Kultur im Lockdown

Bad Grönenbacher Bandleader: „Musiker sind harte Knochen“

Dimitri Liapakis, Sänger der Metalband Mystic Prophecy, nutzt die Zeit im Lockdown um neue Alben aufzunehmen. Die Band will ihre abgesagten Auftritte im nächsten Jahr nachholen.

Dimitri Liapakis, Sänger der Metalband Mystic Prophecy, nutzt die Zeit im Lockdown um neue Alben aufzunehmen. Die Band will ihre abgesagten Auftritte im nächsten Jahr nachholen.

Bild: Sascha Sinofzik

Dimitri Liapakis, Sänger der Metalband Mystic Prophecy, nutzt die Zeit im Lockdown um neue Alben aufzunehmen. Die Band will ihre abgesagten Auftritte im nächsten Jahr nachholen.

Bild: Sascha Sinofzik

Auch Dimitri Liapakis und seine Metal-Band Mystic Prophecy sind derzeit ins Homeoffice verbannt. Wie er die Zeit nutzt und warum er zuversichtlich bleibt.
Dimitri Liapakis, Sänger der Metalband Mystic Prophecy, nutzt die Zeit im Lockdown um neue Alben aufzunehmen. Die Band will ihre abgesagten Auftritte im nächsten Jahr nachholen.
Von David Dorn
29.12.2020 | Stand: 12:05 Uhr

Ebenso wie Opern und klassische Konzerte sind auch die härtesten Gangarten der Musik sind von der Corona-Pandemie betroffen. So sitzt auch Dimitri Liapakis, Sänger der Metalband Mystic Prophecy, gerade zuhause in Bad Grönenbach, statt auf der Bühne zu rocken. „Lia“, wie ihn alle nennen, und seine Band hatten auch dieses Jahr den Kalender voller Konzerttermine. Die Pandemie hat ihnen wie allen anderen Musikern einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Wir sind momentan im Stillstand. Wir wollen natürlich spielen, dürfen aber nicht“, sagt der hauptberufliche Zerspanungsmechaniker.

Auch die anderen Bandmitglieder von Mystic Prophecy gehen eigenen Berufen nach und nutzen normalerweise einen großen Teil von Freizeit und Urlaub für Studioaufnahmen und Konzerttouren. Die Band musste alle Konzerte auf das nächste Jahr verschieben, einige finden sogar erst 2022 statt. Selbst ein Auftritt im Memminger Kaminwerk mit striktem Hygienekonzept und Abstandsregeln für diesen Dezember fiel dem erneuten Lockdown zum Opfer. Mystic Prophecy holen es voraussichtlich im März nach.

"Wer clever ist, nimmt jetzt ein neues Album auf"

Für die Zeit im Lockdown empfiehlt Liapakis Musikern „kreative Alternativen“. So geben einige seiner Kollegen Gitarrenunterricht auf sozialen Medien oder schreiben bereits an neuen Liedern. Liapakis selbst nutzt die Zeit zuhause für Aufnahmen mit seinen Nebenbands Devil’s Train und Steel Prophet. „Wer clever ist, nimmt jetzt ein oder zwei Alben auf und veröffentlicht sie in den nächsten Jahren“ rät Liapakis gerade jungen Musikern.

„Das große Sterben in der Musikbranche wird aber erst noch kommen“ prophezeit der Sänger dennoch. Er glaubt, dass viele Clubs und Bands in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten kommen und aufhören müssen. Auch die Konzertagenturen erwirtschafteten momentan keinen Gewinn. Das wichtigste ist für Liapakis jetzt allerdings die Solidarität: „Wir müssen gerade auf die älteren Generationen Acht geben, dafür kann ruhig auch mal eine Tour ausfallen.“ Kulturelle Veranstaltungen und gerade Musik sind für Liapakis dennoch ein grundlegender Teil der Gesellschaft und eine willkommene Abwechslung zum Alltag.

Die Vorgehensweise der Regierung bei den Corona-Hilfsgeldern findet Liapakis nicht immer transparent genug. Er selbst erhält momentan kaum finanzielle Hilfsleistungen, da die Musik nur sein Nebenberuf ist. Berechnet werden dabei beispielsweise die Heizkosten für das Aufnahmestudio und andere Fixkosten. „Die Gelder gehen aber nicht nur an mich, da ich unsere Crew selbst direkt bezahle.“ Betroffen sind daher auch das Team rund um die Band, das sich unter anderem um Konzertauftritte kümmert. „Politiker möchte ich bei dieser großen Verantwortung gerade aber selber nicht sein“, gibt Liapakis zu.

Sorgen vergessen beim abrocken

Die psychische Belastung im Lockdown fällt für den Bad Grönenbacher Sänger gering aus. „Unser schnelles Leben wird gerade ausgebremst. Vielleicht schätzen wir es jetzt deshalb umso mehr und lernen mit weniger zu leben.“ Da Lia sonst viel Freizeit für seine Bands verwendet, möchte er sich in der jetzigen Zeit umso mehr seiner Familie widmen. Dennoch vermisst Liapakis das Leben auf der Bühne. Für ihn ist die Musik eine echte Lebenseinstellung. Dem Publikum eine gute Show zu bieten sei bei jedem Konzert das schönste Erlebnis. „Wenn wir mit unseren Fans zusammen abrocken, können die auch mal für zwei Stunden ihre Sorgen vergessen und einfach Spaß haben.“

Für die ersten Konzerte nach der Pandemie erhofft sich der Metaller daher besonders viel Enthusiasmus. Mit Blick in die Zukunft ist sich Liapakis sicher, dass sich viele Bands durch die Pandemie nicht unterkriegen lassen. „In dieser Branche muss man manchmal ein echter Überlebenskünstler und sehr kreativ sein. Musiker sind aber zum Glück harte Knochen.“