Memmingen

Bürger sorgen für Sicherheit in Memmingen

Sicherheitswacht

Sicherheitswacht

Bild: Anna Reinwand

Sicherheitswacht

Bild: Anna Reinwand

Ehrenamt Die freiwilligen Helfer der Sicherheitswacht laufen mehrmals pro Woche Streife durch die Stadt. „Schwarze Sheriffs“ sind sie nicht, sondern Ansprechpartner – auf Straßen, Plätzen und in dunklen Parkhäusern
18.09.2020 | Stand: 08:20 Uhr

„Das Parkhaus am Bahnhof kommt mir manchmal vor wie eine Mausefalle“, sagt Sabine Paula Palige. Sie müsse nach ihrer Schicht oft spätabends zu ihrem Auto, das dort abgestellt ist. Das mache ihr Angst, denn sie befürchte, überfallen zu werden. „Aber durch die Sicherheitswacht fühle ich mich sicherer“, fügt die Kirchdorferin hinzu.

Zwei- bis dreimal pro Woche laufen die Ehrenamtlichen sowohl tagsüber als auch spätabends Streife durch die Stadt. „Wir setzen sie bewusst in Angsträumen wie dem Parkhaus neben dem Bahnhof ein“, erklärt Jochen Glaser von der Polizei Memmingen. Die Sicherheitswacht ist zwar organisatorisch bei der Polizei angesiedelt, hat aber ein ganz anderes Aufgabengebiet. „In erster Linie soll sie als Ansprechpartner für die Bürger fungieren“, sagt Glaser. Dabei gehe es um die Gefahrenabwehr, also „Sicherheit durch Präsenz“. In seinen Augen ist die Sicherheitswacht wichtiger denn je. Denn in den vergangenen Jahren habe sich eine Wegschau-Kultur in der Gesellschaft entwickelt, so der Polizist.

Helmut Schatz ist das neueste Mitglied der insgesamt neunköpfigen Memminger Gruppe. Er hat in seiner rund 40 Stunden umfassenden Ausbildung relevante Grundlagen zum Dienstrecht, zum Strafrecht und zum praktischen Einschreiten erlernt. Zum Abschluss musste er dann eine mündliche Prüfung bestehen. „Für mich ist die Sicherheitswacht ein Dienst an der Gesellschaft“, sagt der 52-Jährige und fügt hinzu: „Ich sehe es als erforderlich an, Präsenz zu zeigen. Denn es gibt auch in Memmingen Ecken, da möchte man selbst als Mann nicht entlanglaufen.“

An diesem Tag ist er mit Dietmar Auffurth unterwegs, der sich seit drei Jahren bei der Sicherheitswacht engagiert. Vom Parkhaus laufen sie weiter zum Bahnhof. „Hier ist zwar die Bundespolizei zuständig, aber manchmal fällt uns im Umkreis des Bahnhofs etwas auf“, sagt Auffurth.

Sollten sie tatsächlich eine rechtswidrige Handlung beobachten, sprechen sie die Menschen direkt an. Im Sommer kommt es zum Beispiel öfters vor, dass unerlaubterweise Alkohol im Park getrunken wird. „In 90 Prozent der Fälle ist auch ein Verständnis der Leute da“, sagt Auffurth. „Ansonsten haben wir die Möglichkeit, Personalien aufzunehmen oder einen Platzverweis zu erteilen.“ Sollte die Situation zu brenzlig werden oder eine größere Rechtswidrigkeit vorliegen, nehmen sie über Funk Kontakt zur Polizei auf.

Wichtig ist, dass die Sicherheitswacht deeskalierend – also schlichtend – auftritt. „Gewisse rhetorische Fähigkeiten sind da schon von Bedeutung“, erklärt Glaser. Außerdem wichtig sind ein einwandfreier Leumund, eine gewisse körperliche Fitness und Zuverlässigkeit. In einem Bewerbungsgespräch überprüft Glaser, ob ein Kandidat geeignet ist. „Denn wir wollen keine schwarzen Sheriffs oder eine Bürgerwehr“, stellt er klar. „Und die Sicherheitswacht hat auch nichts mit fehlendem Polizeipersonal zu tun.“ Denn die Freiwilligen sollen die Polizei ergänzen, nicht ersetzen.

Der ganz klare Vorteil der „SiWa“ sei es, dass Menschen eine geringere Hemmschwelle hätten, sie anzusprechen – im Vergleich zu Polizisten. Das bestätigt Auffurth: „Menschen erzählen uns oft, wo sie etwas beobachtet haben oder wo Brennpunkte liegen.“ Diese Informationen werden dann an die Polizeibeamten weitergegeben. „Oft werden wir aber auch nur nach dem Weg gefragt“, sagt der 60-jährige Pensionär. Helfen kann die Sicherheitswacht außerdem, wenn Leute vermisst oder gesucht werden.

Auffurth und Schatz laufen weiter zum Marktplatz. Sie sind an diesem Tag noch ungefähr eineinhalb Stunden unterwegs. Aber die beiden haben Spaß an ihrem Ehrenamt.

Und ihre Präsenz wird von den Menschen wertgeschätzt: „Oft sprechen uns Leute an und sagen, dass es toll ist, dass wir hier nach dem Rechten schauen“, erzählt Auffurth. Neue Gesichter sind bei der Sicherheitswacht immer gerne gesehen: „Jeder, der Interesse daran hat, mitzumachen, kann sich gerne bei der Polizei Memmingen melden“, betont Glaser.