Soziales

Berufsunfähigkeit: Memminger Selbsthilfegruppe will bei Neuorientierung helfen

Menschen, die plötzlich von Berufsunfähigkeit betroffen sind, fallen oft in ein tiefes Loch. Der neue Memminger Verein „Benachteiligt“ will ihnen in dieser Situation beistehen und Perspektiven aufzeigen.

Menschen, die plötzlich von Berufsunfähigkeit betroffen sind, fallen oft in ein tiefes Loch. Der neue Memminger Verein „Benachteiligt“ will ihnen in dieser Situation beistehen und Perspektiven aufzeigen.

Bild: Alexander Kaya

Menschen, die plötzlich von Berufsunfähigkeit betroffen sind, fallen oft in ein tiefes Loch. Der neue Memminger Verein „Benachteiligt“ will ihnen in dieser Situation beistehen und Perspektiven aufzeigen.

Bild: Alexander Kaya

Viele Menschen reagieren geschockt und stehen vor existenziellen Fragen, wenn sie plötzlich arbeitsunfähig werden. Ein neuer Verein will den Betroffenen zur Seite stehen.

Menschen, die plötzlich von Berufsunfähigkeit betroffen sind, fallen oft in ein tiefes Loch. Der neue Memminger Verein „Benachteiligt“ will ihnen in dieser Situation beistehen und Perspektiven aufzeigen.
Von Stefanie Rauh
03.09.2020 | Stand: 15:30 Uhr

Wenn eine Person plötzlich nicht mehr arbeiten kann, kommen existenzielle Fragen auf: „Wie überlebe ich ohne Einkommen? Und wie kann ich das durchstehen?“ Bei solchen Fragen will den Betroffenen künftig der in Memmingen neu gegründete Verein „Benachteiligt“ zur Seite stehen. Die Selbsthilfegruppe hat sich das Ziel gesteckt, auf ein besseres Verständnis benachteiligter Menschen in der Gesellschaft hinzuwirken. Außerdem strebt sie nach eigenen Angaben an, soziale, nicht von staatlichen Stellen oder großen Hilfsorganisationen geförderte Projekte zu unterstützen.

Wachsende Rolle psychischer Erkrankungen

Seinen Fokus richtet der Verein laut dem Vorsitzenden Michael Hornfischer dabei vor allem auf das Thema unerwartete Berufsunfähigkeit. Denn sie kann jeden treffen und durch viele Faktoren verursacht werden: Dazu zählen beispielsweise überraschend auftretende Allergien, Bandscheibenvorfälle, Amputationen sowie psychische Erkrankungen. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland laut Statista, einem deutschen Online-Portal für Statistik, Nervenerkrankungen mit 30 Prozent die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Seit 2009 haben psychische Erkrankungen im Job um 40 Prozent zugenommen.

Wenn die Berufsunfähigkeit auftritt, ist dies meist ein Schock: „Diese Menschen fallen in ein Loch. Oft haben sie Jahrzehnte gearbeitet“, sagt Michael Hornfischer. Der Vorsitzende von „Benachteiligt“ war zeitweise auch selbst betroffen: „Ich weiß, wie es ist, wenn man nicht mehr arbeiten kann und in welche Schubladen man gesteckt wird.“ Er möchte Betroffene vor der Leere bewahren, die sich in dieser Situation auftut. Hornfischer macht deutlich: „Sie sind nicht allein mit ihrer Situation. Es ist wichtig, sie zu unterstützen und neue Wege aufzuzeigen.“ Genau das will er bald ehrenamtlich mit seiner Selbsthilfegruppe umsetzen.

Erstes Treffen im September

Das erste Treffen ist Ende September geplant. Coronabedingt können vorerst nur Gruppen von sechs bis acht Personen zusammenkommen. Langfristig plant Hornfischer aber mit einer Größe zwischen sechs und zwölf Menschen.

Sollte sich größerer Bedarf zeigen, erklärt sich der Vorsitzende bereit, die Treffen in separaten Gruppen anzubieten. Beim Ablauf der Zusammenkünfte ist nach seinen Worten vor allem eines bedeutsam: „In erster Linie ist der Austausch unter Gleichbetroffenen sehr wertvoll. Die Leute können aus den Gesprächen neue Kraft ziehen und erfahren, wie andere Menschen mit dieser schwierigen Situation umgehen. Oft ist es zum Beispiel durch Gutachten oder Krankschreibungen, die eingereicht werden müssen, ein langwieriger Prozess von bis zu zwei Jahren. Wir wollen gezielt nach Lösungen suchen und den Betroffenen Alternativen zeigen, wie sie die Situation angehen können.“ Hornfischer möchte unter anderem eine unbürokratische Hilfestellung gewährleisten. Zu den Treffen der Gruppe dürfen auch Angehörige mitgebracht werden. „Wir möchten gemeinsame Abende organisieren“, sagt er.

Aktuell befindet sich die Selbsthilfegruppe, die als Verein organisiert ist, in der Gründungsphase. Spenden gibt es bislang noch nicht. „Wir haben alles aus eigener Initiative in die Wege geleitet“, sagt Hornfischer: „Wir möchten in Zukunft Projekte gestalten und ermöglichen, dass alle Menschen in jeder Lebenslage am Kulturleben teilnehmen können. Außerdem ermöglichen wir Kontakte zu Betrieben – zum Beispiel für Probearbeiten.“

Kontakt: Wer an der Selbsthilfegruppe teilnehmen möchte, kann sich unter selbsthilfe@benachteiligt.de sowie unter (01590) 5 37 39 93 anmelden. Weitere Informationen gibt es unter www.benachteiligt.de