Für eine Welt ohne Hunger

Wie AGCO-Chef Martin Richenhagen und Entwicklungsminister Gerd Müller Afrika helfen wollen

Bundesentwicklungs-Minster Dr. Gerd Müller und AGCO-Chef Martin Richenhagen bei einem Empfang im Fendt-Forum Marktoberdorf.

Bundesentwicklungs-Minster Dr. Gerd Müller und AGCO-Chef Martin Richenhagen bei einem Empfang im Fendt-Forum Marktoberdorf.

Bild: Dirk Ambrosch

Bundesentwicklungs-Minster Dr. Gerd Müller und AGCO-Chef Martin Richenhagen bei einem Empfang im Fendt-Forum Marktoberdorf.

Bild: Dirk Ambrosch

AGCO-Chef Martin Richenhagen und Entwicklungsminister Gerd Müller sprechen über Afrika. Was dem wachsenden Kontinent helfen soll.
07.10.2020 | Stand: 13:22 Uhr

Den AGCO-Chef und den Bundesentwicklungsminister verbindet nicht erst seit Montagabend ein gemeinsames Thema: Afrika. Knapp zwei Jahre ist her, als Prof. Martin Richenhagen und Dr. Gerd Müller eine Vereinbarung über ein gemeinsames landwirtschaftliches Projekt für den Kontinent unterzeichneten. „Mit vereinten Kräften für eine Welt ohne Hunger“, ließen sich beide Parteien damals zitieren.

Und noch etwas eint die zwei Männer. Sie sind sozusagen auf Abschiedstour. Der eine (Richenhagen) gibt Ende des Jahres seinen Chefposten ab, der andere (Müller) will nächstes Jahr nicht mehr bei der Bundestagswahl antreten. Am Montag trafen sich die beiden in Marktoberdorf nochmals in ihren angestammten Positionen. Müller besichtigte zunächst mit Richenhagen das AGCO/Fendt-Werk, danach ein Empfang im Fendt-Forum.

Afrika als Herzensthema für Richenhagen und Müller

Afrika ist ein Kontinent, der dem Minister am Herzen liegt. Das zeigen schon seine Reisen. Über 40 Länder hat er in den vergangenen sieben Jahren als Minister in Afrika besucht. In seiner Rede sagte Müller, die Weltbevölkerung wachse um jedes Jahr um 80 Millionen Menschen. „Und die Frage stellt sich: Gewinnt der Storch, der die Babys bringt, oder gewinnt der Pflug?“ Heißt: Ist es möglich, so viele Lebensmittel zu produzieren, um diese 80 Millionen zusätzlich jedes Jahr ernähren? Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die landwirtschaftliche Produktion bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent gesteigert werden, sagte Müller. Dies müsse auch in Indien und Afrika geschehen. „Doch Afrika kann und wird Selbstversorger sein“, sagte Müller. Dafür brauche es intelligente Lösungen.

Der Landmaschinenhersteller AGCO legt ebenfalls einen Schwerpunkt auf Afrika. Nicht nur geschäftlich. Seit Jahren veranstaltet der Konzern einen Afrika-Gipfel. Richenhagen ist überzeugt, es reicht nicht, Maschinen für den afrikanischen Markt zu produzieren. „Man muss versuchen, die Ausbildung mitzuliefern und den Leuten zu erklären, wie man eigentlich moderne Landwirtschaft betreibt.“ Die AGCO-Initiative „Farm in a Box“könnte in Afrika ein Ansatz sein, Chancen für wirtschaftliches Wachstum in ländlichen Gegenden zu schaffen. Das Paket besteht aus einem Traktor, darauf abgestimmten Anbaugeräten und umfangreichen Zusatzleistungen wie Ersatzteile, Werkzeuge, Trainingsprogramme und fachliche Unterstützung, um einen nachhaltigen und effizienten Maschineneinsatz zu gewährleisten. Damit soll die landwirtschaftliche Technisierung in Afrika vorangetrieben werden.

Faire Lieferketten

Müller nannte einen aus seiner Sicht entscheidenden Faktor auf dem Weg zu einer Welt ohne Hunger: Fairness gegen Ausbeutung. „Wir müssen das Thema Lieferketten fair gestalten in der globalen Welt. Damit können wir die größten Entwicklungssprünge und auch die größten Erfolge gegen Hunger schaffen.“ Müller setzt sich ein für ein Lieferkettengesetz. Es soll sicherstellen, dass Produkte unter Arbeitsbedingungen hergestellt werden, die Menschenrechts-, Sozial- und Umwelt-standards entlang der gesamten globalen Lieferketten einhalten.

Und so wie Richenhagen auf Müllers Rede erwiderte, zeigte sich, dass beide eine ähnliche Sicht auf die Welt eint. Da sagte Richenhagen nämlich: „Die Lieferketteninitiative unterstützen wir nachdrücklich und gerne.“