Ortskern

Bundesweites Forschungsprojekt nimmt Erkheim unter die Lupe

Das Kronen-Areal in Erkheim gehört zu sechs Modellprojekten in ganz Deutschland beim Forschungsvorhaben „Zukunft im Bestand“.

Das Kronen-Areal in Erkheim gehört zu sechs Modellprojekten in ganz Deutschland beim Forschungsvorhaben „Zukunft im Bestand“.

Bild: Franz Kustermann (Archiv)

Das Kronen-Areal in Erkheim gehört zu sechs Modellprojekten in ganz Deutschland beim Forschungsvorhaben „Zukunft im Bestand“.

Bild: Franz Kustermann (Archiv)

Das Kronen-Areal ist eines von sechs Vorhaben bundesweit, die für „Zukunft im Bestand“ ausgewählt wurden. Was sich der Bürgermeister für seinen Ort erhofft.
05.11.2020 | Stand: 10:40 Uhr

Welche Nutzungen kommen für historisch bedeutsame und prägende Gebäude eines Ortes in Frage? Und welche Rolle spielen sie für die Entwicklung der gesamten Gemeinde? Solchen Fragen geht das bundesweite Forschungsvorhaben „Zukunft im Bestand“ nach. Ganz genau schauen sich Experten dabei – als eines von sechs Modellprojekten bundesweit und als einziges in Bayern – das rund ein Hektar große Kronen-Areal im Herzen Erkheims an: Die Marktgemeinde hat den einstigen Gutshof samt dem großen Areal zwischen Seilerweg, der Schlößlestraße und Schlegelsberger Straße im Sommer 2019 erworben.

Schauplatz für Volksfest und Maibaumwettbewerb

Über den Kaufpreis war mit dem Verkäufer damals Stillschweigen vereinbart worden. Unter anderem werden in „normalen Jahren“ dort etwa das Volksfest „Erkheim, wie es singt und lacht“ sowie die Preisverteilung des Maibaumwettbewerbes unserer Zeitung veranstaltet. Wie das Forschungsprojekt nun konkret umgesetzt werden soll, ist allerdings selbst Bürgermeister Christian Seeberger noch nicht bekannt.

Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) hatte in einer Pressemitteilung seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, dass das Unterallgäuer Projekt für das Forschungsvorhaben auserkoren wurde. Dafür habe er sich bereits in seiner Zeit als Baustaatssekretär im Bayerischen Bauministerium „nachhaltig eingesetzt“.

Laut Projektbeschreibung untersucht „Zukunft im Bestand“ den kommunalen Umgang mit sogenannten „historisch wertvollen Schlüsselgebäuden“. Ein Kriterium ist dabei, dass sich diese in Quartieren der Städtebauförderung befinden, die dringend angepackt werden müssen. Ziel ist, dass im Laufe des Projekts Machbarkeitsstudien entstehen: Sie sollen sowohl in städtebaulicher Hinsicht als auch für die Nutzung des betreffenden Gebäudes tragfähige Vorschläge liefern.

Gastronomie hat Priorität

Erkheims Bürgermeister Christian Seeberger verspricht sich somit „gezielte Entwicklungs- und vor allem weitere Förderperspektiven“ für die Marktgemeinde. Erkheim sei als Kommune nämlich zwingend auf öffentliche Fördergelder angewiesen und könnte so ein „ortsbildprägendes Objekt“ wie das Kronen-Areal nicht alleine stemmen. Anliegen der Marktgemeinde ist es, für das markante Areal eine für die Zukunft tragfähige Nutzung zu finden. Vor allem soll so das Ortszentrum langfristig gestärkt werden. Ein entscheidender Aspekt für den Bürgermeister: „Die Gastronomie muss dabei erhalten bleiben.“ Auch die Festwiese – mitten im Ortszentrum – besitze einen besonderen Reiz.

Bürgermeister wünscht sich Ideen für neues Wohnen

Am dringendsten braucht die Marktgemeinde laut Seeberger aber neben dem gastronomischen Angebot eine nachhaltige Quartierentwicklung sowie innovative Wohnkonzepte im Ortskern. Allerdings sei der Investitionsbedarf in Erkheim in den kommenden Jahren auch ohne das ehrgeizige Projekt schon sehr groß. Gleichzeitig werde sich die Einnahmensituation durch die aktuelle Pandemielage jedoch „eher verschlechtern“. Und so sieht sich Seeberger vor der Tatsache: „Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Wir stehen somit vor großen Herausforderungen – dadurch muss sich der Marktgemeinderat sehr intensiv mit den laufenden Projekten auseinandersetzen.“

In naher Zukunft hat die Gemeinde laut dem Bürgermeister beträchtliche Ausgaben zu schultern – mit dem Neubau des Feuerwehrhauses sowie dringend erforderlichen Sanierungen beziehungsweise dem Neubau von Brücken. Noch dazu müssten einige Straßen erneuert werden und der aktuell bereits angestoßene Breitbandausbau binde zusätzlich viel kommunales Geld. Obendrein stehen die Sanierung der Schule und der Ausbau des Kindergartens an: „Ein Investitionsbedarf von mehreren Millionen Euro.“

Nachdem er sich mehrfach bei den Projektverantwortlichen erkundigt hat, berichtet Seeberger: „Nach Rückfrage bei der Begleitagentur complan wird die Marktgemeinde in den nächsten Wochen intensiver in das Projekt eingebunden. Die Projektumsetzung wird derzeit konkret vorgeplant.“