Renaturierung

Witzelgraben: Die Natur erhält in Aitrang den Bach zurück

Gennach Renaturierung

Der Witzelgraben in Aitrang spült immer mehr landwirtschaftliche Fläche weg. Er soll deshalb verlegt und renaturiert werden.

Bild: Rainer Plieninger (Symbolbild)

Der Witzelgraben in Aitrang spült immer mehr landwirtschaftliche Fläche weg. Er soll deshalb verlegt und renaturiert werden.

Bild: Rainer Plieninger (Symbolbild)

Statt geradeaus bald wieder in Schlingen: Der Witzelgraben in Aitrang im Ostallgäu wird renaturiert. Wann der Startschuss für diese Bau-Maßnahme fällt.
14.09.2021 | Stand: 09:00 Uhr

Das Projekt Witzelgraben in der Gemeinde Aitrang ist baureif. Das hat das Kemptener Wasserwirtschaftsamt (WWA) bekräftigt. Daher könne mit der Renaturierung begonnen werden, obwohl mit dem Zuwendungsbescheid erst in einem halben Jahr zu rechnen sei. Das erklärte der Aitranger Bürgermeister Michael Hailand in der Sitzung des Gemeinderats.

Was das Projekt Witzelgraben in Aitrang vorsieht

Bei dem Projekt östlich des Aitranger Ortsteils Neuenried ist vorgesehen, den Bachlauf zu verlegen und den Bach zu renaturieren (wir berichteten ausführlich). Das bestehende Bachgerinne hat einen geradlinigen, ja geradezu monotonen Verlauf. Es ist strukturarm und weist keinen Gewässerrandstreifen auf. Mit Aufweitungen, Flachwasserbereichen und Verlängerung der Fließstrecke schafft die Kommune einen sogenannten Retentionsraum.

Von den Gesamtkosten von 226 000 Euro ist das meiste förderfähig. Beim aktuellen Satz von 90 Prozent muss die Gemeinde nur zehn Prozent Eigenanteil berappen, zuzüglich der nicht zuwendungsfähigen Kosten sowie Aufwendungen für ökologische Aufwertung der Flächen außerhalb des Bachlaufs durch Baumhecken und Feldgehölze. Vorerst geht es nur um die Leistungsphasen fünf bis sieben, die mit 6500 Euro Auftragssumme an das Ingenieurbüro Mühlegg & Weiskopf vergeben wurden.

Gemeinde Aitrang will auch beim Regenüberlaufbecken weiterkommen

Den Gemeinderat beschäftigten noch andere Wasser-Themen. Im Hinblick auf die Ertüchtigung des Regenüberlaufbeckens machte der Bürgermeister klar: „Wir müssen da weiterkommen.“ Die Kommune betreibt für ihr Mischwasser-Kanalsystem am Verbindungssammler Aitrang-Ruderatshofen dieses Überlaufbecken, das bei Starkregen den Sammler entlasten soll. Laut WWA muss nachgerüstet werden. Gefordert ist ein Siebrechen oder ein Grobstoffrückhalt, der bis Ende des Jahres eingebaut werden muss.

Kemptener Kommunalunternehmen: eines von drei Regenüberlaufbecken auf der Ludwigshöhe
Kemptener Kommunalunternehmen: eines von drei Regenüberlaufbecken auf der Ludwigshöhe
Bild: Ralf Lienert

Zwei Vorschläge von Fachplanern erschienen als zu teuer, auch technisch nicht geeignet. Ratsmitglied Theo Frey hatte in Dutzenden von E-Mails eine fachliche Lösung erreichen können. Eine sogenannte Kulissentauchwand soll die bisherige Betontauchwand ersetzen, die für diese Maßnahmen herausgesägt werden muss. Eine umfangreiche Arbeit.

Eine neue Kulissentauchwand soll nun so schnell wie möglich her

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Da die neue Wand an der Betondecke aufgehängt werden muss, soll zunächst ein Stahlträger für die nötige Statik sorgen. Und schnell gehen muss gehen: Mehr als zwei Tage lässt sich das ankommende Wasser nicht zurückhalten.

Eile ist bei der Bestellung der Kulissentauchwand geboten, da sie laut Frey nur mit einer Lieferzeit von rund zwölf Wochen zu bekommen sei. So beschloss das Gremium , das Teil für 19 400 Euro zu bestellen.

Was tun, wenn der eigene Teich gar keine wasserrechtliche Erlaubnis hat?

Was machen, wenn sich herausstellt, dass der Teich auf dem eigenen Grundstück keine wasserrechtliche Erlaubnis hat? Die jetzigen Eigentümer in Aitrang hatten eine 1975 errichtete Teichanlage 1987 erworben. Das WWA hatte nun festgestellt, „dass für den Teich eine Erlaubnis zur Ableitung von Wasser aus einem oberirdischen Fließgewässer und zur Wiedereinleitung des Teichwassers in den Höllweiherbach erforderlich ist“. Bedeutet für die Eigentümer: Künftig wird die Hälfte des aus dem Bach zulaufenden Wassers in den Teich geleitet. Die andere Hälfte soll einem trocken gefallenen Bachlauf zugutekommen.

Anschließend läuft das Wasser über einen kleinen Teich und eine Verrohrung zum Höllweiherbächle. Zu diesem Zweck soll ein Ableitbauwerk erstellt werden. Nach Aufforderung des Amtes an die Kommune auf Stellungnahme erteilte der Rat das gemeindliche Einvernehmen.

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