"Die grüne Brille aufsetzen!"

Warum nicht nur im Stadtwald Marktoberdorf die Zeit der Fichte vorbei ist

Mo Wald NEU

Spielerisch erläuterten die Förster Harald Husel und Moritz Janzen (1. und 2. von links) den Kindern im Hochwieswald bei der Familienwanderung auch, wie die Holzernte funktioniert.

Bild: Heiko Wolf

Spielerisch erläuterten die Förster Harald Husel und Moritz Janzen (1. und 2. von links) den Kindern im Hochwieswald bei der Familienwanderung auch, wie die Holzernte funktioniert.

Bild: Heiko Wolf

Ab ins Holz: Wie Kinder und Erwachsene bei der Ostallgäuer Klimawoche etwas über den Wald der Zukunft lernen. Und dabei Tannen pflanzen sowie eine Hütte bauen.
11.10.2021 | Stand: 09:00 Uhr

„Die grüne Brille aufsetzen“ und den Wald aus Förster-Sicht betrachten. Dazu forderten Forstberater Harald Husel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf die Teilnehmer einer Familienwanderung durch den Hochwieswald auf. Sie war Teil der Klimawoche Ostallgäu. Und nicht nur die Kinder spielten mit, setzten Tannen ein, bauten im Team eine Blockhütte und machten mit Buchenblättern Musik.

Wie weit der Marktoberdorfer Hochwieswald schon bei seinem Umbau zum Mischwald ist

Neben Familien, die gern im Wald spazieren gehen, machten sich Waldbesitzer dabei ein anschauliches Bild davon, wie weit der Hochwieswald schon bei seinem Umbau vom Fichtenwald zum klima-widerständigeren Mischwald ist. Wie FBG-Vorsitzender Wolfgang Guggenmos erläuterte, ist dieser übrigens Teil des fast 300 Hektar großen Stadtwaldes, der der Stadt Marktoberdorf gehört.

FBG-Geschäftsführer Moritz Janzen blickte auf das sehr heiße, warme und trockene Jahr 2018 zurück, unter dem die Fichten litten – und der Borkenkäfer auch im Hochwieswald so manchem Jahrgang den Garaus machte. Auf einer nahe der B16 unfreiwillig entstandenen Lichtung machten Husel und Janzen kindgerecht mehrere Dinge klar. Etwa: „Pflanzen wir möglichst viele Arten, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass der richtige Baum dabei ist für den Wald in 100 Jahren.“

Warum es wichtig ist, den Wald zu nutzen und waldbauliche Maßnahmen nicht zu vernachlässigen.  Unser Symbolfoto zeigt Forstwirts-Azubis der Bayerischen Staatsforsten bei der Arbeit im Liebenthanner Wald bei Obergünzburg.
Warum es wichtig ist, den Wald zu nutzen und waldbauliche Maßnahmen nicht zu vernachlässigen.  Unser Symbolfoto zeigt Forstwirts-Azubis der Bayerischen Staatsforsten bei der Arbeit im Liebenthanner Wald bei Obergünzburg.
Bild: Heiko Wolf

Oder: Dass die Nadelbäume Douglasie und Tanne als Tiefwurzler Sturm und Hitze besser Paroli bieten als die nur auf den ersten Blick pflegeleichte Fichte mit ihren sturmanfälligeren, mehr auf regelmäßigen Regen angewiesenen flachen Wurzeln. Und: Wie schwer es ist, „aus der Not entstandene“ Lichtungen neu zu bepflanzen. Denn nicht nur Wild, sondern auch Unkraut machten es Setzlingen schwer, sich zu behaupten, während sie im Schutz älterer Bäume leichter hoch kommen.

Auf dem Weg durch den Wald gibt es immer etwas zu sehen, zu riechen und zu fassen

Auf dem Weg gaben die zwei studierten Förster ihrer Gruppe immer was zu sehen, zu denken, zu riechen, zu fassen. Gerade die Kinder freuten sich, wie weihnachtlich eine Tannennadel duftet – während eine Douglasie ein Zitronenaroma ausströmt. Zugleich lernten sie, dass auch die Lärche, ein Nadelbaum, im Herbst ihr grünes Kleid abwirft. Und sie durften mit Seifenblasen ein Experiment machen, um zu sehen, wie Bäume trinken bzw. Wasser so ansaugen, dass es von den Wurzeln bis in die Blattspitzen gelangt.

Lesen Sie auch
##alternative##
Ostallgäuer Waldpreis

Warum die Arbeit im Wald mittlerweile fest in der Hand von Frauen liegt

An einem 30 Jahre alten Buchenbestand mit zwölf bis 15 Meter hohen Buchen sahen sie, wie weit im Stadtwald der Umbau gediehen ist: „Wären sie erst vor zehn Jahren gepflanzt worden, wären sie erst drei Meter hoch“, erklärte Janzen, während die Kinder kletterten. Bei einem Holz-erntespiel lernten sie, dass es auf dem Holzmarkt nicht nur auf Baumart und Altersklasse ankommt, sondern auf Angebot und Nachfrage.

Wütet in Franken der Borkenkäfer, kräht nach Fichte aus dem Allgäu kein Hahn mehr

Wie Janzen erklärte: Wüte in Oberfranken der Borkenkäfer und es gebe jede Menge Käferholz, krähe nach Fichte aus dem Allgäu kein Hahn mehr. Und es gelte: „Nicht mehr nutzen, als wieder zuwächst“, sagte Husel. Mit dem Pflanzen von Tannnen durfte die Gruppe selbst noch einen Beitrag zur Biodiversität leisten.

Wie wichtig gesunde Bäume für den Klimaschutz sind, wurde bei der Wanderung auch klar: Indem sie CO2 aus der Atmosphäre filtern und in lebensnotwendigen Sauerstoff umwandeln, halten sie die Luft rein.

Spielerisch erläuterten die Förster Harald Husel und Moritz Janzen (1. und 2. von links) den Kindern im Hochwieswald bei der Familienwanderung auch, wie die Holzernte funktioniert.
Spielerisch erläuterten die Förster Harald Husel und Moritz Janzen (1. und 2. von links) den Kindern im Hochwieswald bei der Familienwanderung auch, wie die Holzernte funktioniert.
Bild: Heiko Wolf

Lesen Sie dazu auch: