Kartause Buxheim

Betreutes Wohnen oder ein Hotel - was wird aus dem Buxheimer Kloster?

Bürgermeister Wolfgang Schmidt (links) und Heimatdienst-Vorsitzender Dr. Josef Wettengel im Refektorium der Buxheimer Klosteranlage: Dieser einstige Speisesaal für Ordensmitglieder wurde zuletzt für Veranstaltungen genutzt. Der Raum gehört zu jenem Teil des Gebäudekomplexes, der jetzt verkauft werden soll.

Bürgermeister Wolfgang Schmidt (links) und Heimatdienst-Vorsitzender Dr. Josef Wettengel im Refektorium der Buxheimer Klosteranlage: Dieser einstige Speisesaal für Ordensmitglieder wurde zuletzt für Veranstaltungen genutzt. Der Raum gehört zu jenem Teil des Gebäudekomplexes, der jetzt verkauft werden soll.

Bild: Ralf Lienert

Bürgermeister Wolfgang Schmidt (links) und Heimatdienst-Vorsitzender Dr. Josef Wettengel im Refektorium der Buxheimer Klosteranlage: Dieser einstige Speisesaal für Ordensmitglieder wurde zuletzt für Veranstaltungen genutzt. Der Raum gehört zu jenem Teil des Gebäudekomplexes, der jetzt verkauft werden soll.

Bild: Ralf Lienert

Der Salesianer-Orden verlässt die Unterallgäuer Gemeinde und will einen Teil der Anlage verkaufen. Das Denkmal ist allerdings von herausragender Bedeutung.

20.08.2020 | Stand: 06:25 Uhr

Es ist ein Denkmal von herausragender historischer Bedeutung, darin sind sich alle Experten einig. Doch jetzt steht das Kloster in der Unterallgäuer Gemeinde Buxheim vor einer ungewissen Zukunft. Der Salesianer-Orden hat nach 94 Jahren seine dortige Niederlassung geschlossen. Ihm gehört ein Teil der Anlage, der jetzt verkauft werden soll. Die Ideen für eine künftige Nutzung reichen von Betreutem Wohnen bis zu einem Hotel. Doch die Gemeinde könne dies nicht allein stemmen, sagt der Buxheimer Bürgermeister Wolfgang Schmidt (CSU): „Wir sind auf staatliche Unterstützung angewiesen.“

Anfang des 15.  Jahrhunderts haben die Kartäuser die weitläufige Anlage gebaut, die heute den Ortskern bildet. „Es ist der einzige deutsche Standort des Kartäuser-Ordens, der noch vollständig erhalten ist“, sagt Dr. Josef Wettengel, der Vorsitzende des Buxheimer Heimatdienstes. Der Verein betreut das Kartausenmuseum, bietet Führungen an und organisiert kulturelle Veranstaltungen.

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Seltene Einblicke: So sieht es im Kloster Buxheim aus

Die Salesianer waren im Jahr 1926 in den Unterallgäuer Ort gekommen. Sie gründeten ein Gymnasium mit Internat, das Schüler aus ganz Schwaben besuchten. Doch die allgemeine Ordenskrise traf auch die Salesianer, die Zahl der Mitbrüder sank stetig. Bereits in den 1990er Jahren übergaben sie das Gymnasium an das Schulwerk der Diözese, jetzt haben sie sich ganz aus Buxheim zurückgezogen.

Den Salesianern gehört in dem Gebäudekomplex eine 8400 Quadratmeter große Fläche. Dort befinden sich ein Kreuzgang, ein einstiger Speisesaal für Ordensmitglieder und ehemalige Klassenzimmer. Inzwischen ist der bayerische Landesdenkmalrat nach Buxheim gekommen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Dieses Gremium berät die Staatsregierung in Fragen der Denkmalpflege. Die Anlage in Buxheim habe eine „außerordentlich hohe Bedeutung“, lautet die Einschätzung des Rates.

Corona-Krise verzögert Entscheidung bezüglich der Kartause Buxheim

Das Gremium hat vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich Gedanken über die künftige Nutzung macht. Wegen der Corona-Krise sei es dazu aber bislang noch nicht gekommen, sagt Bürgermeister Schmidt. Laut dem Rathauschef liegt der Fokus der Gemeinde darauf, eine Nutzung mit sozialem Charakter zu realisieren: „Schön wären Wohnungen für ältere Menschen, das kann auch Betreutes Wohnen sein.“ Heimatdienst-Vorsitzender Wettengel kann sich auch Bildungsangebote vorstellen. Oder ein „Hotel in gehobener Form“. Allerdings wäre es wohl nicht leicht, hierfür einen Investor zu finden, sagt Wettengel: „Man muss die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllen.“

Der Landesdenkmalrat hat an die Salesianer appelliert, „die Verkaufsbemühungen für einen Zeitraum von einem Jahr auszusetzen“. Dies soll allen Beteiligten die Möglichkeit geben, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten. Ob die Salesianer darauf eingehen, kann eine Ordenssprecherin nicht sagen. Zum aktuellen Stand der Dinge äußert sie sich so: „Es gibt Gespräche. Wir sind dabei, nach Lösungen zu suchen.“ Für Bürgermeister Schmidt wäre es „ideal, wenn der Freistaat finanziell einsteigt“. Darum habe man auch den Memminger Landtagsabgeordneten und Staatssekretär Klaus Holetschek (CSU) eingeschaltet. Wie viel das Projekt kosten würde, kann Schmidt noch nicht abschätzen.

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Schon jetzt ist der Freistaat einer der Eigentümer auf dem Buxheimer Kloster-Areal. Auf seiner Fläche befinden sich laut Wolfgang Schmidt ein Museum, ein großer Kreuzgang und eine Bibliothek. Der Bereich des Gymnasiums gehört dem Schulwerk der Diözese und die Gemeinde ist Eigentümerin einer kleinen Parkanlage.

Zu den Buxheimer Besonderheiten gehört auch das aus Eichenholz geschnitzte Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert, das Heimatdienst-Vorsitzender Dr. Josef Wettengel als „bayernweit einmaliges Kunstwerk“ bezeichnet. Es ist ein Werk des Tiroler Bildhauers Ignaz Waibl. Der Bezirk Schwaben hatte es im Jahr 1980 aus England zurückgekauft. Der nachträglich aufgetragene schwarze Lack wurde wieder entfernt.