Aktuelles Thema Fremdsein

Weit weg in einem imaginären Zug: Musikalische Lesung in Aitrang greift das Thema Fremdsein auf

Die Opernsängerin Birgitta Rydholm (links) begeisterte mit ihrer klaren Opernstimme, ebenso die Schauspielerin Iris Kunz, die sehr guten schauspielerische Qualitäten unter Beweis stellte.

Die Opernsängerin Birgitta Rydholm (links) begeisterte mit ihrer klaren Opernstimme, ebenso die Schauspielerin Iris Kunz, die sehr guten schauspielerische Qualitäten unter Beweis stellte.

Bild: Wolfgang Hepke

Die Opernsängerin Birgitta Rydholm (links) begeisterte mit ihrer klaren Opernstimme, ebenso die Schauspielerin Iris Kunz, die sehr guten schauspielerische Qualitäten unter Beweis stellte.

Bild: Wolfgang Hepke

Wie Literatur und Musik das Thema „Fremd in der Ferne“ aufgreifen, zeigen eine Opernsängerin, eine Schauspielerin und ein Pianist in Aitrang. Was die drei eint.
05.05.2022 | Stand: 09:00 Uhr

„Fremd in der Ferne“. So lautete der Titel einer musikalischen Lesung in der Bücherei in Aitrang (Ostallgäu). Von Goethe bis zur Gegenwart, von Schubert bis zum Musical präsentierten Brigitta Rydholm, Iris Kunz und Raymond Hughes ihre schon fast persönlichen Eindrücke und begeisterten das Publikum. (Lesen Sie dazu auch: Statt nach New York nach Marktoberdorf blicken: Wettbewerb "Jugend jazzt" in der Bayerischen Musikakademie)

Die erste Veranstaltung in der Bücherei Aitrang seit Corona

Die erste Veranstaltung nach Corona, wie es die Leiterin der Bücherei Anna Arndt nannte, sollte gleich ein Glücksfall für Aitrang sein. Denn die schwedische Opernsängerin Birgitta Rydholm, die Schweizer Schauspielerin Iris Kunz, die in Aitrang lebt und der weit gereiste Pianist Raymond Hughes, der über Georgia (USA) nach Berlin kam, brachten Lieder, Texte, Gedichte, Sketche und Erlebnisse zur Aufführung, die ihresgleichen suchen. Nicht nur, dass die beiden Künstlerinnen mit Gesang und Sprache überzeugten, auch das Trio harmonierte perfekt auf der Bühne.

Sie sind selbst in Deutschland eigentlich auch Fremde...

Denn diese drei sind ebenfalls Fremde in der Ferne, obwohl sie in ihrer Wahlheimat Deutschland bestens integriert sind. „Wo ist Heimat“, stellten sie sich die Frage. „Ist es da, wo die Familie ist oder wo man die Zeitung von hinten liest oder wo ich mich wohlfühle?“ – „Wie ist es, wenn ich mein Heimatland verlassen muss?“

Viele Fragen stellte sich das Trio und fand in Musikstücken und Gedichten eine Antwort. So schrieb die türkische Schriftstellerin: „Jeden Tag packe ich den Koffer ein und wieder aus, jeden Tag ist das Heimweh unwiderstehlicher, jeden Tag fahre ich 2000 Kilometer in einem imaginären Zug hin und her.“

Nachdenklicher bis humorvoller Abend in Aitrang

Es war beeindruckend, wie Rydholm, Kunz und Hughes mit ihren musikalischen Werken und Texten die Zuhörer in den Bann zogen, nachdenklich stimmten, vielleicht an eigene Erlebnisse erinnerten, aber auch Humorvolles präsentierten. Hier standen Profis auf der Bühne, so verstanden es auch die Besucher. Sie könnten mit ihren Qualitäten auch größere Säle in ihren Bann ziehen.

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Denn Birgitta Rydholm war mit ihrer markanten Stimme schon auf vielen Opernbühnen zu Gast und Iris Kunz spielte unter anderem an den Kammerspielen in Hamburg und am Prinzregententheater in München und war auf großer „Phantom der Oper-Tour“ in Europa unterwegs. Die Stationen von Pianist und Chordirektor Raymond Hughes führten über die New Yorker Metropolitan Opera und Norwegen nach Berlin.

Von Schweden bis ins Ötztal

Mal wurden die Besucher musikalisch nach Värmlands in Schweden entführt, dann mit einer heimatlichen Weise ins Berner Oberland oder in die Ötztaler Alpen. Kunz erinnerte an den Schriftsteller Heinrich Heine, der nach Paris ausreisen musste und seine deutsche Heimat sehr vermisste.

Die beiden Künstlerinnen, selbst „Fremde in der Fremde“, erzählten auch von eigenen Erlebnissen und Einträgen aus ihrem „Tagebuch“. Neben den humorigen Anekdoten erinnerten sie aber immer wieder an die Gegenwart.

Auch die Ukraine ist Thema bei der musikalischen Lesung

„Die Häuser meiner Heimat sind nicht zerbombt“, sagte Rydholm zu den Ereignissen in der Ukraine. Nach diesem kurzweiligen, stimmungsvollen, mitfühlenden, aber auch sehr nachdenklichen Abend sparten die Zuhörer nicht mit Applaus. Sie alle freuten sich, diese besondere Vorstellung miterlebt zu haben.

Alle waren überzeugt, dass diese Veranstaltung eine Wiederholung oder Neuauflage verdient.

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