Naturphänomen im Ostallgäu

Warum kommen so wenige Vögel zu den Futterhäuschen?

Viele Menschen im Ostallgäu haben es diesen Winter vermisst, dass Singvögel - wie diese Meise - an ihren Futterhäuschen vorbeikommen.

Viele Menschen im Ostallgäu haben es diesen Winter vermisst, dass Singvögel - wie diese Meise - an ihren Futterhäuschen vorbeikommen.

Bild: Archivfoto: Holger Hollemann/dpa

Viele Menschen im Ostallgäu haben es diesen Winter vermisst, dass Singvögel - wie diese Meise - an ihren Futterhäuschen vorbeikommen.

Bild: Archivfoto: Holger Hollemann/dpa

Amsel, Meise, Sperling und Co. machen sich heuer rar an den Futterplätzen im Ostallgäu. Vogelexperten liefern verschiedene Erklärungen, weshalb das so ist.
20.02.2021 | Stand: 14:00 Uhr

Das Vogelhäuschen steht. Futter ist drin. Doch keiner kommt. Dieses Szenario erlebten in diesem Winter viele Menschen im Ostallgäu. An ihren sonst gut besuchten Futterstellen tummelten sich nur wenige oder gar keine Vögel. Woran das liegt, darauf haben selbst Experten keine hundertprozentige Antwort. „Bei der LBV-Vogelzählung Anfang des Jahres wurde ein Rückgang bei der Zahl der Vögel registriert. Bis jetzt aber konnte für dieses Ergebnis kein triftiger Grund genannt werden, und das finde ich sehr beunruhigend“, sagt zum Beispiel Peter Griegel vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Persönlich vermutet er, dass unter anderem der Insektenmangel des vergangenen Sommers hinter dem Rückgang der Vogelpopulation steckt.

Es lauert eine Gefahr auf die Singvögel

Vogelkundler Richard Wismath vermutet noch eine andere Ursache. „Dort wo Krähen, Elstern und Katzen leben, braucht man sich nicht wundern, dass kein Singvogel am Futterhaus erscheint“, sagt er. „Doch gibt es nach Aussagen vieler Anrufer auch Stellen, wo die Gefahr dieser Störenfriede fehlt und trotzdem keine Singvögel erscheinen. Sicher ist, dass die Singvögel von Jahr zu Jahr immer mehr abnehmen und der Grund dafür ist, dass vornehmlich die Zugvögel im Mittelmeerraum immer wieder von Hobbyjägern (Sportschützen) mit der Schrotflinte abgeschossen werden oder in aufgestellten Fangnetzen enden. Bei uns geht die Gefahr für heimische Singvögel nachweislich hauptsächlich von Hauskatzen aus, die ihre Nahrung selber suchen müssen. Dort, wo keine Mäuse vorhanden sind, ist die Hauskatze auf Singvögel angewiesen. Natürlich tun Sperber und Steinmarder ihr übriges, doch das ist naturbedingt.“

Der Haussperling leidet Not

Ein ganz anderes, coronabedingtes Problem hat laut Wismath zudem der Haussperling. „Der Haussperling, auch Spatz genannt, ist einer der klügsten, vielseitigsten und anpassungsfähigsten Vögel überhaupt. Sein Scheitel ist schmutzig grau, die Wangen weiß und der Nacken kastanienbraun. Dank seiner großen Anpassungsfähigkeit ist der Haussperling überall in der Nähe von menschlichen Siedlungen zu finden“, sagt der Vogelexperte. „Er liebt Gärten mit Gesträuch und zur Nahrungsaufnahme Biergärten, da dort für ihn immer etwas Essbares abfällt. Leider ist durch die Corona-Pandemie für den unterhaltsamen Spatz dort nichts mehr zu finden. Er leidet Not. Im Winter ist er, wie auch alle andere Singvögel, sehr auf unsere Futterstellen angewiesen.“

Der Sperling beschert den Menschen laut Wismath bei der Beobachtung viel Freude, wenn er zum Beispiel im Sturzflug ans Fensterbrett kommt oder von Schnee geschützte Flächen zur Nahrungsaufnahme anfliegt. Besonders ratsam sei es, wenn man an frostfreien Tagen eine große, sehr flache Schale mit Frischwasser auf die Terrasse stellt, um den Vögeln durch den Winter zu helfen.

Wismath rät außerdem, ihnen nur das beste Futter zu servieren. Er selbst fertigt es aus kleinen Haferflocken vermischt mit Palmolivfett an. „Das ist ein voller Erfolg und der Dank dafür, dass unsere Sänger uns im Frühling bereits zur frühen Morgen- und Abendstunde mit ihren wohlklingenden Melodien erfreuen“, sagt Wismath.

Für Brutstätten sorgen

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Sehr nützlich sei es außerdem, für passende Brutstätten für Singvögel zu sorgen, auch für diejenigen, welche nur in den Sommermonaten hier sind, wie Star, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Grauschnäpper, Trauerschnäpper und nicht zu vergessen, die Mehl- und Rauchschwalben. Für Meisen und Schnäpperarten ist laut Wismath wichtig, dass für das Einschlupfloch der richtige Durchmesser vorhanden ist und sich für Dorn-, Gras - oder Mönchsgrasmücke im Garten genügend Gesträuch findet, in dem sie ihr zierliches Nest errichten und ihre Jungen aufziehen können.