Es geht ans Aufforsten

Schäden werden erst jetzt deutlich: Wie der Sturm bei Marktoberdorf gewütet hat

Sulzschneider Wald

Eine Schneise der Verwüstung hat das Unwetter vor wenigen Wochen im Sulzschneider Wald bei Marktoberdorf hinterlassen.

Bild: Bayerische Staatsforsten

Eine Schneise der Verwüstung hat das Unwetter vor wenigen Wochen im Sulzschneider Wald bei Marktoberdorf hinterlassen.

Bild: Bayerische Staatsforsten

Ein gewaltiger Sturm ist Ende Juli über Marktoberorf gezogen. Die Folgen im Sulzschneider Wald werden erst jetzt deutlich. Doch die Schäden bieten auch Chancen.
18.08.2021 | Stand: 12:30 Uhr

2021 ist schon jetzt ein Jahr der Wetterextreme, von denen auch der Sulzschneider Wald bei Marktoberdorf nicht verschont bleibt. In der zweiten Julihälfte zogen gleich mehrere, sehr heftige Unwetter über das Allgäu. Am 25. Juli hinterließen Gewittersturmböen und golfballgroße Hagelkörner in Kombination mit enormen Regenmengen eine Schneise der Verwüstung. Doch selbst in diesen massiven Schäden steckt eine Chance, teilen die Bayerischen Staatsforsten mit: Die geschädigten Bereiche sollen mit klimastabilen Baumarten wieder aufgeforstet werden, der Waldumbau vorangetrieben werden.

Auch die umliegenden Wälder blieben von den Unwettern nicht verschont. Die Aufarbeitung dieser Sturmschäden beschert den Förstern und Waldarbeitern des Forstbetriebs Sonthofen der Bayerischen Staatsforsten noch für einige Zeit reichlich Arbeit.

Reichlich Arbeit im Wald bei Marktoberdorf

Revierleiter Johannes Nachbar, der den Staatswald im Sulzschneider Wald pflegt, zieht eine erste Bilanz: „Wir gehen momentan von einer Sturmholzmenge von 1.000 bis 1.500 Kubikmetern allein im Staatswald aus. Allerdings sind Schätzungen bei Sturmereignissen immer schwierig. Es wird noch etwas dauern, bis wir den gesamten Schaden beziffern können.“

Oberste Priorität hat für den Förster immer die Sicherheit, sowohl für Spaziergänger und Wanderer als auch für die Waldarbeiter. Die meisten Waldwege sind mittlerweile wieder begehbar. Derzeit beginnt die Aufarbeitung der geschädigten Bäume mit passendem Gerät. Dies muss mit großer Sorgfalt geschehen, denn durch die hohen Niederschläge der vergangenen Wochen sind die empfindlichen Böden nur bedingt tragfähig. Daher kommen spezielle Maschinen mit Raupenbändern zum Einsatz. „Der Schutz des Waldbodens als Grundlage für das Waldwachstum ist eine essenzielle Anforderung einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Deshalb werden solche bodenschonenden Forstmaschinen eingesetzt. Wir sind auf diese Technik aber auch aus Sicherheitsgründen angewiesen“, sagt Förster Nachbar. „Vom Wind verkeilte und angeschobene Bäume stehen unter starker Spannung und können für mit Motorsägen tätige Waldarbeiter zur lebensgefährlichen Falle werden.“

Auf Borkenkäfer achten

Aber auch das Ziel, den Borkenkäfer erfolgreich zu bekämpfen, dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Zwar hat das kühle und regnerische Wetter der vergangenen Wochen die Vermehrung und den Flug des Schädlings gebremst. Dennoch müssen die Fachleute der Staatsforsten weiter achtsam sein, damit es nicht zu noch mehr Schäden kommt.

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Sturmschäden sind für den Wald auch eine Chance

„Entscheidend für eine erfolgreiche Borkenkäferbekämpfung ist es, zunächst die einzelnen, übers ganze Revier verteilten Bäume aus dem Wald zu schaffen – und erst dann die größeren Flächen in Angriff zu nehmen“, erklärt Jann Oetting, Staatsforsten-Chef in Sonthofen, zu dessen Forstbetrieb auch das Revier Sulzschneider Wald gehört. „Arbeiten wir diese zu spät auf, bieten wir dem Borkenkäfer Brutstätten, aus denen er sich dann im ganzen Wald verteilen kann.“

Es geht um die Sicherheit der Fußgänger

Revierleiter Nachbar schätzt, dass die Aufräumarbeiten noch drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen werden. Noch hängen gebrochene Äste und Wipfel zum Teil nicht sichtbar in Baumkronen und können jederzeit herunterfallen. Der Forstbetrieb Sonthofen empfiehlt daher, die geschädigten Wälder noch nicht zu betreten und Absperrungen unbedingt zu beachten.

„Nach Abschluss der Aufräumarbeiten werden wir die geschädigten Bereiche mit klimastabilen Baumarten wieder aufforsten“, kündigt Forstbetriebsleiter Oetting an. „Wir wollen die Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen: Wir nutzen auch ungeplante Ereignisse, um den Waldumbau hin zu einem klimastabileren Zukunftswald schneller voranzutreiben. Und werden Bäume pflanzen, die bei sich ändernden Klimabedingungen hoffentlich bestehen können.“