Baurecht

An Austragshäusle in einer Einöde darf nur „angemessen“ angebaut werden

Dickenreiser Einöde

Wie groß darf ein Anbau an dieses Austragshäusle (links) in der Dickenreishauer Einöde sein? Einen ersten Plan hat der Bauausschuss jetzt abgelehnt.

Bild: Uwe Hirt

Wie groß darf ein Anbau an dieses Austragshäusle (links) in der Dickenreishauer Einöde sein? Einen ersten Plan hat der Bauausschuss jetzt abgelehnt.

Bild: Uwe Hirt

Bauausschuss des Stadtrats Memmingen lehnt Pläne für Ausbau erst einmal ab. Nun soll nachgebessert werden. Knackpunkt ist der Standort im „Außenbereich“.
30.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Mit einer knappen Mehrheit von sieben zu sechs Stimmen wurde jetzt ein Antrag im Bauausschuss des Memminger Stadtrates abgelehnt, in dem soziale Aspekte auf geltendes Baurecht stoßen. Es geht um den Anbau an ein kleines Austragshaus in der Dickenreishauser Einöde.

Nur 59 Quadratmeter Wohnfläche misst der Nachkriegsbau, der 1948 auf einer Hofstelle errichtet wurde. Ein Mann hat das Haus gekauft und ist mit seinem Kind dort eingezogen. Inzwischen hat er aber eine Lebensgefährtin, die zwei weitere Kinder mit in die Patchworkfamilie bringt. Also soll ein eingeschoßiger Anbau den nötigen Platz dafür schaffen. Nur: Mit seinen 80 Quadratmetern Fläche steht der laut Baureferatsleiter Fabian Damm in keinem „angemessenen“ Verhältnis mehr zum ursprünglichen Gebäude, wie es das Baugesetz vorschreibt. Da das Haus in einem Außenbereich des Stadtteils steht, sind die Vorschriften dort besonders streng.

Keinen Präzedenzfall schaffen

„Hier soll eine komplette Wohneinheit angebaut werden, das Bestandsgebäude wäre dann eher ein Anhängsel, das ist nicht verhältnismäßig und kann so nicht genehmigt werden“, sagte Damm. Bei allem Verständnis für die Familie wolle man dort auch keinen Präzedenzfall schaffen. „Sonst kaufen künftig Investoren solche Kleinsthäuser auf und wandeln sie in komfortable Einfamilienhäuser um.“ Außerdem wolle man vorrangig das Bauen in Ortskernen verstärken.

Dafür, in diesem Fall nach einer Lösung für die Familie zu suchen, plädierte unter anderem Ortsteilreferentin Veronika Schraut (CSU). Der Bauwerber sei durchaus gesprächsbereit, vielleicht könne man ihm eine Idee mitgeben, wie er die Pläne ändern kann, sagte sie. Michael Hartge (ÖDP) fand, die insgesamt 125 Quadratmeter Wohnfläche seien für fünf Leute nicht unangemessen. Auch Jürgen Kolb (FW) gab zu bedenken: „59 Quadratmeter haben manche schon als Wohnzimmer, in dem Haus müssen fünf Menschen unterkommen.“ Er sei geneigt, der Familie irgendwie zu helfen, damit sie dort wohnen bleiben kann.

Sind Gauben im Dachgeschoss die Lösung?

Damm hatte dafür schon einen Vorschlag parat. Man könne im Altbau das Dachgeschoss, in dem momentan nur ein Elternschlafzimmer vorgesehen ist, mittels Gauben besser nutzen und beispielsweise zusätzlich einen Wintergarten anbauen, damit der Neubau kleiner wird, sagte er. Auch Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh war dafür, das Gespräch mit dem Antragsteller zu suchen. „Im Moment sind wir an die Vorgaben gebunden und können den Antrag nur ablehnen“, sagte sie. „Aber er landet hoffentlich noch einmal hier.“

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