. Das weitverzweigte Tunnelsystem besteht aus Gängen, Vorratskammer und Wohnkessel. Die meisten Jagdstrecken befinden sich dicht unter der Oberfläche, wo er seine Beute findet.

Im Winter gräbt er besonders tief

Lesen Sie auch
Maulwurfhäufen sind eigentlich kein schlechtes Zeichen. Werden es aber zu viele, kann das im heimischen Garten ebenso stören wie bei der Grabpflege.
Natur

Maulwürfe im Kemptener Friedhof: Sie graben und graben

„Im Winter müssen die Gänge wegen des Frostes tiefer gelegt werden, bis zu 60 Zentimeter in die Erde gräbt er dann. In Ausnahmefälle sogar bis zu einem Meter. Dabei gilt: Je tiefer er buddelt, umso mehr Erde muss an die Oberfläche geschaufelt werden. Daher gibt es im Winter und Frühling mehr Maulwurfshügel als im Sommer“, weiß Josef Kreuzer. Sehr spannend sei auch die Tatsache, dass Maulwürfe unter der Erde mit wenig Sauerstoff und einer hohen CO2-Konzentration zurechtkommen müssen. Das schafft er ohne Probleme, denn das Blut des Maulwurfs enthält viel Hämoglobin, das ihm hilft, verbrauchte Luft nochmals zu nutzen. „Dennoch können mehr Tunnelausgänge auch der Belüftung dienen“, erklärt BUND- Vorsitzender Kreuzer.

Das Graben lockere und durchlüfte den Boden. Davon profitieren auch viele andere Arten wie Erdhummeln oder Kröten. Zudem kann der Boden mehr Regenwasser aufnehmen, was den Gartenpflanzen zugutekommt. Die ausgeworfene lockere Erde der Maulwurfhügel, kann dann wieder im Blumenbeet verwendet werden.

Leider sind Maulwürfe durch die Zerstörung von Lebensräumen, den Rückgang der Insektenvielfalt und die zunehmende Flächenversiegelung gefährdet. Als besonders geschützte Tierart dürfen sie laut Bundesnaturschutzgesetz nicht gefangen, verletzt und getötet werden.

Lesen Sie auch: Maulwürfe im Kemptener Friedhof: Sie graben und graben