Gratulation

100-Jährige feiert: Wie ein „roter Wollfaden“ durch das Leben

Einen Volltreffer landeten die Urenkel Benjamin (rechts) und Fabian bei ihrer Urgroßmutter Katharina Dausch. Sie schenkten neue Wolle.

Einen Volltreffer landeten die Urenkel Benjamin (rechts) und Fabian bei ihrer Urgroßmutter Katharina Dausch. Sie schenkten neue Wolle.

Bild: Josef Diebolder

Einen Volltreffer landeten die Urenkel Benjamin (rechts) und Fabian bei ihrer Urgroßmutter Katharina Dausch. Sie schenkten neue Wolle.

Bild: Josef Diebolder

Katharina Dausch feiert in Markt Rettenbach ihren 100. Geburtstag. Warum sie der Glaube und die Wolle gut durch den Alltag bringen.
18.09.2022 | Stand: 17:45 Uhr

Als Katharina Dausch ihren 100. Geburtstag feierte, war es wohl ein ähnliches Wetter wie zu ihrer Geburt. Denn damals, so erinnern sich ihre Kinder aus Erzählungen, konnten nicht einmal die Kartoffeln geerntet werden. Das Herbstwetter war so schlecht. Dennoch erlebte die Jubilarin in Halbersberg eine wunderschöne Kindheit bis zum Krieg. Vom Berg aus hatte sie einen herrlichen Blick auf die Basilika und Ottobeuren. Bereits mit fünf Jahren konnte sie es nicht erwarten und ging mit ihrer Schwester dort zur Schule. Von den unterrichtenden Klosterfrauen bekam sie „in Betragen die Note 1“.

Überall war ihre Hilfe nötig

Vom Bauernhof brachten sie zunächst ihre Milch nach Langenberg und später runter „in den Flecken“. Überall war ihr Helfen nötig. Dennoch wollte sie als junge Frau „nach Klosterwald zur Schule“, doch ihre Eltern waren sich einig, dass ihre Tochter bei ihnen auf dem Hof gebraucht wurde. Geprägt vom Elternhaus lernte sie die Liebe zum christlichen Glauben. Schlimm für alle war, als wenige Wochen vor Kriegsende ihr Bruder als Soldat sein Leben ließ.

So lernte sie ihren Mann Franz-Paul kennen und lieben

Schon kurz nach dem Krieg, 1945, fanden sich Franz-Paul Dausch aus Lannenberg und seine Katharina. Innerhalb weniger Monate war Hochzeit in Markt Rettenbach. Doch der Wirt konnte weder Fleisch noch Gemüse bieten. So half die Familie zusammen und ermöglichte das Fest am 26. November. Als sie nachts um 21 Uhr über den Feldweg nach Lannenberg aufbrachen, schneite es so sehr, dass ihre schönen Hochzeitsschuhe und das Kleid Schaden nahmen.

Sie bauen sich ihren Bauernhof auf

Im neuen Heim halfen ihr die häuslichen Tugenden, sich einzugliedern. Nach 20 Jahren dankte ihr die Schwiegermutter: „Du warst immer gut zu mir.“ Nachdem 1948 „gutes Geld“ mit der D-Mark kam, bauten die Eheleute ihren Bauernhof auf. Auch wurden ihnen sieben Kinder zuteil. Gerade beim Jüngsten hatten sie mit Krankheit viele Sorgen. Da halfen ihr das Beten und Wallfahrten. Mit ihrem Mann besuchten sie Lourdes, Fatima und Schio in Italien. Glücklich bis heute ist sie, dass die Tochter und sie einander ergänzen. Jeden Monat besucht sie Pfarrer Guido Beck, bringt die „Heilige Kommunion“ und spendet die Beichte.

Nähen und Stricken sind große Leidenschaften

Schon von Kindesbeinen an liebt Katharina Dausch das Nähen, den Umgang mit Stoff und Wolle. Fast wie ein „roter Wollfaden“ zieht sich dies durch ihr Leben. Bis heute ist sie immer gerne beim Flicken von Hosen oder dem Stricken anzutreffen. Zwar gilt es, beim Sockenstricken aufzupassen, doch gerne geben die Stricknadeln den Takt für ihre Gebete vor. Mancher gute Wunsch und Hoffnung gleiten so hinein in ihre Handarbeiten. Damit ihr Leben weiterhin soviel Gutes schaffen kann, waren auch bei den Geburtstagsgeschenken Wollknäuel dabei. Ihre Kinder, 17 Enkel und 34 Urenkel ließen sie mit Pfarrer Guido Beck, Zweitem Landrat Michael Helfert, Zweitem Bürgermeister Hermann Simon und der „Schäffler-Singgruppe“ hochleben.

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