Ottobeuren

Anzahl der Arten hat sich im Unterallgäuer Günztal teils verdreifacht

OB Naturschutz

Intensiv landwirtschaftlich genutzte Felder in blütenreiches Grünland zu verwandeln, war eines der Ziele eines Naturschutzprojekts der Stiftung Kulturlandschaft Günztal. Auf ehemaligen Ackerflächen in der Günzaue wurden daher artenreiche Blumenwiesen eingesät.

Bild: Sebastian Hopfenmüller

Intensiv landwirtschaftlich genutzte Felder in blütenreiches Grünland zu verwandeln, war eines der Ziele eines Naturschutzprojekts der Stiftung Kulturlandschaft Günztal. Auf ehemaligen Ackerflächen in der Günzaue wurden daher artenreiche Blumenwiesen eingesät.

Bild: Sebastian Hopfenmüller

Naturschutzprojekt nach fünf Jahren beendet. Stiftung Kulturlandschaft Günztal zieht positive Bilanz

Von Redaktion Memminger Zeitung
05.06.2020 | Stand: 12:38 Uhr

Das Günztal im Landkreis Unterallgäu gehört zu den besonders intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen. Die Wiesen zählen laut Landesanstalt für Landwirtschaft zu den artenärmsten in ganz Bayern. Und in keiner anderen Region ist in den vergangenen 15 Jahren so viel Grünland in Ackerland umgewandelt worden. Deshalb hat sich die Stiftung Kulturlandschaft Günztal 2015 dazu aufgemacht, den Naturschutz im Intensivgrünland zu verbessern. Die Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Projekt während der vergangen fünf Jahre mit knapp 400 000 Euro gefördert. Die Stiftung zeiht nun eine positive Bilanz.

„Unser Ziel ist es, Möglichkeiten zu finden, wie eine naturschonende und extensive Nutzung in einer Region mit sehr intensiver Grünlandwirtschaft gelingen kann“, sagt der Projektleiter der Stiftung, Peter Guggenberger-Waibel. Seither habe sich im Günztal viel getan: Von Obergünzburg bis Kettershausen wurden neue Naturschutzflächen angelegt. Insgesamt entstanden 32 neue Feuchtbiotope und es wurden 6676 Bäume und Sträucher gepflanzt. Insbesondere im Grünland konnten nach Angaben der Stiftung Erfolge verzeichnet werden: Auf über 52 Hektar Wiesen wurde demnach die Nutzung extensiviert. Das heißt, bei der Bewirtschaftung wird die Düngung reduziert und die Flächen werden erst Mitte Juni gemäht. Dadurch können verschiedene Wiesenblumen wieder zur Blüte kommen. Weitere 20 Hektar werden heute wieder extensiv beweidet, mit wenigen Weidetieren pro Fläche und ohne Düngung. Auf über fünf Kilometern Länge wurden Uferrandstreifen entlang von Bächen angelegt.

Als wichtigen Erfolgsfaktor des Projektes nennt Projektmanager Sebastian Hopfenmüller die Zusammenarbeit mit den Kommunen und Landwirten: In der „Naturgemeinde“ Kettershausen konnten wir beispielhaft zeigen, wie ein kooperativer Naturschutz erfolgreich umgesetzt werden kann.“ Zu Projektbeginn bestand bei Landwirten ein sehr geringes Interesse am staatlichen Vertragsnaturschutz-Programm mitzumachen, in dessen Rahmen Landwirte für deren Verzicht auf eine intensive Nutzung Ausgleichszahlungen erhalten. In Zusammenarbeit mit Experten aus Verwaltung und Praxis wurde dann ein Extensivierungsprogramm für das Günztal maßgeschneidert und im Gemeindegebiet Kettershausen modellhaft erprobt. Die Gemeinde hat das Grünlandprogramm sowohl ideell als auch finanziell unterstützt.

Im Rahmen des Programms haben schließlich 14 Landwirte mitgemacht und zusammen über 16 Hektar extensive Heuwiesen neu geschaffen, davon fast vier Hektar mit Grünlandeinsaat auf vorherigen Ackerflächen. Dieser Erfolg macht laut der Stiftung deutlich, dass ein Miteinander möglich ist.

Zur Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen führte Projektmanager Hopfenmüller auf ausgewählte Wiesenflächen wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen Insektengruppen durch. Dabei zeigte sich, dass es insbesondere durch die Aufwertung ehemals intensiver Wiesen mit artenreichem Saatgut zu einer Verdoppelung bis Verdreifachung der Artenzahlen von Tagfaltern und Wildbienen kommt. Sogar einige Insekten-Raritäten haben sich wieder eingefunden, wie die in Bayern vom Aussterben bedrohte Leistenkopf-Blutbiene oder die beiden stark gefährdeten Schmetterlinge Randring-Perlmuttfalter und Storchschnabel-Bläuling.

Einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Grünland-Projekts lieferte der Stiftung zufolge auch die begleitende Öffentlichkeitsarbeit. Bei Exkursionen und Vorträgen wurde über 3000 Teilnehmern die Ziele und die Bedeutung der Naturschutz-Projektarbeit im Günztal vor Augen geführt. Geoökologin Elena Hofmann, die die Umweltbildungsmaßnahmen der Stiftung leitet, lädt zum Mitmachen ein: „Lassen Sie uns gemeinsam mehr artenreiche Blumenwiesen schaffen, weil diese extrem wichtig für die Artenvielfalt sind.“ Für alle, die sich etwa im eigenen Garten dem Aufruf anschließen möchten, gibt es bei der Stiftung Kulturlandschaft Günztal kostenlos Samentütchen „Wilde Bluma“ zur Abholung in der Geschäftsstelle (Bahnhofstraße 38) in Ottobeuren.