Kabarett

BlöZinger präsentieren schrägen Kosmos voller witziger Figuren

KU PIK

Mit einem Best-of aus acht Programmen erheiterten (von links) Roland Penzinger und Robert Blöchl alias Blözinger ihr Publikum im PiK.

Bild: Harald Holstein

Mit einem Best-of aus acht Programmen erheiterten (von links) Roland Penzinger und Robert Blöchl alias Blözinger ihr Publikum im PiK.

Bild: Harald Holstein

Preisgekröntes Kabarett-Duo zeigt im Memminger PiK ein Best-of aus acht Programmen. Hinreißender Einstieg in die Saison der Kleinkunstbühne.
20.01.2022 | Stand: 10:54 Uhr

Mit dem Kabarett-Duo BlöZinger aus Wien startete das Parterretheater im Künerhaus (PiK) in sein Programm für das erste Halbjahr. Ein hinreißend witziger, ein gelungener Einstieg in die Saison, auch wenn pandemiebedingt nur 25 Prozent Auslastung erlaubt waren. Mit den 22 Gästen war das PiK nach dieser Vorgabe jedoch ausverkauft. Die vorwiegend älteren Besucherinnen und Besucher genossen die „Vorzüglichen BetrACHTungen“ der beiden Oberösterreicher, die hierzulande keine Unbekannten sind, denn 2019 gewannen sie das „Memminger Maul“, den Preis der Memminger Kabarett-Tage.

In ihrem achten Programm versammeln sie ein Best-of ihrer liebenswertesten und skurrilsten Figuren. Urkomisch, wenn sich ein Versicherungsmakler und sein Freund zu einem Loslass-Ritual von ihren Ex-Frauen in den Wald aufmachen. Auch Franz, der ehemalige Lehrer aus dem Altenheim, der vom ständig kiffenden Zivi Mario betreut wird, fehlt nicht in den geschickt ineinander verschachtelten und unterhaltsamen Geschichten mit Tiefgang. Erheiternd und anrührend zugleich, wenn Franz sich mit dem Tod anfreundet und ihm aus seiner Herbstdepression heraushelfen will.

Tante Trude mit Tourette-Syndrom

Besonders amüsant ist auch die kleine Reisegesellschaft in einem alten Fiat, der nur noch durch Kaugummis zusammengehalten wird. Zwei ungleiche Brüder fahren mit der Asche ihres Vaters zu seiner Bestattung. Begleitet werden sie von Tante Trude mit Tourette-Syndrom und ihrem indischen Lach-Yoga-Guru.

Für die Reise durch ihren schrägen Kosmos aberwitziger Figuren benötigen Roland Penzinger und Robert Blöchl außer drei Stühlen keinen Aufwand. Ausgefeilte, präzise Pantomime und wenige Geräusche vom Band machen ihre Geschichten atmosphärisch dicht. Herrlich ihre wortlose Nummer, in der sie sich immer größer werdende Tiere streitig machen.

Zunächst fällt an diesem Abend jeder Lacher der Zuschauerinnen und Zuschauer im luftig besetzten PiK auf, doch bald verschwindet die Zurückhaltung und es wird hemmungslos herausgelacht. Die Gäste scheinen sich an die reduzierte Zuschauerzahl gewöhnt zu haben. „Ich persönlich finde es sogar netter, wenn es weniger Leute sind“, sagt Silvia Büttner (61). „Aber das ist natürlich für die Veranstalter schwierig.“ Zuschauerin Luise Forster hingegen findet es schöner mit mehr Menschen. Dann entstehe ein herzlicheres Gefühl. „An Stimmung fehlt es nicht, aber man hat das Gefühl, man will mehr lachen, um den Schauspielern etwas zurückzugeben zu können“, sagt die 26-Jährige.

Künstler nehmen 25 Prozent Publikum mit Humor

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Die Künstler selbst nehmen die geringe Besucherzahl mit Humor. Das Haus sei ja ausverkauft, sagen sie augenzwinkernd und verweisen darauf, dass sie in ihrer Anfangszeit schon mal nur vor vier Leuten gespielt hätten. Für Roland Penzinger sind wenige Zuschauer die Nagelprobe und er zieht die Worte eines Kollegen heran: „Wenn ein Programm vor wenigen Menschen funktioniert, dann hat es Qualität.“ Beide seien froh, wieder spielen zu können, obwohl sie im Moment wegen vieler Nachholtermine in kurzer Zeit zwischen vier Programmen hin und her springen müssten.

Cornelia Bader vom PiK ist sich nicht sicher, ob sich die Leute nach der Pandemie womöglich anders verhalten: „Man ist gar nicht mehr gewöhnt, wenn es voll ist“, sagt sie. „Die Leute wollen das Enge vielleicht gar nicht mehr.“ Bisher könne der Betrieb jedenfalls trotz der Einschränkungen aufrecht erhalten und die Künstler anständig bezahlt werden. Dank treuer Mitglieder und tatkräftiger Unterstützung von Sponsoren, betonte Bader bei ihrer Begrüßung. Zudem wurde massiv in eine Belüftungsanlage investiert. Da kann man nur hoffen, dass Omikron mit 2G Plus-Regeln in Zaum gehalten werden kann, denn bis Anfang Mai sind zehn weitere Kabarettistinnen und Kabarettisten fest gebucht.

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