Memmingen

Ausstellung wächst mit ihren kleinen Besuchern

MM Kindkunstlabor - Ausstellung Stadt-Land-Fluss

MM Kindkunstlabor - Ausstellung Stadt-Land-Fluss

Bild: Dunja Schütterle

MM Kindkunstlabor - Ausstellung Stadt-Land-Fluss

Bild: Dunja Schütterle

Mewo-Kunsthalle In die neue Schau „Stadt Land Fluss“ im Kinderkunstlabor dürfen eigene Lieblingsorte eingebaut werden. Anregungen dazu geben Werke von Wolfgang Niessner und Josef Madlener
12.03.2020 | Stand: 16:12 Uhr

Bei der Vernissage in der Mewo-Kunsthalle malen, zeichnen und gestalten junge Künstler noch an ihren Werken: Auf der grünen Wiese vor dem pinkfarbenen Haus mit dem gelben Dach und den blauen Sprossenfenstern wachsen rosarote Tulpen. Lauras Traumhaus wird nach der Fertigstellung ein Teil der Zukunftsschmiede sein, die mit der neuen Ausstellung „Stadt Land Fluss“ im Kinderkunstlabor noch bis Ende September zum Entdecken und Mitmachen einlädt.

Während Laura Details auf ihrem kreativen „Bauplan“ ergänzt, ist die neunjährige Larissa schon mit dem dreidimensionalen Hausbau aus Karton fertig. Aus dem Schornstein ihres kleinen, bunten Hauses raucht es schon. Natalie Gianfelice-Wagner von der Mewo-Kunsthalle zeigt der jungen Künstlerin ihren „Bauplatz“, der inmitten der Ausstellung noch viel Raum für weitere Gebäude bietet. „Hier soll unsere (Zukunfts-)Stadt entstehen“, erklärt die Leiterin für Kunst- und Kulturvermittlung. Sie geht mit dem Nachwuchs durch die Ausstellung „Stadt Land Fluss“, die mit besonderen Anschauungsmaterialien der Künstler Josef Madlener und Wolfgang Niessner umrahmt ist – und daher nicht nur die Jüngsten ansprechen soll.

Die Werke der beiden Künstler zeigen, wie sie ihre Umgebung wahrnahmen. Wolfgang Niessner lebte und arbeitete von 1950 bis zu seinem Tod 1994 in München. Er hielt das großstädtische Leben, seine Gebäude und Verkehrsmittel in zahlreichen Zeichnungen, Grafiken und Stichen fest. Der Bau der sogenannten „Satellitenstädte“, wie sie im näheren Umkreis der Stadt München ab den 1960er-Jahren entstanden, missfiel Niessner jedoch. Er nahm das einheitliche geometrische Erscheinungsbild der Hochhäuser oft als Anlass, sich mit diesem Wachstum kritisch künstlerisch auseinanderzusetzen. Das Gegenteil dazu zeigen die Skizzen und Zeichnungen von Josef Madlener. Er hielt die Idylle der Landschafts- und Dorfansichten fest, wie er sie selbst in Amendingen erlebte. Dieser Kosmos spiegelt seine Heimatliebe wie auch die Verbundenheit zur Natur wider.

Die einzelnen Werke der Künstler sind in verschiedene Themenwelten gegliedert, in denen die Kinder anhand von Fragen und mit konkreten Arbeitsaufträgen selbst aktiv werden können. Ein buntes Baukastenmodell der Memminger Martinskirche zeigt die einzelnen Bauabschnitte der jeweiligen Epoche. Das Augenmerk liegt darauf, die Kunst nicht nur aus der Entfernung zu erfahren, sondern im wahrsten Wortsinn zu begreifen, in Beziehung zu setzen und letztendlich selbst schöpferisch tätig zu sein.

Das Kinderkunstlabor möchte mit dem Vorurteil aufräumen, dass Kunstausstellungen langweilig oder generell nichts für Kinder sind. „Deswegen ist das Konzept nicht starr nach Vorgaben und Zeiten von Führungen getaktet“, erklärt Gianfelice-Wagner. Es lässt den jungen Besuchern mit ihren Familien Raum für kreative Prozesse – wie auch individuelle Zeit für das Entdecken altersgerechter und interaktiver Themen, die sich um die Mobilität, die Frage nach der Nutzung von Gebäuden und auch um den persönlichen Lieblingsort drehen.

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Wer Lust hat, sagt Gianfelice-Wagner, kann unter dem Motto „Mein besonderer Ort“ selbst ein Objekt als Foto, Figur, Audiodatei oder ein Attribut auf Zeit ausstellen. So soll im Laufe der Zeit eine gemeinschaftliche Version eines Zukunftsortes entstehen, an dem viele unterschiedliche Menschen verschiedener Altersstufen gearbeitet haben.

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