Vermögensbildung in Memmingen

„Alternativlos“: Chefvolkswirt wirbt in Memmingen für Aktien

Der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Dr. Ulrich Kater (rechts), spricht in Memmingen über Corona und die Folgen. Links der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, Thomas Munding.

Der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Dr. Ulrich Kater (rechts), spricht in Memmingen über Corona und die Folgen. Links der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, Thomas Munding.

Bild: Thomas Schwarz

Der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Dr. Ulrich Kater (rechts), spricht in Memmingen über Corona und die Folgen. Links der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, Thomas Munding.

Bild: Thomas Schwarz

Ulrich Kater von der Deka-Bank spricht bei der Sparkasse über die Folgen der Corona-Krise und wie Anleger mittelfristig immer noch gutes Geld verdienen können.
15.08.2020 | Stand: 16:00 Uhr

Es war der erste Auftritt außerhalb seiner Frankfurter Zentrale nach dem Corona-Lockdown – und der führte den Chefvolkswirt der Deka-Bank nach Memmingen. Dort sprach Dr. Ulrich Kater nicht nur mehrere Stunden mit Führungskräften der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim über Anlagestrategien, sondern auch über die Pandemie und ihre möglichen Folgen. Die Deka-Bank gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe und ist nach eigenen Angaben einer der größten Vermögensverwalter in Europa.

„Die Rezession ist sehr tief“, zieht Ulrich Kater eine Corona-Zwischenbilanz. Er geht aber davon aus, dass der Wirtschaftsabschwung nur von kurzer Dauer sein wird und spätestens in zwei Jahren wieder auf Vorcorona-Niveau ist. Ein Blick auf die Entwicklung des deutschen Leitindex Dax zeige, dass die Kursverluste seit dem Einbruch Mitte März bereits wieder aufgeholt wurden. Kater sieht die Erholung vor allem als eine positive Reaktion auf die Auffangnetze der Notenbanken und Regierungen.

Wesentlich länger andauern werde dagegen das Nullzinsumfeld. Katers Einschätzung nach hat die Corona-Krise die Nullzinsen bis mindestens 2025 zementiert – er geht eher sogar von den nächsten 20 Jahren aus. Auf diese Situation würden Anleger in der Region allerdings nur bedingt reagieren: Knapp 50 Prozent des Geldvermögens in der Stadt Memmingen, Stadt und Landkreis Lindau und im Landkreis Unterallgäu sei nach wie vor vorwiegend auf Tagesgeld- oder Girokonten geparkt. Zu diesem Ergebnis kommt das Regio-Barometer der Deka-Bank, eine aktuelle Erhebung zur Geldvermögensbildung, Wertpapierneigung und zum Anlageverhalten in der Region.

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Etwas über Landesschnitt

„Das ist ein typisch deutsches Anlageverhalten. Gerade in Nullzinszeiten ist dies aber keine sinnvolle Strategie“, kommentiert Thomas Munding, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, diese Zahlen. Stattdessen sollten mehr Anleger über Wertpapieranlagen nachdenken, rät er.

In Memmingen und im Unterallgäu besitzen 6,4 Prozent der Einwohner Aktien, in Lindau sind es 6,5 Prozent. Damit liegen die Gebiete etwas über dem Landesdurchschnitt von 6,3 Prozent und klar über dem Bundesdurchschnitt von 5,9 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Fondsbesitz. Mit 14,4 Prozent in Memmingen, 14,6 Prozent in Lindau und 14,2 Prozent im Unterallgäu sind zwei von drei Gebieten knapp unter dem Landesdurchschnitt von 14,5 Prozent, übertreffen aber alle den Bundesdurchschnitt von 14 Prozent.

Eine Analyse des Wertpapiergeschäfts der Sparkasse in der Corona-Hochzeit zeigt laut Munding, dass Kunden „besonnen reagiert“ und bei Investmentfonds keine Gelder abgezogen hätten. „Wir haben uns angesehen, wie sich unsere Wertpapierkunden insbesondere im Zeitraum vom 24.Februar bis 21.März dieses Jahres verhalten haben. 84 Prozent taten genau das Richtige – nämlich nichts.“

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Besonnen auch bei Turbulenzen

Bei vielen Kunden sei das Interesse an Aktien sogar gestiegen. „Wir haben im ersten Halbjahr 2020, verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019, rund 260 Prozent mehr Depots eröffnet und unsere Kunden haben ihre Aktienanlagen weiter ausgebaut“, sagt der Sparkassenchef. „Wer in unruhigen Zeiten besonnen und diszipliniert agiert und mit einer solide strukturierten Anlagestrategie frühzeitig die richtigen Weichen gestellt hat, ist auch in turbulenten Marktphasen gut unterwegs.“

Deka-Chefvolkswirt Kater geht von weiterhin schwankenden Kursen an den Aktienmärkten aus: „Wir werden bis ins nächste Jahr hinein sicherlich auch Rückgänge sehen.“ Mit einem durchschnittlichen Renditepotenzial von weltweit jährlich fünf bis sechs Prozent – abzüglich etwa 0,5 Prozent fürs Bearbeiten bzw. Verwalten durch die Bank – bleibe die Aktie für Sparer in den nächsten zehn Jahren aber weiterhin „alternativlos“. Das liege auch an der guten Substanz der deutschen Wirtschaft und da vor allem der Industrie, erklärt Kater. „Deswegen brauchen wir auch vor einer Verschärfung der Pandemie im Herbst keine Angst zu haben – selbst wenn es wieder einen Lockdown gibt.“ Sorgen machen ihm allerdings die Branchen Gastronomie, Veranstaltungen und Tourismus.

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Anleger würden warten, dass Kurse wieder fallen

Munding ergänzt: „In Aktienmärkte kann man schon mit kleinen Beträgen investieren.“ Das gehe bereits mit regelmäßigen Einzahlungen ab 25 Euro über einen Fondssparplan. Allerdings, so Kater, würden derzeit viele Anleger darauf warten, dass die Kurse wieder fallen – „weil sie dann kaufen wollen“. Und er empfiehlt Privatleuten, nicht in einzelne Aktienwerte zu investieren, sondern in Fonds – weil da das Risiko geringer sei.

Eine Anlagealternative mit immerhin rund zwei Prozent Rendite seien auch Immobilienfonds. „Das ist auf jeden Fall besser, als selbst ein Haus zu bauen“, betont Kater. Er geht in diesem Bereich in den nächsten Jahren von einer steigenden Rendite aus.