Bilanz der Marktoberdorfer Stadtwerke

Wegen Corona steigt in Marktoberdorf der Wasserverbrauch

Die Tage der Kläranlage in Sulzschneid sind gezählt. Spätestens ab Sommer nächsten Jahres wird das Abwasser dieses Ortsteils direkt in Marktoberdorf gereinigt.

Die Tage der Kläranlage in Sulzschneid sind gezählt. Spätestens ab Sommer nächsten Jahres wird das Abwasser dieses Ortsteils direkt in Marktoberdorf gereinigt.

Bild: Andreas Filke

Die Tage der Kläranlage in Sulzschneid sind gezählt. Spätestens ab Sommer nächsten Jahres wird das Abwasser dieses Ortsteils direkt in Marktoberdorf gereinigt.

Bild: Andreas Filke

Das beschert der Stadt leicht höhere Einnahmen. Warum das so ist, wie sich die Abwassergebühr entwickelt und wo das Geld wieder ausgegeben wird.
03.03.2021 | Stand: 11:00 Uhr

Mit höheren Einnahmen beim Wasser und folglich auch beim Abwasser rechnet die Stadt, wenn die Gebühren eingefordert werden. Der Grund laut Kämmerer Wolfgang Guggenmos: die Corona-Pandemie. Weil die Menschen im vergangenen Jahr kaum bis gar nicht verreisen durften, blieben die meisten Marktoberdorfer in den Ferien zu Hause – und verbrauchten dort ihr Wasser. In Zahlen bedeutet das für heuer Einnahmen von 1,5 Millionen Euro (plus 100.000) beim Wasser und von 3,35 Millionen (plus 250.000 Euro) beim Abwasser.

Bei den Kanalgebühren spielt allerdings hinein, dass der Gebührensatz gerade neu berechnet wird. Demnächst sollen die Zahlen auf dem Tisch liegen. Die Beiträge werden rückwirkend zum 1. Januar steigen. Der Wasserpreis bleibt hingegen stabil.

Insgesamt beläuft sich der Haushalt der Stadtwerke auf 12,4 Millionen Euro – 640.000 Euro mehr als im Vorjahr. Zu den größten Posten im Vermögenshaushalt, der die Investitionen umfasst, zählen erneut die Kanalsanierung und die Kanalortsnetzerweiterung. Beides ist mit zusammen 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Für den Ausbau des Wassernetzes sind 750.000 Euro vorgesehen.

Sulzschneid entsorgt künftig im Klärwerk Marktoberdorf

Die Kläranlage Sulzschneid schlägt mit erneut 500.000 Euro zu Buche. Sie soll aufgegeben werden. Stattdessen soll auch das Sulzschneider Abwasser zentral in der Kläranlage in Marktoberdorf gereinigt werden. Insgesamt sind für diese Maßnahme bis zu 1,5 Millionen Euro eingeplant. Noch in diesem Frühjahr soll mit der Umsetzung des Projekts begonnen werden, im Sommer 2022 soll es beendet sein.

Es handelt sich um eine unbelüftete Teichkläranlage, die in Sulzschneid 1986 gebaut wurde. „Die Kläranlage entspricht nicht mehr dem Stand der Technik, zeigt deutliche Überlastungserscheinungen und die geforderten Ablaufwerte können nicht mehr eingehalten werden, was zu Strafzahlungen führt“, sagte die Leiterin der Tiefbauabteilung, Mareile Hertel, im Stadtrat. Die Anlage hält mit den im Laufe der Jahre immer mehr gesenkten Grenzwerten nicht Schritt. Das kostet die Stadt bares Geld. Seit einigen Jahren muss sie zwischen 1000 und 2000 Euro jährlich an Bußgeld auf den Tisch legen. Die Genehmigung für das Einleiten von Abwasser läuft Ende 2025 aus.

Drei Varianten liegen auf dem Tisch

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Bereits vor zwölf Jahren hatte die Stadt von einem Ingenieurbüro verschiedene Varianten ausarbeiten lassen, wie das Abwasser in Zukunft entsorgt werden kann. Drei Möglichkeiten wurden damals vorgestellt. Eine Variante – der Anschluss über eine Leitung zum Pumpwerk nach Rieder – favorisierte der Stadtrat. Allerdings fasste das Gremium seinerzeit darüber keinen Beschluss, was nun Georg Martin (Grüne) kritisierte. Er sagte, die beiden anderen Alternativen seien nicht ausreichend diskutiert worden. Es ging ihm im Kern darum, ob der bestehende Klärteich in Sulzschneid nicht hätte ertüchtigt werden können. Eine dezentrale Anlage wie diese sei heutzutage undenkbar, entgegnete Bauamtsleiter Ralf Baur. „Und auch nicht förderfähig“, ergänzte Hertel. Für die Anbindung an Marktoberdorf erhält die Stadt vom Wasserwirtschaftsamt einen „niedrigen sechsstelligen Betrag“ als Zuschuss, so Baur.

Mit deutlicher Mehrheit (22:2) hat der Stadtrat die Umsetzung des Projekts beschlossen. Demnach wird die bestehende Kläranlage aufgegeben, teilweise zurückgebaut und ein neues Regenüberlaufbecken mit Pumpwerk und ein Regenrückhaltebecken errichtet. Dazu müssen auf einer Länge von drei Kilometern ein Zulaufkanal verlegt und eine Druckleitung zum Abwassernetz in Rieder gebaut werden.

Leitung läuft großteils über städtischen Grund

Einige Riederer befürchteten, ihre Weiden müssten aufgerissen werden, weil der Kanal ihre Grundstücke quere. So war es zumindest einmal angedacht. Dem sei nun nicht mehr so, sagte Mareile Hertel. Lediglich auf Sulzschneider Flur seien vier Grundeigentümer betroffen. In der Gemarkung Rieder verlaufe die Leitung auf öffentlichem Grund.