Jazzcamp

Wie Jazz vom Feinsten in Marktoberdorf die Zuhörer fasziniert

Das Jazzquartett aus Budapest zeigte in der Filmburg beim Jazzcamp virtuose musikalische Erzählkunst.

Das Jazzquartett aus Budapest zeigte in der Filmburg beim Jazzcamp virtuose musikalische Erzählkunst.

Bild: Gabriele Schroth

Das Jazzquartett aus Budapest zeigte in der Filmburg beim Jazzcamp virtuose musikalische Erzählkunst.

Bild: Gabriele Schroth

Das ungarische Bálazs Bágyi New Quartet Budapest sorgt in der Filmburg von Marktoberdorf für Furore. Was die vier Musiker so einzigartig macht.
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Von Gabriele Schroth
03.11.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Mit dem ungarischen Bálazs Bágyi New Quartet Budapest bot das 12. Jazzcamp zum Abschluss einen grandiosen internationalen Ausblick. Der 48-jährige Schlagzeuger Bágyi ist kein Unbekannter hierzulande. Bereits 2013 und 2019 gastierte er im Mobilé mit dem überragenden Eastern Boundary Quartet. Jetzt brachte er sein eigenes Quartett in die Filmburg nach Marktoberdorf. Mit eigenen Stücken des Bandleiters und faszinierender Spielkunst sorgten die vier Künstler aus Budapest für Furore.

Publikum in Marktoberdorf muss sich einhören

Das große Kennerpublikum musste sich erst einmal einhören in die virtuose Erzählkunst dieses Jazzquartetts mit ihrem jähen Umschlag von träumerischer Elegie in eine kühl jagende Moderne. Die vier Solisten stehen in der reichen ungarischen Musiktradition aus tänzerischer Folklore, moderner Klassik und Jazz. Am Altsaxophon als einzigem Melodieinstrument entwarf Soso Lakatos einen riesigen Ausdrucksbogen zwischen schrillen rasenden Figuren, zärtlichem Singsang und sanfter Melancholie. Die Rhythmusgruppe agierte auch eigenständig als meisterlich farbenreiches Trio. Bálazs Bágyi beherrscht sämtliche Feinheiten der Drumkunst. Er setzt seine Schläge mit absolut scharfer Präzision. Dabei erscheint er als virtuoser Klangästhet, der nicht nur den Rhythmus vorgibt, sondern mit Besen und Sticks auch selbst melodische Geschichten erzählt.

Virtuose Kunst am Kontrabass beim Konzert in Marktoberdorf

Für den hinreißend pulsierenden Herzschlag des Quartetts sorgte Peter Olah am Kontrabass. Er schien sein wuchtiges Instrument beim Spielen zu umarmen und erregte Staunen mit seinen wunderbar raunenden Sologeschichten. Als Meister entpuppte sich auch Pianist Dezso Olah, der am Flügel mit virtuosen Läufen, donnernden Akkorden und aufblühenden Fiorituren eine verschwenderische, klassisch angehauchte Klangfülle entwarf. Mit solchen Solisten konnte Bandleiter Bálazs Bágyi nicht nur eigene Titel wie „Tricky Juice“ oder „Lyric Song“ spielen. Er führte auch seine neuesten Jazzversionen zu legendären Pianostücken des jungen Franzosen Erik Satie von 1888 und 1890 auf.

Mit ihrer minimalistischen Strenge und melodischen Trance entfalteten diese Stücke von seiner jüngsten CD „Satie in Jazz“ einen herzerwärmenden Sog. Das Publikum wollte das ungarische Quartett nach zwei Stunden kaum ziehen lassen.