Heimatgeschichte

Weihnachtszeit 1920: Als der Strom in Obergünzburg immer wieder abgeschaltet wurde

In den Wochen vor Weihnachten im Jahre 1920 war die Not der Bevölkerung, wie auch im Obergünzburger Tagblatt nachzulesen ist, umfangreicher und einschneidender als im diesjährigen Corona-Krisenjahr.

In den Wochen vor Weihnachten im Jahre 1920 war die Not der Bevölkerung, wie auch im Obergünzburger Tagblatt nachzulesen ist, umfangreicher und einschneidender als im diesjährigen Corona-Krisenjahr.

Bild: Hermann Knauer

In den Wochen vor Weihnachten im Jahre 1920 war die Not der Bevölkerung, wie auch im Obergünzburger Tagblatt nachzulesen ist, umfangreicher und einschneidender als im diesjährigen Corona-Krisenjahr.

Bild: Hermann Knauer

Vor hundert Jahren wurden die Obergünzburger von Strommangel und "käselosen Wochen" geplagt. Welche Probleme die Leute 1920 in der Weihnachtszeit noch hatten.
In den Wochen vor Weihnachten im Jahre 1920 war die Not der Bevölkerung, wie auch im Obergünzburger Tagblatt nachzulesen ist, umfangreicher und einschneidender als im diesjährigen Corona-Krisenjahr.
Von Hermann Knauer
21.12.2020 | Stand: 07:22 Uhr

Während auf den Titelseiten der heutigen Tageszeitungen immer wieder von den notwendigen Corona-Regeln und deren Verschärfung in den Tagen beziehungsweise Wochen vor Weihnachten zu lesen war und die Pandemie viele Läden, Kultur- und Wirtschaftsbetriebe in Existenznot bringt, so waren die Sorgen der Bevölkerung in den Weihnachtswochen von 1920, also vor einhundert Jahren zwar von anderer Art, aber umfangreicher, einschneidender und keineswegs geringer - auch in Obergünzburg.

So ist in den Dezember-Ausgaben der Allgäuer Zeitungen von 1920 und in den Bekanntmachungen des örtlichen Obergünzburger Tagblattes von gravierenden Auswirkungen zu lesen, z. B. durch den fehlenden Regen und die seit vielen Wochen andauernde, trockene Witterung.

Denn beides führte in volkswirtschaftlicher Hinsicht zu verhängnisvollen Einschränkungen. Da heißt es, die magere Futtergewinnung im Herbst vermindere die Milchgewinnung, und die gegenwärtige Trockenheit vernichte die Getreide-Wintersaaten der Bauern. Die Alpenflüsse wie Iller, Lech, Wertach, Isar und Inn zeigten einen außergewöhnlich niedrigen Wasserstand, sodass die Elektrizitätswerke in einzelnen Bezirken mit Kohle heizen und bereits Stromeinsparungen vornehmen mussten.

Betriebe in Obergünzburg sollen nachts arbeiten

Die Lech-Elektr. Werke teilen mit, so ist im örtlichen Tagblatt zu lesen, dass Beleuchtungs- und Kraftstrom nur noch am Montag, Dienstag und Mittwoch in beschränktem Maße geliefert werden kann. Es wird darauf hingewiesen, dass Kraftstrom von früh 8 Uhr bis Abends 8 Uhr nicht abgegeben werden kann. Die Kraftbetriebe sollen möglichst nachts arbeiten. Bei Überschreitungen muss mit gänzlicher Ausschaltung gerechnet werden.

Am Nikolaustag, 6. Dez. 1920, teilen die Lech-Werke mit, dass sie wegen Kohlenmangels gezwungen sind, für die Folge jeden Freitag und Samstag von Vormittag 8 Uhr bis Nachmittag 4 Uhr den Strom abzuschalten. (Lesen Sie auch: Nur verloren geglaubt: die Historie einer Obergünzburger Krippe)

Warum in Bayern käselose Wochen eingeführt wurden

Die Bayerische Landesfettstelle sah sich infolge des geringen Käseanfalls genötigt, käselose Wochen einzuführen. Diese Maßnahme war auch, wie vermerkt wurde, verursacht durch den immer mehr um sich greifenden Schleichhandel mit Käse von den Sennereien. Zur Unterdrückung von Schleichhandel oder Preistreiberei erließ die Bayerische Landesfettstelle eine ausdrückliche Warnung, jede Verfehlung gegen diese Vorschrift zu vermeiden, da von jetzt ab rücksichtslos eingeschritten würde.

Nach übereinstimmenden Berichten der Landw. Sachverständigen war die Haltbarkeit der Herbstkartoffel (1920) sehr schlecht. Nassfäule und weitere Krankheiten machten sich vielfach bemerkbar. Die Landwirte und Lagerhalter größerer Bestände wollten daher der Kartoffeleinlagerung besonderes Augenmerk zuwenden und durch häufiges und sorgfältiges Verlesen größere Verluste an dem kostbaren Nährgut hintan halten.

Zum Schutze gegen eine besondere Gefährdung der Viehbestände durch die Maul- und Klauenseuche wurde auf die Dauer der besonderen Seuchengefahr gemäß der Paragrafen 18 und 20 des Reichsviehseuchengesetzes das Mitführen von Wiederkäuern und Schweinen „beim Feilbieten im Umherziehen“ für den Umfang des Regierungsbezirks verboten. Der genaue Vollzug der getroffenen Anordnungen sei fortgesetzt strengstens zu überwachen, hieß es damals, am 8. Dezember 1920, von der Regierung von Schwaben und Neuburg in Augsburg.

Sparsamer Umgang mit Kohlen in Obergünzburg

Die Abgabe von Hausbrandkohlen erfolgt nur mehr einmal wöchentlich und zwar jeweils am Freitag ab 1 Uhr beim Kohlenstadel der Fa. Osterberger unterhalb vom Gasthaus zum „Schwanen“.

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