Ortsentwicklung Steinheim

Aus Rohdiamant soll Brillant werden

Steinheim

Im Rahmen eines Entwicklungskonzepts soll auch die Steinheimer Ortsmitte attraktiver gestaltet werden. Dies gilt etwa für den Platz vor dem Raiffeisenzentrum.

Bild: Anna Kabus

Im Rahmen eines Entwicklungskonzepts soll auch die Steinheimer Ortsmitte attraktiver gestaltet werden. Dies gilt etwa für den Platz vor dem Raiffeisenzentrum.

Bild: Anna Kabus

Planungsteam schließt Entwicklungskonzept für den Stadtteil Steinheim ab. Memminger Stadträte beschließen Maßnahmenkatalog.

30.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Das Konzept für die Weiterentwicklung Steinheims steht. Den entsprechenden Maßnahmenplan haben die Stadträte jetzt einstimmig beschlossen. Der Plan beinhaltet etwa 50 Maßnahmen und soll in den nächsten 15 Jahren Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt werden. Dabei lautet der Leitgedanke, der bei der Bürgerbeteiligung immer wieder genannt wurde: Steinheim soll attraktiver werden, aber seinen dörflichen Charakter behalten und nur noch ein bisschen wachsen.

Uwe Weißfloch, Leiter des Stadtplanungsamts, und Antje Heuer vom Architekturbüro „Karo“ in Leipzig, fassten in der Ratssitzung den zurückliegenden Entwicklungsprozess zusammen und nannten die wesentlichen Ergebnisse: Seit Juni 2018 hatte ein Planungsteam aus Architekten, Städte- und Landschaftsplanern unter der Federführung des Architektenbüros „Karo“ ein Konzept für die künftige Entwicklung Steinheims erarbeitet – und zwar in drei Stufen: Analysephase, Rahmenplanung und Maßnahmenplanung. In den Prozess war auch eine Lenkungsgruppe eng eingebunden. Sie bestand aus Vertretern der Stadtverwaltung, des Bürgerausschusses und dem bisherigen Stadtteilreferenten Gerhard Neukamm. Dessen großes Engagement für den Ortsteil strich Christoph Baur (CSU) in der jetzigen Ratssitzung besonders heraus.

Bürger vielfältig eingebunden

Darüber hinaus waren die Einwohner in die Planungen auf verschiedene Weise eingebunden. So gab es etwa im Oktober 2018 eine „Bürgerwerkstatt“, bei der etwa 120 Personen ihre Ideen einbrachten. Ferner wurden Fragebögen an alle Haushalte des Ortes verschickt, um herauszufinden, was sich die Bürger für ihren Ort wünschen. Laut Stadtverwaltung wurden rund 400 Fragebögen ausgefüllt zurückgeschickt.

Im Jahr 2019 fanden weitere öffentliche Veranstaltungen zur Einbindung und zur Information der Bevölkerung statt. Nicht zuletzt wurden sowohl die aktiven als auch die ehemaligen Landwirte zur Zukunft ihrer Hofstellen befragt. Auf diese Weise wollten die Planer herausfinden, welche Höfe weiter landwirtschaftlich genutzt werden und welche eventuell umgenutzt werden könnten. Denn gerade die neue Nutzung von offenen Hofstellen spielt im Entwicklungskonzept eine wichtige Rolle. Laut Amtsleiter Uwe Weißfloch und Architektin Antje Heuer beinhaltet das entwickelte Konzept für den Stadtteil Steinheim unter anderem folgende grundsätzliche Ziele:

Erhalt und Umnutzung ortsbildprägender Gebäude: Hierzu zählt etwa der bereits fast abgeschlossene Umbau des Zehntstadels. Zudem könnte die alte Schmiede zu einer sozialen oder kulturellen Einrichtung umgestaltet werden. Unter diese Kategorie fällt auch die mögliche Umnutzung von ehemaligen Bauernhöfen in Geschäfte und/oder Wohnungen. In diesem Zusammenhang können sich die Planer ein kommunales Förderprogramm zur Sanierung und Umnutzung von Höfen und anderen markanten Gebäuden vorstellen.

Aufwertung der Ortsmitte: In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel die Umgestaltung des Platzes vor dem Raiffeisenzentrum zu nennen. Ebenso die Schaffung einer neuen „Grünen Mitte“ in Form einer Parkanlage für alle Generationen gleich hinter dem Raiffeisenzentrum. An den Park soll sich eine „Grüne Lunge“ anschließen, die in Zukunft unbebaut bleiben soll. Ferner könnte im Umfeld des Zehntstadels ein erweiterter Festplatz und am Unteren Buxheimer Weg ein Bedarfsparkplatz für Großveranstaltungen entstehen. Zur weiteren Aufwertung des Stadtteils soll der Durchgangsverkehr im Bereich der Heimertinger Straße erheblich reduziert werden.

Schaffung von Wohnraum für alle Generationen: Neue Siedlungsgebiete sollen als Erweiterung beziehungsweise Fortführung der Bebauung des Ortskerns entwickelt werden. Wichtig ist den Planern hier, dass dabei keine neuen Flächen in großem Umfang in der freien Landschaft in Anspruch genommen werden. Der Maßnahmenplan sieht vor allem in folgenden drei Gebieten neue Häuser vor: nördlich des Sportplatzes, auf einer Wiese neben der Heimertinger Straße und nordöstlich der Firma Relius.

Grüne gegen Umfahrung

Laut Christoph Baur (CSU) ist das vorgestellte Konzept „ein guter Fahrplan, um aus einem ungeschliffenen Rohdiamanten einen Brillanten zu machen“.

Ebenfalls als „gelungen“ bezeichnete Grünen-Fraktionschef Professor Dr. Dieter Buchberger die Pläne für Steinheim. Gut sei auch, dass es einen „Sanierungsmanager“ geben soll. Gleichzeitig kündigte Buchberger aber an, dass die Grünen gegen eine Umgehungsstraße seien. Denn der Durchgangsverkehr werde auch ohne Umfahrung weniger werden, da Memmingen „bessere Busverbindungen und bessere Radwege“ bekommen werde. Auch die geplante Regio-S-Bahn und immer mehr im Homeoffice Arbeitende würden zu einer Reduzierung des Verkehrsaufkommens führen. „Wir sollten den Verkehr reduzieren und nicht umleiten“, unterstrich Buchberger abschließend.