Wallfahrtskirche

An kunsthistorischem Juwel nagt der Zahn der Zeit

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach gilt als kunsthistorisches Juwel. Nun bedarf sie dringend einer Renovierung.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach gilt als kunsthistorisches Juwel. Nun bedarf sie dringend einer Renovierung.

Bild: Ralf LIenert

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach gilt als kunsthistorisches Juwel. Nun bedarf sie dringend einer Renovierung.

Bild: Ralf LIenert

Das Gotteshaus in Maria Steinbach muss dringend renoviert werden. Die Vorarbeiten sind schon im Gange.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach gilt als kunsthistorisches Juwel. Nun bedarf sie dringend einer Renovierung.
Von Isolde Göppel
17.10.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Imposant und prächtig erhebt sich die Pfarr- und Wallfahrtskirche auf der steil abfallenden Hügelnase in Maria Steinbach und begrüßt ihre Besucher schon aus weiter Ferne. Seit fast drei Jahrhunderten ist sie ein Magnet für Gläubige und unter Kunstliebhabern gilt die zwischen 1746 und 1754 erbaute Kirche als Kleinod des Rokoko. Bezeichnet wird sie auch als Perle des Oberschwäbischen Barock. Doch der Zahn der Zeit nimmt keine Rücksicht auf außergewöhnliche Bauwerke. Das zeigen Risse im Mauerwerk und schadhafte Stellen an den Fenstern, die erhebliche Schäden verursacht haben. Mittels einer sogenannten „Musterachse“ soll nun ein Teilbereich – etwa ein Zehntel der gesamten Kirche – an der Süd- und Westseite innen und außen untersucht werden, um Umfang und Kosten der notwendigen Renovierung zu ermitteln.

An der im Inneren wie auch außen glanzvollen Ausstattung des Gotteshauses haben namhafte Künstler wie der Kemptener Hofmaler Franz Georg Hermann, die Wessobrunner Stuckateure Johann Georg Üblher, Franz Xaver Schmuzer und Franz Xaver Feichtmayr sowie der Orgelbauer Joseph Gabler aus Ochsenhausen mitgewirkt. Allein die schwungvolle, geradezu kühn gebogene Westfassade, die sich zweimal wuchtig in muscheliger Form über dem gewaltigen Hauptportal herauswölbt, gilt als Alleinstellungsmerkmal: Laut Experten weist keine andere deutsche Rokokokirche Vergleichbares auf.

Vorabeiten bis Ende November abgeschlossen

Für die Vorbereitung der anstehenden Renovierung sind nach Angaben von Kirchenpfleger Georg Rauh rund 100 000 Euro (ohne Planungskosten) veranschlagt und die Arbeiten sollen bis Ende November abgeschlossen sein. Rauh bewegt sich schwindelfrei hoch oben im Kirchenschiff und zeigt, was Glaser, Stuckateur und Kirchenmaler bereits ausgebessert, freigelegt und gereinigt haben: Da sind die Bleiglasfenster, deren Bleiwangen im eingebauten Zustand neu verlötet werden, damit sie wasserdicht und stabiler sind.

Die Risse an Wänden und Decke werden verharzt, es werden neue Sollbruchstellen geschaffen und die Decke samt Fresken wurde gereinigt. Rauh freut sich über ein Lob des Kirchenmalers, wonach die Steinbacher seit der letzten Innenrenovierung vor rund 30 Jahren gut auf ihre Kirche aufgepasst hätten. Das zeigen laut dem Experten die geringe Verschmutzung und Verrußung. Mit einem skeptischen Blick weist Kirchenpfleger Rauh jedoch auf den Riss über einem Fenster hin. Die Herkunft des Schadens ist noch unklar. Sollte die Ursache für den Druck auf die Fensterwölbung ein schadhafter Balken sein, der im zweischaligen Mauerwerk liegt, dann müsste dieses geöffnet, der Balken auf seine statische Funktion überprüft und gegebenenfalls herausgenommen werden. „Ob und wie das funktioniert, wird noch spannend“, sagt Rauh, der noch keine zwei Jahre im Amt ist und sich wie seine Vorgänger mit viel Herzblut ehrenamtlich für die Kirchenstiftung engagiert. Damit übernimmt der Mittfünfziger eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn dabei geht es um viel Geld.

Sportliche Aufgabe

Immerhin muss die Pfarrei Maria Steinbach als Eigentümerin der Kirche 40 Prozent der gesamten Renovierungskosten selbst aufbringen. Bei der Zahl von rund 400 Katholiken ist das eine sportliche Aufgabe – vor allem, da neben der geplanten Kirchenrenovierung auch noch der Kirchhof mit seinem schadhaften Belag neu gestaltet werden muss, eine Fenstersanierung am Pfarrhaus ansteht und die aktuelle Renovierung des Ulrichsbrunnens ein größeres Ausmaß angenommen hat als geplant. Da ist es gut, dass – wo immer es möglich ist – Projekte auch mit ehrenamtlichem Einsatz von Mitgliedern der Pfarrei durchgeführt werden.

Aktuelle Beispiele dafür sind der barrierefreie Zugang in die Kirche mittels einer Rampe und der behindertengerechte Umbau der Wallfahrer-Toilette im Kirchhof. Seit dem Frühjahr haben rund 25 handwerklich begabte Gläubige aus der Pfarrei in 240 Stunden den Umbau bewerkstelligt, wodurch über die Hälfte der veranschlagten Kosten in Höhe von 100 000 Euro eingespart werden konnte.

„Eine tolle Sache“, findet der Kirchenpfleger, der für die Renovierung auf die Spendenbereitschaft der Menschen hofft, denen die berühmte Wallfahrtskirche am Herzen liegt.