Corona-Krise

Wie am Wochenende die Gottesdienste im Ostallgäu ablaufen sollen

Auch bei Gottesdiensten gelten künftig Abstandsregeln: In der Kirche St. Martin in Kaufbeuren haben Mesner Peter Rimkus (links) und Pfarrer Bernhard Waltner am Samstag die Kirchenbänke vermessen und über Regeln zum Ablauf beraten.

Auch bei Gottesdiensten gelten künftig Abstandsregeln: In der Kirche St. Martin in Kaufbeuren haben Mesner Peter Rimkus (links) und Pfarrer Bernhard Waltner am Samstag die Kirchenbänke vermessen und über Regeln zum Ablauf beraten.

Bild: Harald Langer

Auch bei Gottesdiensten gelten künftig Abstandsregeln: In der Kirche St. Martin in Kaufbeuren haben Mesner Peter Rimkus (links) und Pfarrer Bernhard Waltner am Samstag die Kirchenbänke vermessen und über Regeln zum Ablauf beraten.

Bild: Harald Langer

In den christlichen Gemeinden im Ostallgäu herrscht Vorfreude über die Wiederaufnahme der Gottesdienste in Corona-Zeiten. Welche Hürden genommen werden müssen.
07.05.2020 | Stand: 13:27 Uhr

Seit Montag dürfen in Bayern wieder Gottesdienste gefeiert werden. Eine Entscheidung, die auch die Christen im Ostallgäu freut, die Verantwortlichen aber vor enorme organisatorische Fragen stellt. Gilt es doch dabei, strikte Schutzkonzepte umzusetzen, die verhindern sollen, dass sich Gottesdienstbesucher mit dem Corona-Virus anstecken (siehe Info-Kasten). Nichtsdestotrotz starten ersten Pfarreien schon Anfang der Woche wieder mit ihrem Gottesdienstangebot.

Nachdem die bayerischen Bistümer und Evangelische Landeskirche mit dem Freistaat ein gemeinsames Schutzkonzept vereinbart haben, wurden die Ausführungsbestimmungen an die Pfarrgemeinden verschickt. Diese müssen nun jeweils entscheiden, wie sie etwa den vorgeschriebenen Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Gottesdienstbesuchern in ihren Kirchen gewährleisten. „Jede Pfarrei muss schauen, wie das läuft.“ Das könne nicht zentral geregelt werden, sagt Thomas Hatosch, Dekan des Dekanats Kaufbeuren, das die katholischen Pfarreien in Ostallgäu zwischen Biessenhofen und Lamerdingen sowie die der Wertachstadt umfasst. In der von ihm betreuten Pfarreiengemeinschaft Eggenthal bespricht er mit Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen die Lage.

Erfahrungen sammeln

Grundsätzlich böten die größeren Kirchen im zumeist ländlich geprägten Dekanat Kaufbeuren ausreichend Platz, um die Gottesdienstbesucher auch dann unterzubringen, wenn eine oder zwei Kirchenbänke zwischen den Gläubigen frei bleiben müssen. Der Dekan geht deshalb davon aus, dass in den meisten Pfarreien in seinem Zuständigkeitsbereich kein Voranmeldungssystem eingeführt werden muss, um etwa ein Gedränge an den Eingängen zu verhindern. „Das wird eher in den Städten ein Thema sein“, glaubt Hatosch. Bei den ersten Gottesdiensten gelte es jetzt, Erfahrungen beim Ablauf zu sammeln. „Aber das wird sich schnell einspielen“, ist der Geistliche zuversichtlich.

Die Vorgaben des Bistums für den Gottesdienstbesuch und auch die Anpassungen bei den liturgischen Abläufen, um die hygienischen Standards, beispielsweise bei der Kommunionausteilung, zu gewährleisten, seien „praktikabel“. Auch die maximale Dauer eines Gottesdienstes von 60 Minuten ist aus Sicht des Geistlichen kein Problem. Eine normale Sonntagsmesse ging schon vor Corona-Zeiten selten länger als eine Stunde. Einzig die Maskenpflicht in der Kirche werde die Messen stark beeinträchtigen. „Mit Mundschutz wird das Singen wohl auf ein ziemliches Minimum reduziert.“

Hatosch rechnet damit, dass in den meisten Pfarreien des Dekanats Kaufbeuren wohl erst am Wochenende der Gottesdienstbetrieb wieder starten wird. Es gibt jedoch auch einige Vorreiter, die die schon länger diskutierten Vorgaben für eine Wiederaufnahme der Messen offensichtlich bereits im Voraus umgesetzt hatten. So war in der Pfarrkirche St. Ulrich in Ebersbach am ersten freigegebenen Tag schon eine Abendmesse angekündigt. Doch ist man hier wieder zurückgerudert. Und so starten auch in der Pfarreiengemeinschaft Ronsberg-Ebersbach-Willofs die öffentlichen Gottesdienste nun voraussichtlich erst im Laufe der Woche. Weil unter anderem Spender für Desinfektionsmittel fehlen, soll in den Kirchenverwaltungen nun besprochen werden, wie in den drei Gemeinden weiter verfahren wird, berichtet Pater Karl Barton, der die Pfarreiengemeinschaft leitet.

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Unter besonderen Vorkehrungen finden in der Pfarreiengemeinschaft Seeg wieder Sonntagsmessen statt. Dabei ist die Kirche verpflichtet, die Gottesdienst so zu gestalten, dass die Gefahr der Ansteckung mit dem Corona-Virus maximal vermieden wird, teilt die Pfarreiengemeinschaft mit. Deshalb ist zum Beispiel nur eine begrenzte Teilnehmerzahl erlaubt. Die Sonntagsmessen werden zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich (Samstag 19.15 Uhr und Sonntag 9 Uhr) und in der Wallfahrtskirche Maria-Hilf (Sonntag 10.30 Uhr und 19.15 Uhr) gefeiert. In Seeg stehen 60 Plätze und in Maria-Hilf 40 zur Verfügung.

Folgende Hygienevorgaben und Maßnahmen zum Infektionsschutz sind einzuhalten: Die Teilnahme von Personen mit Fieber, Atemwegserkrankungen oder Infektionen mit dem Coronavirus ist nicht zulässig. Ebenso dürfen keine Personen teilnehmen, die vom Gesundheitsamt als Kontaktperson der Kategorie I oder Kategorie II eingestuft wurden. Während des Gottesdienstes müssen die Teilnehmer Mund-Nasen-Abdeckungen tragen und einen Abstand von zwei Metern einhalten. Die Plätze in den Kirchen sind gekennzeichnet.

Der Gemeindegesang wird in reduzierter Form vollzogen. Dazu muss das eigene Gotteslob mitgebracht werden.

Nur mit Anmeldung

Die Teilnahme an den Gottesdiensten ist nur durch vorherige Anmeldung im Pfarrbüro in Seeg von Dienstag bis Freitag jeweils von 9 bis 12 Uhr unter Telefon 08364/272 oder per E-Mail an pg.seeg@bistum-augsburg.de (bis Freitag 12 Uhr) möglich. Wer nicht angemeldet ist, wird nicht eingelassen.

Die Kirchen öffnen 30 Minuten vor Gottesdienstbeginn. Die Gläubigen werden gebeten, rechtzeitig zu kommen, da der Eintritt durch Ordner unter Wahrung der Abstandsregeln geregelt wird und daher einige Zeit in Anspruch nimmt. In beiden Kirchen ist der Zugang nur über das Nordportal möglich.

„Die derzeitige Regelung der Sonntagsmessen gilt zunächst für das Wochenende 9./10. Mai und kann gegebenenfalls nach Bedarf angepasst werden“, betont Pfarrer Wolfgang Schnabel, der die schrittweise Öffnung der Sonntagsgottesdienste trotz des logistischen Aufwands und mancher Einschränkung begrüßt. Die Werktagsmessen werden vorerst noch ohne Öffentlichkeit gefeiert.