Glücksgefühle garantiert

Warum Marktoberdorfer etwas für ihre Gesundheit tun, wenn sie Vögel füttern

Am besten ist es, wenn die Vögel in einer natürlichen Landschaft selbst ihr Futter finden. Vögel - hier eine Kohlmeise - zu beobachten, verschaft Menschen Wohlbefinden.

Am besten ist es, wenn die Vögel in einer natürlichen Landschaft selbst ihr Futter finden. Vögel - hier eine Kohlmeise - zu beobachten, verschaft Menschen Wohlbefinden.

Bild: Michael Bangerter

Am besten ist es, wenn die Vögel in einer natürlichen Landschaft selbst ihr Futter finden. Vögel - hier eine Kohlmeise - zu beobachten, verschaft Menschen Wohlbefinden.

Bild: Michael Bangerter

Studie zeigt: Füttern im Winter hilft den Tieren und nutzt den Menschen. Experten sagen, welche Tipps man beachten sollte.
29.12.2020 | Stand: 13:51 Uhr

Wenn im Winter die ersten dicken Schneeflocken fallen, besinnen sich viele Menschen auf die heimische Vogelwelt. Spätestens zu dieser Zeit, meistens jedoch früher, werden in Kaufhäusern und auch in Zoohandlungen scheinbar unerschöpfliche Mengen an Vogelfutter angeboten. Mehr als 20 Millionen Euro geben Vogelfreunde jährlich dafür aus. Laut Bund Naturschutz hat das mit Artenschutz wenig zu tun. Wirklich hilfreich für die Vogelwelt ist mehr Wildwuchs im Garten und die Erhaltung naturnaher, vielfältiger Lebensräume. Dennoch: Vögel füttern macht Spaß und steigert nachweislich das Wohlbefinden von uns Menschen, erklärt der Bund Naturschutz.

Ostallgäuer Experten: Wildwuchs ist wichtig

Während Spatzen, Meisen und Amseln am Futterhäuschen wie im Paradies leben, haben andere Vogelarten kaum etwas davon. Die Arten, die ans Futterhaus kommen, sind bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht gefährdet. Seltene und bedrohte Arten wie Rebhuhn oder Grauammer kommen dagegen kaum an die Futterstelle. „Eine Winterfütterung leistet nur einen sehr geringen Artenschutzbeitrag. Viel wichtiger für den Schutz unserer Gartenvögel sind dichte Hecken, Streuobst, naturnahe Stauden und Kräuter“, erklärt der Vorsitzende der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren im Bund Naturschutz, Josef Kreuzer.

Die Fütterung verschafft häufigen und an den Menschen angepasste Arten einen Konkurrenzvorteil, der sich auf Größe und Verteilung der saisonalen Tierpopulationen und Vogelgemeinschaften auswirken kann. Laut einer britischen Studie hat sich zwar die Artenanzahl durch die zunehmende Futtervielfalt der Hersteller in den Gärten erhöht, aber national betrachtet, ist sie gleichgeblieben. „Nur Füttern hilft zu wenig. Man fördert damit lokale Tierpopulationen, aber nicht unsere überlebenswichtige Biodiversität“, begründet Josef Kreuzer. Echter Vogelschutz ist der Erhalt strukturreicher Landschaften und der Schutz natürlicher Lebensräume.

Verkehrt ist die Vogelfütterung trotzdem nicht. Futterstellen bieten eine gute Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu beobachten und spannende Naturerlebnisse zu erfahren. Die Daten aus einer Untersuchung der Katholischen Universität Eichstätt zeigen, dass Vogelbeobachtungen glücklich machen. Deshalb ist gegen ein sachgemäßes Füttern im Winter nichts einzuwenden. Der BN bittet alle begeisterten Vogelfreunde, die Futterstellen im Garten sauber zu halten und verschmutztes Futter zu entsorgen. Frisches Wasser sollte das ganze Jahr angeboten werden.

Vögel schätzen Futterqualität

Blickt man in die Einkaufskörbe der Gartenbesitzer, scheint es den Menschen ein großes Anliegen zu sein, die Vögel gut durch den Winter zu bringen. Doch häufig bleiben die Nüsse und Samen unberührt. Den Bund Naturschutz erreichen in den letzten Tagen viele Meldungen zu verschmähten Meisenknödeln. „Vögel sind wählerisch, solange sie durch das Wetter nicht gezwungen sind auf minderwertige Kost umzusteigen,“ erklärt Josef Kreuzer. Bei Billig-Vogelfutter aus dem Discounter oder dem Baumarkt leidet häufig die Qualität. Sehr günstige Meisenknödel enthalten Abfallfette, Backbrösel und andere unverdauliche Füllstoffe.

Wer im Garten viele Vögel beobachten will, muss auf gute Futterqualität setzen. Dabei gilt: Je vielfältiger das Angebot ist, desto mehr Vogelarten finden etwas Passendes. Besonders beliebt sind Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Mohn, Distelsamen, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, frisches Obst, Rosinen und getrocknete Mehlwürmer.

Vorsitzender Josef Kreuzer appelliert für eine Alternative: „Der Kauf von regionalen und biologisch angebauten Produkten hilft, strukturreiche Landschaften als Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten zu erhalten. Das ist sinnvoller als übermäßig Winterfutter zu erwerben.“ (az)

www.bund-naturschutz.de