Prozess

"Extrem rücksichtslos": 48-Jähriger rast durch Memmingen

MM Raserprozess

In der Kalchstraße begann die aberwitzige Flucht eines 48-jährigen Autofahrers vor einer Polizeikontrolle durch die Innenstadt.

Bild: Werner Mutzel

In der Kalchstraße begann die aberwitzige Flucht eines 48-jährigen Autofahrers vor einer Polizeikontrolle durch die Innenstadt.

Bild: Werner Mutzel

Ein bereits vorbestrafter Angeklagter rast rücksichtslos durch Memminger Innenstadt, um einer Polizeikontrolle zu entkommen. Das ist das Urteil.
24.09.2021 | Stand: 18:07 Uhr

Mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten bezahlt ein 48-jähriger Mann seine waghalsige Flucht vor der Polizei quer durch die Memminger Innenstadt. Er beging die Tat, das als verbotenes Autorennen gilt, an seinem Geburtstag Anfang Januar.

Der Angeklagte lieh sich das Fahrzeug von einer Bekannten

An diesem Tag leiht er sich von einer Bekannten deren Kleinwagen und fährt von Buchloe nach Memmingen. In der Bahnhofstraße kontrolliert eine Memminger Polizeistreife die stadtauswärts fahrenden Fahrzeuge. Kurz entschlossen wendet der 48-Jährige, beschleunigt und versucht über die Kalchstraße den Augen des Gesetzes zu entkommen. Doch die Streifenbesatzung reagiert sehr schnell und versucht aufzuschließen. Dem Flüchtenden ist klar: er hat keine Fahrerlaubnis und nach einer Polizeikontrolle wird er wieder einmal im Gefängnis landen.

Mit über 80 Stundenkilometern flüchtete er durch die Innenstadt

Was sich in den folgenden Minuten zuträgt, ist aus Sicht der Polizei und der Staatsanwaltschaft grob verkehrswidrig und extrem rücksichtslos. Mit Geschwindigkeiten von über 80 Stundenkilometern rast der Angeklagte durch die Innenstadt und missachtet die Anhaltesignale der Polizei. Die abendliche Flucht geht von der Salzstraße zur Waldhornstraße und weiter Richtung Schrannenplatz. Bei einem Abbiegevorgang des Flüchtenden kann sich ein Fußgänger, der eben die Fahrbahn überqueren wollte, gerade noch zurück auf den Gehsteig retten. Vorfahrtsregeln werden nicht beachtet, der Kleinwagen donnert ungebremst über Kreuzungsbereiche. Nach dem Kemptener Tor bleibt der Fahrer des Opel Corsa schließlich stehen und ergibt sich den Beamten – die ihn unter Nutzung von Blaulicht und Martinshorn nicht aus den Augen verloren haben.

Der Angeklagt hat bereits mehrere Vorstrafen

Das ohnehin durch zahlreiche Vorstrafen gekennzeichnete kriminelle Vorleben des Angeklagten ist damit um eine unrühmliche Episode reicher. Sachbeschädigungen, Diebstähle, Körperverletzungen und immer wieder Fahren ohne Fahrerlaubnis führten bereits zu Freiheitsstrafen auf Bewährung. Doch der Angeklagte zeigte sich nicht einsichtig und wurde während offener Bewährungen erneut straffällig.

Auch zur aktuellen Gerichtsverhandlung wurde er in Handschellen aus der Haft vorgeführt. Staatsanwältin Dr. Titz klagte ihn nicht nur wegen erneutem Fahren ohne Fahrerlaubnis und Straßenverkehrsgefährdung an. Der Angeklagte sei auch schuldig wegen eines „verbotenen Kraftfahrzeugrennens“. Die Flucht vor der Polizeistreife sei im vorliegenden Fall rechtlich so einzustufen und durch obergerichtliche Rechtsprechung bestätigt. Rechtsanwalt Michael Bogdahn versuchte erst gar nicht, das Verhalten des Angeklagten zu entschuldigen. Namens seines Mandanten gab er zu Protokoll, dass die Anklagepunkte zuträfen. Das bereits gegenüber der Polizei eingeräumte Fehlverhalten und das Geständnis vor Gericht seien zugunsten des Angeklagten zu werten, der sein Verhalten zutiefst bedauere.

Die Richterin verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr

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Richterin Katrin Krempl verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Zugleich wurde eine Fahrerlaubnissperre von zwei Jahren angeordnet und die Kosten des Verfahrens auferlegt. Eine Bewährungsstrafe sei angesichts der hohen Rückfallgeschwindigkeit des Mannes, seiner Gleichgültigkeit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern und seinem grob verkehrswidrigen Verhalten mit der konkreten Gefährdung eines Fußgängers unmöglich. Der Angeklagte habe Verkehrsflächen, die teilweise in Schrittgeschwindigkeit zu befahren sind, mit extrem hohen Geschwindigkeiten für seine missglückte Flucht genutzt.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Gegen die Fahrzeughalterin ermittelt die Polizei ebenfalls, da sie ihr Fahrzeug dem Angeklagten im Wissen überlassen hat, dass dieser keine Fahrerlaubnis besitzt.

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