"Millione G'schichte"

Wie Werner Specht mit seinen Liedern das Publikum in Marktoberdorf in seinen Bann zieht

Werner Specht

„Liederstraße“ heißt das Programm, mit dem Werner Specht und Band in der Filmburg Marktoberdorf zu Gast waren. Auf der großen Leinwand waren einige seiner Bilder zu sehen.

Bild: Klaus Thiel

„Liederstraße“ heißt das Programm, mit dem Werner Specht und Band in der Filmburg Marktoberdorf zu Gast waren. Auf der großen Leinwand waren einige seiner Bilder zu sehen.

Bild: Klaus Thiel

Liedermacher Werner Specht hält die kleinen Augenblicke des Lebens fest. Wegen großer Nachfrage gibt er in Marktoberdorf ein Doppelkonzert. Wie er begeistert.
06.07.2021 | Stand: 14:00 Uhr

„Millione G’schichte“ war eine von drei stürmisch geforderten Zugaben am Ende eines Doppelkonzerts in der Filmburg von Werner Specht und der Gruppe Westwind. Der 79-jährige Specht ist Maler und Liedermacher, um nur zwei von seinen Berufen zu nennen, und er ist von einer sprachlos machenden Ausstrahlungskraft. Jeder Mensch hat seine eigenen Geschichten, erzählt und singt er und hält die Akkordzither an seiner Brust, als wäre sie ein Stück seiner Seele.

Specht sagt: "Man soll das Leben so leben, als wäre jeder Tag der letzte"

„Liederstraße“ heißt sein neues Programm, das sich als Geschichtenbuch in Noten darstellt und symbolhaft in eine Straße des Lebens mündet. Man soll das Leben so leben, als wäre jeder Tag der letzte Tag, lautet eine seiner Kernaussagen. Kongenial unterstützt wird er von den „vielsaitigen“ Musikern Dieter Peinecke, Peter Zürn (der hat auch ein Akkordeon dabei) und Moritz Rädler (plus Trompete). Das aktuelle Quartett demonstriert eine exzellente Beherrschung der Instrumente, präsentiert sich als eingespieltes Ganzes und zelebriert Livemusik vom Feinsten.

Werner Specht ist Liedermacher und Maler.
Werner Specht ist Liedermacher und Maler.
Bild: Anna Specht

Die Chefin der Filmburg, Monika Schubert, zeigte sich hoch erfreut über das Ende der durch Corona erzwungenen künstlerischen Pause, in der ein einzelner Musiker vielleicht „am Fuße des Grünten übt mit einem Murmeltier als Zuhörer. Bands gehören auf die Bühne“, so ihre erfrischende Begrüßung.

Auf der Leinwand werden Gemälde gezeigt, die Specht gemalt hat

Die Doppelveranstaltung war auf Grund der großen Nachfrage als notwendig erachtet worden. Die Begeisterung des Publikums über das Gehörte und Gesehene war ungeteilt. So wurde auch der optisch ansprechende Kniff unisono gewürdigt, die Aussagen der Lieder durch die Präsentation von Gemälden Spechts auf der Kino-Großleinwand zu verstärken.

Specht und Ensemble zaubern Klangwelten in das Auditorium des Programmkinos, geben den Zuhörerinnen und Zuhörern keine Möglichkeit des Entkommens, halten sie im positiven Sinn gefangen in einer Welt, die ja auch die ihre ist. Es ist der kloane Augablick – so flüchtig wie der Wind –, der die große Welt verdrängt. Die Texte sind durchgängig in kernigem Westallgäuer Dialekt gekleidet und verringern zusätzlich eine mögliche Distanz.

Schwermut gepaart mit Lebensfreude

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