Sportorthopädie

Was tun bei Hüftproblemen? Ein Betroffener berichtet

So sieht ein künstliches Hüftgelenk aus. Ziel der Hüft-Athroskopie ist, das natürliche Gelenk zu erhalten und den Ersatz so lange wie möglich hinauszuzögern.

So sieht ein künstliches Hüftgelenk aus. Ziel der Hüft-Athroskopie ist, das natürliche Gelenk zu erhalten und den Ersatz so lange wie möglich hinauszuzögern.

Bild: BV Med

So sieht ein künstliches Hüftgelenk aus. Ziel der Hüft-Athroskopie ist, das natürliche Gelenk zu erhalten und den Ersatz so lange wie möglich hinauszuzögern.

Bild: BV Med

Hüftprobleme können auch junge Menschen treffen. Wie Patienten erste Signale erkennen und wie ihnen am Kaufbeurer Klinikum geholfen wird.
20.12.2020 | Stand: 10:18 Uhr

Im Team von Dr. Wolfgang Schnitzler, Chefarzt der Unfallchirurgie und orthopädischen Chirurgie am Klinikum Kaufbeuren arbeitet seit 2019 Dr. Stefan Dellner, Oberarzt und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Sein Fachgebiet: Sportorthopädie mit Schwerpunkt auf der Hüft-Arthroskopie. „Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen und Gelenkbeschwerden haben auch schon junge Leute“, klärt Dellner auf. Das könne nicht nur zu Einschränkungen beim Sport führen, sondern auch den Alltag der Betroffenen zur Hölle machen. Für eine Hüftprothese seien viele Patienten einfach zu jung. „Generell versuchen wir erst mal eine Operation zu vermeiden.“

Das Ziel ist, das Gelenk zu erhalten

Ist der Hüftverschleiß bereits zu weit fortgeschritten, sei eine Hüft-Arthroskopie nicht mehr sinnvoll. Gelingt es allerdings, die Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen, könne die Arthroskopie durchaus die Schmerzen lindern, die Gelenkfunktion verbessern und den Patienten Lebensqualität zurückgeben. Ziel sei es, das natürliche Gelenk zu erhalten und Folgeeingriffe zu vermeiden oder den Gelenkersatz zumindest deutlich hinauszuzögern.

Ist der prothetische Ersatz jedoch nicht mehr abwendbar, können Patienten am Endo-Prothetik-Zentrum in Kaufbeuren individuell versorgt werden. Der Chefarzt rät, die Indikationen für eine Hüft-Arthroskopie genau zu beobachten: „Dabei handelt es sich etwa um Einklemmungserscheinungen, mechanische Probleme, Knorpelschäden, Risse der Gelenklippe, Bandverletzungen, Schleimhauterkrankungen, freie Gelenkkörper oder auch Sehnenprobleme.“

"Bei bestimmten Bewegungen schoss ein Schmerz durch meinen Körper"

In speziellen Fällen wie dem sogenannten Hüftschnappen bei bereits vorhandenen Prothesen kommen die Patienten sogar aus dem überregionalen Raum nach Kaufbeuren. So wie Frank Barz aus Baden-Württemberg, der in seiner Freizeit als Diplom-Sport- und Selbstverteidigungs-Trainer fast täglich im Trainingsraum arbeitet. „Vor zehn Jahren begann es plötzlich in der linken Hüfte zu zwicken und bei bestimmten Bewegungen schoss ein Schmerz durch meinen Körper“, beschreibt der 48-Jährige sein Problem. Aufgrund der zu weit fortgeschrittenen Arthrose konnte kein gelenkerhaltender Eingriff durchgeführt werden – der Ersatz mittels Hüft-TEP war notwendig. „Über einen Bekannten habe ich von Dr. Schnitzler gehört und mir von ihm eine Zweitmeinung eingeholt.“ Vor drei Jahren erfuhr Barz jedoch den nächsten Einschnitt: aufgrund von Leistenschmerzen wurde in seiner Heimat eine Leistenbruch-OP durchgeführt. „Danach hatte ich Schmerzen, die sich so massiv steigerten, dass ich teilweise mein linkes Bein nicht höher als drei Zentimeter anheben konnte. Letztes Jahr war es dann so schlimm, dass man mir empfahl, mein künstliches Hüftgelenk austauschen zu lassen.“

Der Betroffene ist wieder schmerzfrei

Er holte sich wieder eine Zweitmeinung von Schnitzler und Dellner ein. Das Ergebnis war eindeutig. „Eine Hüftspiegelung mit dem Trennen der Hüftbeugesehne war die einfache Lösung, um mich von den Schmerzen zu befreien. Nun bin ich wieder und immer noch schmerzfrei mit meinem künstlichen Hüftgelenk. Ich gehe drei bis vier Mal in der Woche ins Training, fühle mich in keinster Weise eingeschränkt und außerdem tanze ich wieder.“

Häufig wiederkehrenden Leistenschmerzen, die unter Belastung, beim Beugen und Drehen der Hüfte auftreten, sollten ärztlich abgeklärt werden, rät Dellner. Aber auch Gelenkblockierungen oder einschießende Schmerzen in die Leiste können erste Signale sein, die man untersuchen sollte. „Was viele unterschätzen: dies kommt auch ohne einen vorherigen Unfall vor und passiert häufig auch jungen, sportlichen Patienten.“