Abenteuer

Vom Allgäu bis ans Mittelmeer: Unterallgäuer ist tausende Kilometer per Fahrrad unterwegs

Jens Sommerer - Auf den Spuren der Tour de France

Der Wahl-Allgäuer Jens Sommerer fuhr im vergangenen Jahr vom Allgäu ans Mittelmeer. In diesem Jahr geht es mit seinem quietschgelben Fahrrad in die Pyrenäen. Vier Wochen wird er unterwegs sein. Sein Gepäck ist grammgenau abgewogen und beschränkt sich auf das Nötigste.

Bild: Jens Sommerer

Der Wahl-Allgäuer Jens Sommerer fuhr im vergangenen Jahr vom Allgäu ans Mittelmeer. In diesem Jahr geht es mit seinem quietschgelben Fahrrad in die Pyrenäen. Vier Wochen wird er unterwegs sein. Sein Gepäck ist grammgenau abgewogen und beschränkt sich auf das Nötigste.

Bild: Jens Sommerer

Jens Sommerer aus dem Unterallgäu unternimmt Radtouren, die zuletzt vom Allgäu bis ans Mittelmeer führten. Für die langen Reisen wiegt er das Gepäck grammgenau.
31.01.2022 | Stand: 13:48 Uhr

Nach 21 Etappen mit einer Streckenlänge von 3942 Kilometern gewann Jan Ullrich im Jahr 1997 die Tour de France im gelben Trikot. „Da war ich gerade mal 13 Jahre alt“, erinnert sich Jens Sommerer. Doch dieses Ereignis, bei dem er vor dem Fernsehapparat mitfieberte, weckte die Leidenschaft für das Rennradfahren in ihm. Seine letzte Tour führte ihn im vergangenen Jahr vom Allgäu bis ans Mittelmeer.

So ist Jens Sommerer aus Babenhausen tausende Kilometer auf dem Rad unterwegs

Unterwegs war Sommerer, der in Babenhausen wohnt, natürlich auf zwei Rädern, aber mit einem kleinen Fahrradanhänger, in dem er sein Gepäck beförderte. „Schließlich ist die tägliche Körperpflege wichtig“, sagt er und schmunzelt dabei. Insgesamt 1800 Kilometer und 25.000 Höhenmeter kamen in dreieinhalb Wochen zusammen. Auf seiner Radreise hat der 1,90 Meter große, sportliche Recruiting-Leiter eines mittelständischen Allgäuer Unternehmens nicht nur ein kleines bisschen Tour-de-France-Luft geschnuppert, sondern er hat vor allem Blut für weitere Touren geleckt.

Dieses Jahr will er Mitte Juli für vier Wochen in Richtung Pyrenäen aufbrechen – von Aubisque und Tourmalet bis Andorra Arcalis soll es gehen. „Vielleicht schaffe ich dann auch noch einen Abstecher an den Atlantik“, sagt Sommerer. „Besonders ist der Zeitpunkt, weil gerade dann die 104. Tour de France in der Region stattfindet“, sagt der 38-jährige Radrenn-Fan und die Vorfreude auf sein persönliches „Tour-de-France-Erlebnis“ steht ihm ins Gesicht geschrieben.

So hat Sommerer das Fahrrad-Fieber gepackt

„In Hessen, wo ich aufgewachsen bin, habe ich damals schon den Radrennstars vom Team Telekom an der Straße zugejubelt und die weggeworfenen Trinkflaschen aus den Straßengräben gesammelt. Vor 20 Jahren bekam ich dann mein erstes Rennrad der Marke Concorde mit Shimano-Sora-Schaltung in der Farbe sonnengelb“, erzählt Sommerer.

Bald aber schon reichten dem Sportler die Strecken mit einem Radius von 250 Kilometern nicht mehr aus. „Wenn man morgens zu Hause startet und abends wieder zu Hause sein will, dann ist die Reichweite begrenzt, weil sich die Strecken wiederholen, was irgendwann langweilig wird – so kam ich auf die Reise-Radtouren“, sagt er. Seine erste Tour führte ihn vor fast vier Jahren auf dem Fahrrad von Hessen ins Allgäu. „Ich bin quasi zum Vorstellungsgespräch bei meinem jetzigen Arbeitgeber mit dem Fahrrad gefahren“, witzelt Sommerer. Nach seinem Boxen-Stopp in der Nähe von Memmingen ging seine erste Testfahrt weiter an den Bodensee und den Rheinfall bis in die Vogesen und wieder zurück nach Hessen. Insgesamt 1400 Kilometer steckten ihm nach der Tour in den Waden.

Lesen Sie auch
##alternative##
Tour de France Femmes

Tour de Zukunft? Frauen-Radsport hofft auf Initialzündung

Lesen Sie auch: Zwei Unterallgäuerinnen radeln nach Zentralasien: "Es ändert sich jeden Tag alles"

Mit dem Fahrrad über die Alpen bis an den Gardasee

Vom Ehrgeiz angetrieben ging es ein Jahr später – dann schon von seiner neuen Wahl-Heimat im Allgäu aus – über die Alpen bis runter zum Gardasee. „Wenn man einen Gipfel oder einen Pass wie das 2758 Meter hohe Stilfserjoch aus eigenen Kräften erreicht hat, dann fühlt man sich schon ein bisschen wie ein Superstar“, sagt Sommerer, der nicht nur durch sein knallgelbes Fahrrad und seinen Anhänger auffällt. Auch sein Helm, seine Handschuhe und sein Trikot leuchten so. „Gelb ist meine Lieblingsfarbe. Das Maillot Jaune ist auch gelb und das Wertungstrikot der Tour de France. Mir fehlt nur der Aufdruck eines Sponsors“. Seine Reisen finanziert er selbst.

Tourenfahrer müssen flexibel und leidensfähig sein

Tourenfahrer wie er müssen flexibel und vor allem leidensfähig sein. Das zeigt der ambitionierte Rennradfahrer eindrücklich in seinen selbstgedrehten Filmprojekten, die er auf seinen Touren erstellt. Ausschnitte davon findet man auf seinem Instagram-Kanal. „Für so einen Film brauche ich rund vier Monate. Das ist meine zweite Leidenschaft“, verrät der Single.

Aufgrund von Hüftproblemen und einer Operation musste die geplante Reise 2020 ausfallen. Mit eiserner Disziplin ging es für den Wahl-Allgäuer mit einem neuen Fahrrad (natürlich auch in der Farbe gelb) und einer modifizierten Ausrüstung erst 2021 nach Port-Saint-Louis-du-Rhône bei Marseille. Bis auf eine etwas unkomfortable Nacht auf einem Krankenhausflur – weil es keine andere Übernachtungsmöglichkeit gab – ging auf der Hinfahrt alles gut. Auf dem Nachhauseweg stürzte Jens Sommerer allerdings und kam in Frankreich mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus.

Lesen Sie auch: Mit dem Pferd von der Mongolei nach Memmingen - im Allgäu gab es dann einen Kniefall

„Ein wenig merkt man es noch beim Gehen“, sagt er heute. Trotzdem kann er es kaum abwarten, bis endlich die Radsaison wieder beginnt und er mit dem Outdoortraining starten kann. Bis dahin trainiert er auf seinem 20 Jahre alten „Fahrrad-Schätzchen“ weiter, das er als Schlechtwetteralternative auf Rollen gestellt hat. Sein Traum ist es, in Paris einmal auf die Champs-Elysées einzubiegen, die auch die Zielgerade des berühmtesten Straßenradrennens der Welt darstellt. „Aber es gibt auch noch viele andere schöne Ecken in Europa zu entdecken“, ergänzt er.

Wer mehr wissen möchte, der findet Jens Sommerer und seine Erlebnis-Bilder und Berichte auf Instagram unter #jensontour1

Sie wollen immer über die neuesten Nachrichten aus Memmingen informiert sein? Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen, täglichen Newsletter "Der Tag in Memmingen".