Filmdoku "Landretter"

Wenn „Landräuber" im großen Stil Agrarflächen aufkaufen - auch im Allgäu

Um den Aufkauf - und damit Ausverkauf - von Agraflächen geht es im Film "Landretter", den die Marktoberdorfer Filmburg nun, kombiniert mit einer Diskussion, zeigte.

Um den Aufkauf - und damit Ausverkauf - von Agraflächen geht es im Film "Landretter", den die Marktoberdorfer Filmburg nun, kombiniert mit einer Diskussion, zeigte.

Bild: Ralf Lienert

Um den Aufkauf - und damit Ausverkauf - von Agraflächen geht es im Film "Landretter", den die Marktoberdorfer Filmburg nun, kombiniert mit einer Diskussion, zeigte.

Bild: Ralf Lienert

Ein Kinofilm zeigt, welche Probleme es gibt, wenn Investoren große Agrarflächen aufkaufen. Wie Ostallgäuer Landwirte darüber mit einer Politikerin diskutieren.
07.07.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Einen besseren Beleg für die Relevanz der Kultur gerade in diesen Zeiten hätte es kaum geben können: Die Marktoberdorfer Filmburg präsentierte den Dokumentarfilm „Landretter“ zur bundesweiten Premiere und hatte mit Maria Heubuch eine der im Film porträtierten Personen zu Gast. Nach der Vorführung entspann sich eine lebhafte Diskussion, die zeigte, dass das von ihr bekämpfte Problem der Landkonzentration auch im Allgäu existiert. Im Kinopublikum saßen zwei Landwirte, die von entsprechenden Erfahrungen berichteten.

Die EU-Politikerin stieß eine Initiative gegen das "Landgrabbing" an

Die Dokumentarfilmerin Gesa Hollerbach beschäftigt sich in ihrem aktuellen Werk mit unterschiedlichen ländlichen Regionen, die derzeit vor großen Herausforderungen stehen und mit Menschen, die diese anpacken. Im Zuge ihrer Recherchen stieß sie auf Maria Heubuch, eine Bäuerin aus Leutkirch, die von 2014 bis 2019 für die Grünen im Europaparlament saß und eine Initiative gegen das „Landgrabbing“, also den Aufkauf von Agrarflächen durch Investoren, anstieß.

„Agrarpolitik wird ja nicht vor Ort gemacht“, sagte Maria Heubuch in der Diskussionsrunde in der Filmburg, „der Rahmen kommt aus Brüssel“. Die Bedingungen, unter denen landwirtschaftlich nutzbare Flächen ver- und gekauft werden dürfen, regelt aber jedes EU-Land selbst. Die EU-Kommission hat dazu inzwischen eine Leitlinie erlassen, es müsste nun auf nationaler Ebene weiter daran gearbeitet werden.

Zum Thema „Landretter“ hatte Monika Schubert (links) Filmprotagonistin Maria Heubuch in der Filmburg in Marktoberdorf zu Gast.
Zum Thema „Landretter“ hatte Monika Schubert (links) Filmprotagonistin Maria Heubuch in der Filmburg in Marktoberdorf zu Gast.
Bild: Barbara Kettl-Römer

Allerdings passiere das in Deutschland nicht, weil dieses Thema in die Zuständigkeit der Bundesländer falle, „und da kriegen wir leider keine Einigkeit her“, bedauerte die ehemalige EU-Abgeordnete.

Wenn ein Investor plötzlich Pferde und Ziegen hat und sich als Bauer präsentiert

Grundsätzlich haben Landwirte zwar ein Vorkaufsrecht, wenn es um landwirtschaftliche Flächen geht. Zwei Landwirte aus dem Publikum berichteten aber, dass das praktisch oft nicht funktioniert, weil sie entweder zehn Prozent mehr als das höchste Gebot zahlen müssten, was mehr ist, als sie leisten könnten. Oder weil ein anderer, solventer Kaufinteressent plötzlich auch Pferde und Ziegen habe, sich als Landwirt präsentiere und damit durchkomme. Der Ausverkauf des Landes an Unternehmen und private Investoren sei eine reale Gefahr, sagte Maria Heubuch, aber das Thema sei in der Bevölkerung – noch – nicht sehr präsent.

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Die beiden anderen im Film mit ruhigen Bildern und langen Schnitten dokumentierten Initiativen beschäftigen sich mit völlig anderen Themen: Bürgermeisterin Karin Berndt wurde im sächsischen Städtchen Seifhennersdorf zur „Landretterin“, als sie sich hinter eine Bürgerinitiative stellte, die für den Erhalt der örtlichen Schule kämpfte. Am Ende eines zähen Ringens kippte das Bundesverfassungsgericht Teile des sächsischen Schulgesetzes, Seifhennersdorf durfte seine Schule behalten.

Wie ein Wirt und ein Astronom gemeinsam gegen die Lichtverschmutzung kämpfen

Noch nicht entschieden ist dagegen die Frage, ob das Dörfchen Großmugl nachts so dunkel bleiben kann wie bisher. Im Kampf gegen die Lichtverschmutzung im Großraum Wien haben sich der örtliche Wirt und ein Astronom zusammengetan, um das Hallstatt-Hügelgrab von Großmugl und den Sternenhimmel darüber als UNESCO-Weltkulturerbe schützen zu lassen. – Eine Landretter-Allianz mit einem ebenfalls aktuellen Thema und einer liebenswert skurrilen Note.