Wer soll den Kanzler machen? Das sagen Marktoberdorfer Stadträte

Wer von diesen beiden Herren ist künftig Bundeskanzler der Bundesrepublik? In Marktoberdorf gehen die Meinungen darüber auseinander.

Wer von diesen beiden Herren ist künftig Bundeskanzler der Bundesrepublik? In Marktoberdorf gehen die Meinungen darüber auseinander.

Bild: Arne Dedert, dpa (Symbolfoto)

Wer von diesen beiden Herren ist künftig Bundeskanzler der Bundesrepublik? In Marktoberdorf gehen die Meinungen darüber auseinander.

Bild: Arne Dedert, dpa (Symbolfoto)

Marktoberdorfer Bürgermeister und Stadträte von SPD, CSU und Grünen sprechen über den Wahlausgang und sagen, wie sie sich eine neue Bundesregierung vorstellen.
27.09.2021 | Stand: 17:24 Uhr

Etwas verwundert reiben sich auch an Tag zwei nach der Wahl zum Deutschen Bundestag in Marktoberdorf die Menschen noch die Augen – und rätseln angesichts des recht unentschiedenen Ausgangs, wer nun der neue deutsche Bundeskanzler wird. Das tun auch die Spitzenpolitiker von CSU, SPD und Grünen im Marktoberdorfer Stadtrat. Trotz unterschiedlicher parteipolitischer Präferenzen fallen ihre Analysen aber recht differenziert aus.

Geht man nach Zweitem Bürgermeister Wolfgang Hannig, selbst überzeugter Sozialdemokrat, läuft jetzt alles auf einen SPD-Kanzler hinaus. „Meines Erachtens sollte es der Olaf Scholz sein. Die SPD hat – so knapp es auch ist – die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Außerdem haben CDU und CSU ja brachial an Stimmen verloren!“

Ist Olaf Scholz der routiniertere Kandidat?

Aber auch persönlich ist ihm Scholz am liebsten: Dieser sei am routiniertesten und habe zudem im politischen Berlin gute Verbindungen. „Sein Können und seine Erfahrung sprechen für ihn. Außerdem ist er besonnen und nicht so ein Haudrauf wie andere Politiker“, findet Hannig. „Ich stelle mir immer die Frage, wen ich mir bei einem Termin mit Putin am besten vorstellen kann.“ Und da tue er sich bei Laschet „oder gar Baerbock“ schwerer als bei Scholz.

Hannig findet auch, dass die SPD diesmal voller Überzeugung hinter ihrem Kanzlerkandidaten steht – im Gegensatz etwa zur Union: CSU-Chef Söder habe Laschet die Kanzlerkandidatur „immer geneidet“. Zudem habe die CSU vor der Wahl stets betont, wenn die Union weniger als 30 Prozent der Stimmen hole und Laschet nicht als Erster durchs Ziel gehe, komme er als Kanzler nicht mehr in Frage. Insofern bezweifelt Hannig ernsthaft, dass die CDU/CSU „ihren“ Kandidaten überhaupt machen ließe.

Marktoberdorfer Bürgermeister: "Es geht um unser Land"

Marktoberdorfs CSU-Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, der mit Hannig eine Art GroKo im Rathaus bildet, gibt dagegen gar keine Empfehlung für einen Kandidaten ab. Er sagt nur: „Die Koalitionsverhandlungen werden hoffentlich zeigen, wer von beiden es besser kann, die anderen zum Wohl unseres Landes mitzunehmen.“ Denn Hell geht es, wie er sagt, „nicht um Personen, sondern um unser Land“.

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Auch die Bürger interessierten die Sachfragen, nicht die Parteien. Die hohe Wahlbeteiligung (siehe auch Infokasten) zeige, dass der deutschen Bevölkerung das Schicksal des Landes am Herzen liege. Allerdings hätten sich viele Wählerinnen und Wähler nicht in den „Wahlprogramm-Paketen“ der Parteien wiedergefunden – vor allem bei den Themen Klimaschutz, Migration und innere Sicherheit. „Wir brauchen da dringend eine direkte Entscheidungsmöglichkeit durch die Bürger selbst, z. B. in Volksabstimmungen nach dem Schweizer Modell“, findet Hell.

Marktoberdorfer Grünen-Fraktionschef enttäuscht

Grünen-Fraktionschef Georg Martin interpretiert die Wahl dagegen dahingehend, „dass die Mehrzahl der deutschen Bürgerinnen und Bürger leider keine großartige Veränderung der Politik wünscht – sondern nur, dass es ein wenig mehr sozialer und ein wenig mehr grüner wird“. Darüber ist Martin enttäuscht.

Die Union sei aber mit ihrem Personal und Politikstil schon ein bisschen abgestraft worden, betont er. „Und für den gewünschten Neuanfang bieten SPD, Grüne und FDP die beste Chance.“ Martin selbst ist zudem Scholz, obwohl beileibe „nicht sein Wunschkandidat“, lieber als Laschet.

Wie haben die Marktoberdorfer bei der Bundestagswahl 2021 gewählt?

  • Die CSU hat entgegen dem Unionstrend in Marktoberdorf mit 30,1 Prozent der Zweitstimmen klar die Nase vorn, gefolgt von der SPD (17,7) und den Grünen (12,6).
  • CSU-Hochburgen: Besonders schwarz wurde in Sulzschneid gewählt (40,2 Prozent). Damit ist die CSU dort noch stärker als in der schwärzesten Umlandgemeinde (Stötten: 39,3 %) oder in Geisenried (38,0).
  • Die Grünen schnitten in Thalhofen (18,5 Prozent) am besten ab, gefolgt von Rieder u. Leuterschach (15 %).
  • Auch die SPD erzielte in Thalhofen ihr bestes Ergebnis (16,9 Prozent), vor Bertoldshofen (15,5 Prozent).
  • Gewinner Nr. 1 ist aber die Wahlbeteiligung: 10 966 von 13 582 Wahlberechtigten haben gewählt. Das sind 80,7 Prozent, noch mehr als 2017 (79,5 %). „In allen Bezirken war die Wahlbeteiligung bei uns sehr hoch, sagt Stadt-Sprecher Martin Vogler.
  • Briefwahl machten 48,1 Prozent der Wahlberechtigten, ins Wahllokal gingen 32,6 Prozent. Bezogen auf alle, die wählten, lag die Rekordzahl der Briefwähler (6535) damit bei rund 60 Prozent. Vogler: „Überall in der Stadt gab es sehr viel Briefwahl.“
  • Über 200 Briefwahlunterlagen wurden nicht abgeholt, nicht pünktlich oder gar nicht abgegeben. Das kam vor, ebenso wie die Kuriosität, dass jemand noch um 18.30 Uhr wählen gehen wollte – als die Wahlhelfer „schon mitten drin“ beim Auszählen waren, wie Vogler erzählt. Wer zu spät kommt, habe aber Pech gehabt.
  • „Ausnahme ist, wenn es wie in der Stadt Berlin Schlangen gibt. Die, die vor 18 Uhr schon in der Schlange warteten, durften noch wählen.“

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