Fahrradklima-Test

ADFC-Umfrage: Radler haben Spaß in Memmingen

Im aktuellen Fahrradklima-Test wird lobend erwähnt, dass Radfahrer in Memmingen viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren dürfen – so zum Beispiel am Weinmarkt (Foto).

Im aktuellen Fahrradklima-Test wird lobend erwähnt, dass Radfahrer in Memmingen viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren dürfen – so zum Beispiel am Weinmarkt (Foto).

Bild: Uwe Hirt

Im aktuellen Fahrradklima-Test wird lobend erwähnt, dass Radfahrer in Memmingen viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren dürfen – so zum Beispiel am Weinmarkt (Foto).

Bild: Uwe Hirt

Die Stadt Memmingen belegt bei Fahrradklima-Test bayernweit den dritten Platz. Radfahrer regen weitere Verbesserungen an.
24.03.2021 | Stand: 10:39 Uhr

Besser als der Durchschnitt hat Memmingen beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) abgeschnitten. Mit der Note 3,42 belegte die Kommune deutschlandweit Platz 28 in der Städtekategorie „20.000 bis 50.000 Einwohner“. Bayernweit ist es sogar der dritte Platz hinter Sonthofen (3,31) und Herzogenaurach (3,35). Die Durchschnittsnote in der Memminger Ortsgrößenklasse liegt im gesamten Bundesgebiet bei 3,9.

„In Sachen Radverkehr hat sich in den vergangenen Jahren in Memmingen vieles zum Positiven hin entwickelt“, sagt Klaus Schuster, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands Memmingen-Unterallgäu. Dennoch gebe es noch einiges zu verbessern, um eine nachhaltige Verkehrswende zu erreichen. „Fußgängern, Fahrradfahrenden und dem ÖPNV muss weiterhin konsequent Vorrang bei allen verkehrspolitischen Entscheidungen in Memmingen eingeräumt werden“, fordert der Vorsitzende. Dass die Bürger den Wunsch nach einer derartigen Verkehrswende haben, ist nach Schusters Worten an der stetig steigenden Zahl der Radfahrer abzulesen.

Lob für Memminger Straßenreinigung

Laut dem hiesigen ADFC-Vorsitzenden macht 76 Prozent der 245 Testteilnehmer das Radeln in Memmingen Spaß. Zudem geben 62 Prozent an, sich als Verkehrsteilnehmer akzeptiert zu fühlen. Und 63 Prozent berichten, dass es selten zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern komme. Gut die Hälfte der befragten Radler fühlen sich in Memmingen sicher und 55 Prozent geben an, dass in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan wurde. 56 Prozent loben, dass die Radwege regelmäßig gereinigt werden und 61 Prozent sind mit dem Winterdienst zufrieden. Positiv beurteilt wird auch, dass Radler in Memmingen sehr viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren dürfen und dass das Stadtzentrum gut mit dem Rad erreichbar ist.

Aber es gibt auch negative Erfahrungen. So bemängelt etwa die Hälfte der Befragten, dass Falschparker auf Radwegen in Memmingen großzügig geduldet würden und es häufig Konflikte mit Autofahrern gebe. 58 Prozent kritisieren die Ampelschaltungen, die nicht gut auf Radfahrer abgestimmt seien. Ferner bewerten 60 Prozent die Radwege als zu schmal. Negativ ins Gewicht fällt auch, dass es keine öffentlichen Leihräder in Memmingen gebe und viele Fahrräder gestohlen würden. Zudem wurde kritisiert, dass es – wie in vielen anderen Städten auch – zu wenig Möglichkeiten gebe, Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen

Ruf nach grüner Welle für Radfahrer

Auf die fehlenden Mitnahmemöglichkeiten beim ÖPNV angesprochen, sagt Urs Keil, Leiter des Memminger Tiefbauamts und Radverkehrsbeauftragter der Stadt: Theoretisch könnte man nach Schweizer Vorbild Fahrradhalterungen an Bussen anbringen. Aber das wäre nur im überregionalen Verkehr sinnvoll. „Im innerstädtischen ÖPNV ist eine derartige Mitnahmemöglichkeit nicht erforderlich“, ist Keil überzeugt. Auch ein Fahrradverleih sei von privaten Unternehmen nur in größeren Städten rentabel zu betreiben. „Dagegen müsste in Memmingen die Stadt sicher einiges zuschießen, damit sich so ein Verleih rechnet“, schätzt Keil. Bedarf gibt es in seinen Augen wohl nur bei auswärtigen Gästen. Und diese könnten auch Leihräder-Angebote von Fahrradhändlern nutzen.

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Was die fehlende grüne Welle für Radfahrer anbelangt, streicht Keil heraus, dass eine derartige Ampelschaltung sehr schwierig umzusetzen sei. „Denn Radler sind einfach mit zu unterschiedlicher Geschwindigkeit unterwegs.“ Weiter wünscht sich der ADFC nach Aussage des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Jonannes Holl, dass brüchige Radweg-Beläge ausgebessert und bei Übergängen zwischen Radweg und Straße mehr sogenannte Rillensteine (siehe Foto) verlegt werden. Diese haben zum einen den Vorteil, dass Autofahrer die Übergänge besser wahrnehmen, und zum anderen, dass die Übergänge weniger holprig und somit sicherer zu befahren sind.

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr würde nach Schusters Worten vor allem sorgen, wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten und der Stärkere auf den Schwächeren Rücksicht nimmt: „Dann wäre schon viel gewonnen.“

Wissenswertes zum Fahrradklima-Test des ADFC

Hintergrund: Der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist nach Angaben der Veranstalter die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt. Zwischen September und November gaben 230.000 Menschen in Deutschland ihre Meinung zum Fahrradklima in ihren Kommunen ab. In Memmingen waren es 245 Teilnehmer.

Memminger Ergebnis: Die Stadt wurde von den Teilnehmern wie vor zwei Jahren erneut mit der „Schulnote“ 3,4 bewertet. Damit belegt Memmingen in der Kategorie „Städte mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern“ von 415 bewerteten Kommunen den 28. Platz. Zum Vergleich: Kaufbeuren bekam die Note 4,0, Kempten eine 4,4 und Ulm eine 3,9.

Alle Ergebnisse des Tests 2020 finden Sie hier.