Drogenkriminalität

Wieder mit Marihuana gedealt: 19-Jähriger soll in Jugendhaft

Nicht leicht gemacht hat sich die Vorsitzende Richterin in Kaufbeuren das Urteil in einem Betäubungsmittelprozess gegen einen 19-Jährigen. Nun soll dieser aber in Jugendhaft.

Nicht leicht gemacht hat sich die Vorsitzende Richterin in Kaufbeuren das Urteil in einem Betäubungsmittelprozess gegen einen 19-Jährigen. Nun soll dieser aber in Jugendhaft.

Bild: Kaya

Nicht leicht gemacht hat sich die Vorsitzende Richterin in Kaufbeuren das Urteil in einem Betäubungsmittelprozess gegen einen 19-Jährigen. Nun soll dieser aber in Jugendhaft.

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Ostallgäuer steht Bewährung nicht durch und wird wegen weiterer Drogendelikte zu 15 Monaten Jugendhaft verurteilt. Warum von einem "Trauerspiel" die Rede ist.
05.12.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Der Bewährungsverlauf eines heute 19-Jährigen war nach Einschätzung des Staatsanwalts „ein einziges Trauerspiel“: In einem Betäubungsmittelprozess vor dem Jugendschöffengericht in Kaufbeuren wurde deutlich, dass der mehrfach und auch einschlägig vorbestrafte Angeklagte nach einer Verurteilung im Januar 2019 wiederholt gegen seine Auflagen verstoßen hatte. Vergangenen Monat wurde deshalb die Bewährung widerrufen. Zur anstehenden Jugendhaft von elf Monaten kommt nun die Strafe aus dem aktuellen Prozess.

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte Anfang des Jahres eine kleine Menge Marihuana an einen Freund abgegeben und einige Wochen vorher fünf Gramm der Droge in seinem Besitz gehabt. Er wurde unter Einbeziehung der elf Monate zu einer Jugendhaftstrafe von 15 Monaten verurteilt. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

Der 19-Jährige, dessen Strafregister bereits fünf Eintragungen aufweist, war im Februar erneut ins Visier der Ermittler geraten. Damals saß er mit einem Freund auf einer Bank, als eine Polizeistreife im Vorbeifahren Verdächtiges bemerkte. Wie sich eine Beamtin als Zeugin erinnerte, habe einer der beiden jungen Männer einen Gegenstand weggeworfen, der sich als Joint entpuppte.

In einer Packung Papiertaschentücher versteckt

Bei dem Verdächtigen handelte es sich um einen Freund des jetzigen Angeklagten. Bei ihm fanden die Beamten dann auch zwei kleine Marihuana-Tütchen, die jeweils in einer Packung Papier-Taschentücher versteckt waren. Die Frage nach der Menge beantwortete dann nicht er, sondern der jetzige Angeklagte, der zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht als Beschuldigter belehrt worden war. Laut seinen damaligen Angaben handelte es sich um 1,3 Gramm, die von ihm stammten.

Vor Gericht äußerte er sich jetzt nicht zur Sache. Sein Verteidiger hielt die damaligen Angaben wegen der fehlenden Belehrung für nicht verwertbar. Der Staatsanwalt sah dies anders und verwies im Plädoyer sinngemäß darauf, dass es zum Zeitpunkt der Äußerung noch keinen Verdacht gegen den Angeklagten gegeben habe und somit auch keine Pflicht zur Belehrung.

Ein "Lügenmärchen" als Zeugenaussage?

Das Verfahren gegen den Begleiter des Angeklagten wurde zwischenzeitlich eingestellt, sodass der 20-Jährige jetzt aussagen musste. Er wirkte äußerst widerwillig und berief sich zunächst auf Erinnerungslücken. Als ihm der Vorsitzende mit Beugehaft drohte, lieferte er eine Aussage ab, die den Angeklagten offenbar entlasten sollte, aber in sich völlig widersprüchlich war. Nachdem er trotz wiederholter Belehrung zu keinen Korrekturen bereit war, wurde er vereidigt. Der Staatsanwalt machte im Plädoyer kein Hehl daraus, dass er die Angaben des Zeugen für „Lügenmärchen“ hielt und kündigte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Meineids an.

Der Zeuge war auch in den zweiten mutmaßlichen Tatkomplex verwickelt: Die Polizei hatte auf dem Handy des jungen Mannes einen Chat entdeckt, in dem er sich beim Angeklagten erkundigte, ob er „noch etwas habe.“ Die Antwort kam prompt und lautete: „Ja, was brauchst Du?“ Daraufhin wurden fünf Gramm genannt und ein Übergabe-Ort ausgemacht.

Warum auch Freisprüche im Raum standen

Weil der Angeklagte seinen Spezl dann offenbar versetzte, ließ sich zwar der ursprüngliche Anklagevorwurf der unerlaubten Veräußerung von Betäubungsmitteln nicht halten. Der Staatsanwalt war allerdings aufgrund der detaillierten Absprache davon überzeugt, dass der Angeklagte die gewünschte Menge in seinem Besitz hatte und beantragte einen entsprechenden Schuldspruch.

Das Gericht folgte dem im Urteil – auch wenn der Vorsitzende deutlich machte, dass man sich die Entscheidung „nicht leicht gemacht“ und aufgrund der juristischen Besonderheiten der beiden Anklagepunkte auch jeweils über einen Freispruch diskutiert habe.