Pandemie

Wie groß ist die Corona-Gefahr beim Zahnarzt? Der Ostallgäuer Obmann antwortet

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Nicht erst kommen, wenn gebohrt werden muss: Auch Prophylaxe-Maßnahmen sollten Patienten nicht zu lange aufschieben. Die Gefahr, sich dabei mit dem Coronavirus zu infizieren, sei verschwindend gering.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Nicht erst kommen, wenn gebohrt werden muss: Auch Prophylaxe-Maßnahmen sollten Patienten nicht zu lange aufschieben. Die Gefahr, sich dabei mit dem Coronavirus zu infizieren, sei verschwindend gering.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Schon vor Corona galten in Zahnarztpraxen strenge Vorschriften. Und doch arbeiten die Ärzte dicht am Gesicht der Patienten. Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

09.06.2020 | Stand: 12:10 Uhr

Es gibt keinen Grund, eine zahnärztliche Behandlung jetzt aufzuschieben, sagt Dr. Dr. Veit Zimmermann, Obmann für Kaufbeuren, Marktoberdorf und Buchloe im Zahnärztlichen Bezirksverband (ZBV) Schwaben: „Unsere Praxen sind geöffnet, behandlungsbereit und erfüllen alle Hygienevorschriften.“ Trotzdem seien im März und April deutlich weniger Patienten als üblich in seine Kaufbeurer Praxis gekommen. „Viele waren verunsichert und haben aus Sorge vor einer Corona-Infektion Termine abgesagt“, so der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg.

Natürlich arbeiteten er und seine Kollegen, wie auch HNO-Ärzte am „Hotspot“, wie Zimmermann es nennt – dort, wo sich Bakterien und Viren im Körper meist zuerst einnisten: im Mund- und Rachenbereich. Das könne aber, wenn überhaupt, nur für den behandelnden Arzt zur Gefahr werden, nicht für den Patienten. Doch bei der zahnärztlichen Behandlung gelten in Deutschland schon immer hohe Hygienestandards. Sie sollen den Patienten, aber auch das Praxispersonals vor Infektionen schützen – und tun das auch.

Seit die strengen Corona-Auflagen in vielen Bereichen gelockert wurden, sei auch der Alltag in der Zahnarztpraxis wieder in Schwung gekommen, sagt Zimmermann. Noch immer sei aber eine Verunsicherung bei den Patienten zu spüren: „Viele rufen an, ob sie in die Praxis kommen sollen oder nicht.“ Nur bei Krankheitsgefühl, etwa verbunden mit Fieber, bittet Zimmermann die Patienten, besser zunächst zu Hause zu bleiben und einen neuen Termin auszumachen, wenn sie wieder gesund sind.

Pünktlich in die Praxis kommen

Ansonsten sollten vereinbarte Termine unbedingt pünktlich wahrgenommen werden, damit es in der Praxis nicht zu langen Wartezeiten kommt. „Wegen der geltenden Abstandsregelung mussten wir einige Stühle aus dem Wartezimmer entfernen“, erklärt Zimmermann. Notfalls müssten Patienten gebeten werden, vor der Tür zu warten, wenn sich sonst zu viele Personen im Wartebereich aufhalten würden.

Vor allem bereits begonnene Behandlungen und notwendige Prophylaxe-Maßnahmen sollten unbedingt fortgeführt und mit Blick auf die eigene Mundgesundheit nicht auf die lange Bank geschoben werden. Auch eine professionelle Zahnreinigung sei nicht, wie manche meinen, nur eine kosmetische Maßnahme, sondern könne medizinisch indiziert sein, da sonst Entzündungen im Mund entstehen können. Gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen könne das schnell weitere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen.

Kontrolle ist besser

Geplante Kontrolltermine sollten unbedingt wahrgenommen werden – auch wenn keine Beschwerden da sind. Zahnmedizinische Erkrankungen, zum Beispiel Entzündungen, können sich nämlich negativ auf den gesamten Körper auswirken.

Zum Schutz der Mitarbeiter sollen derzeit bei den Behandlungen feine Tröpfchen vermieden werden, die Viren aus dem Mund des Patienten in die Luft schleudern könnten. Bei der Arbeit mit schnell rotierenden zahnmedizinischen Geräten entstehen solche Aerosole. Durch den Einsatz anderer Geräte, zum Beispiel langsamerer Bohrer, lasse sich das minimieren. Die Behandlung mit ständigem Absaugen dauere dann allerdings etwas länger. „Zudem tragen unsere Mitarbeiter nicht nur Handschuhe und Mund-Nasen-Maske, sondern auch Schutzbrillen“, sagt Zimmermann. Das sei auch vor Corona schon Standard gewesen.