Schöffengericht Memmingen

Pflegekräfte nur für die Hälfte der vereinbarten Zeit organisiert - Bewährungsstrafe für Memminger Betreuer

Ein heute 87-Jähriger wollte unbedings zuhause gepflegt werden. Doch sein Betreuer konnte nur für die Hälfte der Zeit Pflegekräfte organisieren. Nun musste sich der Betreuer in Memmingen vor Gericht verantworten.

Ein heute 87-Jähriger wollte unbedings zuhause gepflegt werden. Doch sein Betreuer konnte nur für die Hälfte der Zeit Pflegekräfte organisieren. Nun musste sich der Betreuer in Memmingen vor Gericht verantworten.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Ein heute 87-Jähriger wollte unbedings zuhause gepflegt werden. Doch sein Betreuer konnte nur für die Hälfte der Zeit Pflegekräfte organisieren. Nun musste sich der Betreuer in Memmingen vor Gericht verantworten.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Ein Betreuer aus Memmingen verursachte einem heute 87-Jährigen einen Vermögensschaden von etwa 32.600 Euro. Dafür wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
23.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Als Berufsbetreuer sollte sich ein 58 Jahre alter Mann aus Memmingen um einen heute 87-Jährigen aus einer Nachbargemeinde kümmern. Doch innerhalb von zwei Jahren verursachte der Betreuer dem Senior einen Vermögensschaden von etwa 32.600 Euro. Zu diesem Ergebnis kam das Schöffengericht Memmingen und verurteilte den 58-Jährigen wegen Untreue zu neun Monaten Haft auf Bewährung.

Grund für den Schaden: Der Senior hatte mit dem Büro des Angeklagten vertraglich vereinbart, dass ihn eine Pflegekraft an maximal 42 Wochenstunden in seiner Wohnung betreut. Dafür wurden monatlich über 2.500 Euro von seinem Konto abgebucht. Der Angeklagte konnte von Mai 2016 bis Juli 2018 aber nur für etwa die Hälfte der festgelegten Zeit Pflegekräfte organisieren – durchschnittlich für 19 bis 24 Stunden pro Woche.

Verteidigerinnen stellen in Memmingen infrage, ob es überhaupt einen Geschädigten gibt

Die beiden Verteidigerinnen sagten in ihren Plädoyers, dass der 87-Jährige unbedingt zuhause gepflegt werden wollte – und der Angeklagte alles getan habe, um dies zu ermöglichen. Sie bezweifelten, dass es in diesem Fall überhaupt einen Geschädigten gebe und der Tatbestand der Untreue erfüllt sei. Das sah das Gericht anders: Es verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss er den entstandenen Schaden ersetzen und die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Lesen Sie auch: Nachspiel einer Verfolgungsjagd vor Gericht